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Medizintechnik: Deutschlands "Medical Valley" soll in Franken liegen

Sie heißen WaveLight, november oder HumanOptics: Junge Erlanger Unternehmen, die auf dem Gebiet der Medizintechnik florieren und in einer gebeutelten Region Arbeitsplätze schaffen - ein kleines "Medical Valley".

Sie heißen WaveLight, november oder HumanOptics: Junge Erlanger Unternehmen, die auf dem Gebiet der Medizintechnik trotz konjunktureller Flaute florieren und in einer gebeutelten Region neue Arbeitsplätze schaffen. Das ist kein Zufall, meint Oberbürgermeister Siegfried Balleis: "Erlangen gilt nachweislich als optimaler Stützpunkt für Start-up-Firmen im Bereich Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie." Der CSU-Politiker hat ein ehrgeiziges Ziel: Die fränkische Universitätsstadt soll sich den Ruf als inoffizielle "Bundeshauptstadt der Medizin" erwerben.

Balleis sieht seine Stadt als Zentrum des "Medical Valley", als das sich die Region Nürnberg profilieren will. Etwa zehn Prozent der 700 000 Arbeitnehmer seien mittlerweile im Gesundheitsbereich tätig, rechnet die "Kompetenzinitiative Medizin-Pharma-Gesundheit der Region Nürnberg" vor. In Erlangen selbst sei bereits nahezu jeder Vierte von 80.000 Beschäftigten in der medizinischen Forschung, Produktion oder Dienstleistung angesiedelt.

Siemens-Medizintechnik bildet das Rückgrat

Das "Rückgrat" ist der in Erlangen angesiedelte Siemens-Bereich Medizintechnik (Medical Solutions/Med), weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen. Siemens-Med machte im Geschäftsjahr 2002/03 (30.9.) knapp 7,5 Milliarden Euro Umsatz und war mit einem Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro einer der Gewinnbringer des Konzerns. Von den weltweit 31.000 Mitarbeitern sind rund 5000 im Raum Erlangen/Forchheim beschäftigt. Mit einem Neubau für 100 Millionen Euro legte Siemens/Med vor wenigen Jahren ein Bekenntnis zum Standort Erlangen ab.

Dass das Wohlergehen der Siemens-Sparte in der Region daher mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wird, versteht sich von selbst. Doch die Lokalpolitiker verweisen auch auf andere Standbeine, insbesondere auf die Universität. An der medizinischen Fakultät sind 17 Institute und 24 Kliniken angesiedelt. Ergänzt wird diese Kompetenz durch zwei Fraunhofer-Institute, das Klinikum Nürnberg als größtes kommunales Klinikum in Deutschland und zahlreiche weitere Kliniken.

Mehr als 200 kleine und mittlere Unternehmen aus der Medinzintechnik

Auch das im Jahr 2002 gegründete bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat seinen Hauptsitz in Erlangen. Zu den "Schwergewichten" zählt daneben die Deutschland-Zentrale des Schweizer Pharmakonzerns Novartis in Nürnberg mit knapp 600 Beschäftigten. Daneben sind nach Heydrichs Angaben in der Region mehr als 200 kleine und mittlere Unternehmen im Feld Medizintechnik tätig. Dazu zählt beispielsweise die Peter Brehm GmbH in Weisendorf bei Erlangen, die mit 80 Mitarbeitern Titan-Implantate für Hüfte, Knie und Wirbelsäule entwickelt und nach eigenen Angaben in Deutschland Marktführer mit der "modularen Revisions-Prothese" ist.

Auch ein "Entrepreneur des Jahres"

Oder HumanOptics: Das 1999 gegründete Start-up-Unternehmen entwickelte die weltweit erste Linse, die ihre Brennweite automatisch an verschiedene Entfernungen anpasst. Vorstandchef Karl Klamann wurde im vergangenen Jahr zum "Entrepreneur des Jahres" gewählt. Einen europäischen Preis für die Schaffung neuer Arbeitsplätze heimste kürzlich auch WaveLight ein, Hersteller von Lasersysteme für medizinische Anwendungen. Das 1996 gegründete Unternehmen, mittlerweile börsennotiert, machte zuletzt 47,8 Millionen Euro Umsatz und schrieb schwarze Zahlen. Für weitere Entwicklungen aus dem "Medical Valley" soll das "Innovationszentrum für Medizintechnik und Pharma" sorgen, das im Mai 2003 in Erlangen eingeweiht wurde. Es bietet Büros und Labors für Unternehmensgründer.

Stephan Maurer, DPA / DPA
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