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Konjunktur: 2003 schrumpfte die deutsche Wirtschaft

Erstmals seit dem Rezessionsjahr 1993 ist das Bruttoinlandsprodukt, das die deutsche Wirtschaftsleistung beschreibt, real zurückgegangen. Angestiegen ist dafür das öffentliche Defizit: 4,0 Prozent.

Erstmals seit dem Rezessionsjahr 1993 ist die deutsche Volkswirtschaft 2003 wieder geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schwächte sich real um 0,1 Prozent ab, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. "Der leichte Rückgang der deutschen Wirtschaft 2003 kann nicht als Rezession bezeichnet werden. Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit zwei Jahren in einer Phase der Stagnation." beruhigte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen.

Die Minirezession resultierte aus der schrumpfenden Wirtschaftsaktivität im 1. Halbjahr 2003. Negativ entwickelten sich vor allem die Bruttoanlageinvestitionen mit minus 3,3 Prozent. Auch der Saldo von Ausfuhren und Einfuhren der Waren und Dienstleistungen war negativ. Lediglich die staatlichen Konsumausgaben (plus 0,7 Prozent) trugen nennenswert zur Stabilisierung bei. Bereits 2002 war Deutschland dank starker Exporte mit einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent nur knapp an einem Rezessionsjahr vorbeigeschrammt. 1993 hatte Deutschland zuletzt einen Rückgang des BIP verbuchen müssen, die Wirtschaftsleistung sank damals um 1,1 Prozent.

Viertes Quartal enttäuschte

Im vierten Quartal 2003 ist die deutsche Wirtschaft deutlich weniger gewachsen als von Experten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt habe in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres einen "leicht positiven" Verlauf genommen, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Johann Hahlen. Das Wachstum habe jedoch deutlich unter 0,5 Prozent gelegen. "Wir sprechen von ein bisschen Wachstum." Führende Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert. Auf dieser positiven Entwicklung gründen sich die Hoffnungen für einen konjunkturellen Aufschwung im Jahr 2004.

Defizit bei 4,0 Prozent vom BIP

Das Defizit der öffentlichen Hand hat sich 2003 auf 4,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgeweitet. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Damit hat Deutschland deutlich gegen die Kriterien des Euro-Stabilitätspaktes verstoßen. Es erlaubt ein Haushaltsdefizit von höchstens 3,0 Prozent des BIP. Bund, Länder und Kommunen gaben 2003 rund 86 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen.

Die Bundesrepublik hatte bereits im vergangenen Jahr mit einem Defizit von 3,5 Prozent gegen den zulässigen Referenzwert des Maastricht-Vertrages verstoßen. Die Finanzierungslücke erreichte damals laut Statistischem Bundesamt 74,3 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hatte bereits ein Defizit-Verfahren gegen Deutschland eingeleitet. Es wurde jedoch von den EU-Finanzministern gegen Sparzusagen aus Berlin auf Eis gelegt. Die EU-Kommission zieht gegen diesen Beschluss vor den Europäischen Gerichtshof.