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KarstadtQuelle: Radikalumbau als Rettungsanker

Der Essener Karstadt-Quelle-Konzern hat angesichts von Verlusten in Milliardenhöhe einen massiven Umbau seiner Geschäftsstruktur beschlossen. Tausende von Arbeitsplätzen sind von diesen Maßnahmen gefährdet.

Der traditionsreiche KarstadtQuelle-Konzern hat zur Sicherung seiner Existenz einen radikalen Geschäftsumbau angekündigt und will sich von einem Großteil seiner Warenhäuser und Fachgeschäfte trennen. Der Umfang des daraus resultierenden Personalabbaus stehe zur Zeit noch nicht fest, laut Medienberichten sollen bis zu 8500 Vollzeitstellen durch die Restrukturierungsmaßnahmen wegfallen.

Im laufenden Jahr rechne das Essener Unternehmen angesichts der Kosten für die Schrumpfkur mit einem Vorsteuerverlust (Ebta) von bis zu 1,34 Milliarden Euro, gab Vorstandschef Christoph Achenbach am Dienstag auf einer Pressekonferenz bekannt. Dazu zählen Wertberichtigungen in Höhe von rund 820 Millionen Euro sowie Aufwendungen für die Restrukturierung in Höhe von 550 Millionen Euro. Angesichts der hohen Verluste können die Anleger für 2004 und 2005 daher nicht mit einer Dividende rechnen. Durch Verkäufe von Unternehmensteilen sollen auf der anderen Seite 1,1 Milliarden Euro in die Kasse kommen. Außerdem schlägt der Aufsichtsrat eine Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Millionen Euro vor. Sie soll von einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen worden.

KarstadtQuelle wolle sich möglichst schnell von 77 kleineren seiner insgesamt 180 Warenhäuser trennen oder sie zunächst in einer eigenen Gesellschaft fortführen, kündigte Achenbach an. 89 Warenhäuser mit einer Verkaufsfläche von mindestens 8000 Quadratmetern würden dagegen auch in Zukunft zum Kerngeschäft zählen. Die Fachketten wie die Bekleidungshäuser SinnLeffers und Wehmeyer, die Sportgeschäfte Runners Point und Golf House sollen verkauft werden. Auch die Beteiligung an der US-Kaffeehauskette Starbucks in Deutschland will der Konzern abstoßen, eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet, hieß es.

Quelle und Neckermann werden neu positioniert

Durch die Sanierung will der Konzern im Warenhausbereich bis 2006 Kosten in Höhe von 210 Millionen Euro einsparen. Im Versandhandel will KarstadtQuelle seine Hauptmarken Quelle und Neckermann grundlegend neu positionieren und den Spezialversand ausbauen. Hier rechnet das Unternehmen bis 2006 mit Einsparungen von 150 Millionen Euro. Die gemeinsam mit der Lufthansa gehaltene Touristik-Beteiligung Thomas Cook - der Reiseanbieter mit Sitz in Oberursel bei Frankfurt hatte zuletzt erhebliche Verluste geschrieben - gehöre hingegen weiter zum Kerngeschäft, betonte Achenbach. Bei seinen milliardenschweren Immobilien erwägt KarstadtQuelle eine Auslagerung in eine eigene Gesellschaft, die nach Möglichkeit bis zum Jahr 2006 an die Börse gebracht werden soll.

Höhe des Personalabbaus noch offen

Angaben zur Höhe des bevorstehenden Personalabbaus machte der erst wenige Monate amtierende Achenbach zunächst nicht. Aus Kreisen des Aufsichtsrates, der sich am Vortag nach einer mehrstündigen Krisensitzung hinter das Sanierungskonzeptes des Vorstandes gestellt hatte, hieß es, die endgültigen Auswirkungen auf den Personalbestand seien noch offen. Wie Arbeitnehmervertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerten sei es in der Sitzung aber zu Differenzen zwischen der Arbeitnehmerseite und Vertretern der Anteilseigner gekommen. "Das ist nicht sehr harmonisch verlaufen", hieß es weiter. Es habe eine Spaltung zwischen beiden Seiten gegeben. Ob ein Sanierungstarifvertrag beschlossen werde, sei noch offen. Die Arbeitnehmerseite sei zu Zugeständnissen bereit, wolle aber Garantien für Arbeitsplätze.

Aus Unternehmenskreisen wurden Medienberichte bestätigt, dass die Restrukturierung mit dem Abbau von rund 8500 Vollzeitstellen verbunden sein dürfte. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di hat die Sanierung beim Handelskonzern KarstadtQuelle Folgen für mehr als 20.000 Beschäftigte. Sie seien von Personalabbau, Ausgliederungen oder Verkauf betroffen, teilte ver.di am Dienstag in Berlin mit.

Alliaz trägt Kapitalerhöhung mit

Die am Vorabend angekündigte Kapitalerhöhung mit einem Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro werde aller Voraussicht nach von den beiden Großaktionären Schickedanz und der Münchener Allianz gemäß ihrer Beteiligungen gezeichnet, hieß es. Die Allianz bestätigte am Vormittag ihre Bereitschaft, die Kapitalmaßnahmen mitzutragen. Damit würde der Anteil des dritten Großaktionärs, der Riedel-Holding, weiter sinken.

Die Aktie des MDAX-Unternehmens, die am Vortag um bis zu 8,7 Prozent auf 13,06 Euro abgesackt war, startete am Dienstag erneut schwach, drehte nach offizieller Bekanntgabe der ersten Sanierungsdetails aber mehr als 2 Prozent ins Plus und notierte am Vormittag bei rund 13,65 Euro.

DPA/Reuters / DPA / Reuters