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Luftverkehr: Alitalia vor der Pleite?

Die Lage der vor dem Kollaps stehenden italienischen Fluglinie Alitalia spitzt sich immer weiter zu: Die Liquidität der Airline soll nach dem dreitägigen wilden Streik in der vergangenen Woche auf 200 Millionen Euro gesunken sein.

Fieberhafte Verhandlungen in Rom: Die Lage der vor dem Kollaps stehenden italienischen Fluglinie Alitalia spitzt sich immer weiter zu. Die Liquidität der Airline sei nach dem dreitägigen wilden Streik in der vergangenen Woche auf 200 Millionen Euro gesunken, hieß es jetzt am Rande einer Sitzung des Alitalia-Verwaltungsrats. Selbst unter normalen Bedingungen könne die Alitalia nur noch bis September überleben, falls keine finanziellen Hilfen gegeben werden. Sollte die Belegschaft erneut in den Ausstand treten, "ist das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit pleite", sagte der Vize-Generaldirektor der Airline, Luca Egidi.

250 Millionen Euro Quartalsverlust

Die noch zu 62 Prozent in Staatsbesitz befindliche Gesellschaft hat jüngsten Schätzungen zufolge allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres Verluste von bis zu 250 Millionen Euro eingefahren. Im Gesamtjahr 2003 hatte die Alitalia Verluste von 511 Millionen Euro verzeichnet. Auch die Regierung bezeichnete die Lage der Gesellschaft als "äußerst dramatisch".

Regierung, Gewerkschaften und Management waren am Montag an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und versuchen fieberhaft, den drohenden Kollaps doch noch abzuwenden. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht ein Maßnahmenpaket für den gesamten italienischen Luftverkehr. Arbeitsminister Roberto Maroni hatte zuvor angekündigt, die Airline mit bis zu maximal 100 Millionen Euro unterstützen zu wollen.

Dramatische Stellenstreichungen

Jedoch werden wahrscheinlich weit mehr Stellen gestrichen werden müssen, als ursprünglich angekündigt. Die Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtete am Dienstag, dass bis zu 7000 der insgesamt 22.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. "Wenn auch nur ein einziger Mitarbeiter gekündigt wird, werden wir den Sanierungsplan nicht unterschreiben", konterte der Sprecher der Alitalia-Piloten Roberto Scotti.

Zur Abwendung der Pleite sei auch weiter eine Teil-Privatisierung im Gespräch, erklärte Verkehrsminister Pietro Lunardi. "Aber es kann sein, dass in diesem Fall gewisse Leute auf den Bankrott hinarbeiten, um die Alitalia in Einzelstücken zu verkaufen". Bei Börsenöffnung in Mailand brach die Aktie der Gesellschaft am Dienstag um über sieben Prozent auf 0,216 Euro ein.

DPA
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