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Lufthansa: Mit Luxus wachsen

Die Warteschlangen am Flugschalter gehören der Vergangenheit an. Und kein Passagier muss mehr durch Gangways zu seinem Flieger hetzten. Am Frankfurter Flughafen eröffnet Lufthansa demnächst ein Luxus-Terminal - leider nicht für jedern.

Superservice statt Superstress: Mitarbeiter kümmern sich ganz individuell um jeden Fluggast und ein Chauffeur bringt den Passagier mit einer Luxus-Limousine direkt zum Flieger. So soll der Service aussehen, den die Lufthansa künftig in Frankfurt bietet - allerdings nur für Gäste der First Class und andere Topkunden. Das vom 1. Dezember an geöffnete Topkunden-Terminal soll dem Ambiente eines Nobel-Hotels ähneln und nicht an eine schnöde Abflughalle erinnern. Die Kontrolle von Pässen und Tickets erfolgen im Haus. Auch ein Restaurant und Konferenzräume sind angegliedert. "Topservice für Topkunden", lautet das Motto, das Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber ausgegeben hat. Damit will sich die größte deutsche Fluggesellschaft stärker als Premium-Anbieter positionieren. An diesem Mittwoch wird das Unternehmen das genaue Konzept vorstellen.

Interesse an Premium-Kunden

"Das finde ich beeindruckend, weltweit ist das einzigartig", sagt Luftverkehrs-Analyst Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank, der als einer der wenigen die praktisch fertigen Räume schon besichtigen konnte. Angesichts des großen Verdrängungswettbewerbs bei normalen Flügen sei es richtig, dass die Lufthansa sich verstärkt um die Premium-Kunden kümmere. Am Schluss müsse die Profitmöglichkeit über die Ausrichtung entscheiden. "Das Brot-und-Butter-Volumensegment ist aber auch nicht zu vernachlässigen", sagt Weinreich.

Bereits seit einiger Zeit umgarnt die Lufthansa verstärkt ihre finanzkräftige Vielflieger und First-Class-Kunden. In der zuvor oft kritisierten Business Class wurden bei der Langstrecke neue Sitzliegen eingebaut. Auf der Kurzstrecke bleiben in der Business Class immer zahlreiche Sitze extra frei, damit die Passagiere mehr Platz haben. Vorzeige-Projekte wie Internet an Bord oder auch die neuen Lounges an den Flughäfen zielen ebenfalls besonders auf die anspruchsvolle Kundschaft ab.

Toller Service, teures Ticket

Die Lufthansa strebt einen Anteil an First- und Business-Class-Tickets von rund 20 Prozent an, sagt Lufthansa-Vertriebssprecherin Amélie Lorenz. Bei insgesamt rund 45,4 Millionen Fluggästen 2003 bedeutet dies ein wichtiges Geschäft; schließlich kostet zum Beispiel ein First-Class-Ticket von Frankfurt nach New York und zurück 6223 Euro.

Der übliche Ablauf bei Eintreffen am Flughafen, vom Abstellen des Wagens, über Check-in, Sicherheitskontrolle und Zoll, nimmt Lufthansa ihren First-Class-Kunden in Frankfurt künftig ab. "Die Kunden sollen Zeit für das Wesentliche gewinnen. First-Class-Gäste, die viele Tage im Monat im Flugzeug und am Flughafen verbringen, erwarten hohe Zeitsouveränität. Wir möchten ein Umfeld schaffen, ähnlich einer Reise im Privatjet. Top-Service für Top-Kunden. Das ist unser Anspruch für das First-Class-Terminal und die First-Class-Lounges am Flughafen", erklärt Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber.

Eher Nobelhotel als Flughafenterminal

Im First-Class-Terminal können Lufthansa-First-Class-Gäste auf einer Fläche von rund 1.800 Quadratmetern die Zeit bis zum Abflug effektiv nutzen. Ein "Personal Assistant" steht dem Gast während seines gesamten Aufenthalts zur Seite. Dieser hat die Wahl, wie er die Zeit bis zum Abflug verbringt: Separate Räume, Büros mit Telefon, Notebook-Anschluss und Büromaterial bieten dem Gast die Möglichkeit, in absoluter Privatsphäre zu arbeiten. Entspannung findet er in exklusiv ausgestatteten Ruheräumen, modern und großzügig gestaltete Badezimmer mit Dusche und Badewanne sorgen für die nötige Erfrischung vor oder nach einer langen Reise. Auf komfortablen Sofas, Sesseln und Relaxchairs können die Gäste es sich im Lounge-Bereich bequem machen, fernsehen oder aus dem umfangreichen Zeitungs- und Zeitschriftenangebot auswählen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, individuell Filme zu schauen, Musik zu hören oder mit Wireless LAN im Internet zu surfen. Im Restaurant des First-Class-Terminals bereiten Köche saisonal wechselnde Gerichte frisch vor den Augen des Gastes zu. Für Raucher steht zudem eine separate Cigar Lounge mit Snacks und Getränken zur Verfügung. Zum Flugsteig müssen die Gäste des First-Class-Terminals künftig nicht mehr zu Fuß begeben. Sie werden rechtzeitig vor dem Abflug mit einem Mercedes Benz der S-Klasse oder im Porsche Cayenne zum Flugzeug chauffiert. "Mit dem First-Class-Terminal und den Lounges bieten wir eine neue Service-Dimension für unsere besten und unsere treuesten Kunden - ein weiteres Zeichen der Kundenorientierung von Lufthansa", sagt Thierry Antinori, Bereichsvorstand Marketing & Vertrieb der Lufthansa Passage Airlines.

Auf Geschäftsreisen über den Atlantik hat sich ein anderes Projekt der Lufthansa spezialisiert. Im Auftrag der Lufthansa fliegt die Schweizer Gesellschaft PrivatAir von Deutschland in die USA - mit speziell umgebauten Maschinen. In den Flugzeugen gibt es nur eine Business-Class mit 48 Plätzen. "Die Kunden sind sehr begeistert über die persönliche Atmosphäre", sagt die für das Lufthansa-Netz zuständige Sprecherin Katrin Haase. Vier Flugbegleiter kümmern sich um die Gäste, das Ein- und Aussteigen ist wegen der geringen Sitzzahl deutlich schneller als üblich. Vor zwei Jahren begannen die ersten Flüge, inzwischen gibt es drei Linien mit insgesamt 18 Hin- und Rückflügen pro Woche. Das Ticket von Düsseldorf nach New York und zurück kostet hier etwa 3000 Euro.

Lufthansa denkt auch an preisbewusste Flieger

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten besteht für Fluggesellschaften aber auch die Gefahr, dass die Kundschaft zunehmend niedrigere Klassen bucht. Statt Business-Class genehmigen Firmen ihren Mitarbeitern dann nur noch normale Tickets, sagt der Generalsekretär der Luftfahrt-Organisation Barig, Martin Gaebges. In den vergangenen Jahren hätten einige Fluggesellschaften daher die erste Klasse ganz abgeschafft oder eingeschränkt.

Verstärkte Produktdifferenzierung nennt Lufthansa-Chef Mayrhuber dagegen sein Konzept. Ähnlich wie DaimlerChrysler sowohl einen Smart als auch einen Maybach herstelle, wolle der Lufthansa-Konzern ein volles Sortiment anbieten. Das Gegenstück zur First Class ist dann der Billigflieger: Hier ist die Lufthansa über die Gesellschaft Eurowings indirekt an der Low-Cost-Airline Germanwings beteiligt - und bietet Flüge bereits ab 19 Euro pro Strecke an.

Rochus Görgen, dpa / DPA