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Warenhaus-Krise: Mönchengladbach rettet seine Karstadt-Filiale

Fünf Karstadt-Filialen sollten 2016 dicht gemacht werden, seit heute sind es nur noch vier. Die Stadt Mönchengladbach springt mit einem Millionenbetrag ein und bewahrt ihren Standort vor der Schließung.

Karstadt-Filiale in Mönchengladbach bleibt erhalten

Weil die Stadt mit einem "mittleren Millionenbetrag" einspringt, bleibt die Karstadt-Filiale in Rheydt, Mönchengladbach, und damit die meisten der 100 Arbeitsplätze, doch erhalten.

Gute Nachrichten aus dem Hause Karstadt haben zurzeit eher Seltenheitswert. Doch am Freitag konnte Karstadt-Chef Stephan Fanderl zumindest den rund 100 Beschäftigten der Filiale in Mönchengladbach-Rheydt Erfreuliches präsentieren. Die Filiale, die eigentlich Mitte nächsten Jahres geschlossen werden sollte, bleibt langfristig erhalten und mit ihr die meisten Arbeitsplätze vor Ort.

Möglich wurde dieses Kunststück vor allem durch das Engagement der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach (EWMG), die das Karstadt-Gebäude vom bisherigen Eigentümer Highstreet für einen mittleren Millionenbetrag kauft. Außerdem baut die städtische Gesellschaft das Haus für eine siebenstellige Summe so um, dass Karstadt bereit ist, einen neuen Mietvertrag für die Dauer von zehn Jahren zu unterschreiben. Das Motiv der Stadt: Sie will den wichtigen Kundenmagneten halten, um eine Verödung der Geschäftsstraßen von Rheydt zu verhindern.

Den anderen von Schließung bedrohten Filialen machte Fanderl allerdings wenig Hoffnung auf ein ähnliches Happy-End. Mönchengladbach habe insgesamt eine positive Entwicklung bei Kaufkraft, Einwohnerzahl und Beschäftigungsverhältnissen, während bei den anderen Schließungsstandorten die Situation erheblich schwieriger sei. Die Schließungsbeschlüsse dort blieben in Kraft. Karstadt will im Zuge der Sanierung 2016 die Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Dessau und Neumünster aufgeben.

Sanierung laufe unerwartet schnell

In Mönchengladbach bleibt Karstadt nun erst einmal für weitere zehn Jahre Mieter in dem Haus in Rheydt - mit der Option den Vertrag schrittweise auf 30 Jahre zu verlängern. "Diese Investition zum Erhalt der Karstadt-Filiale war keine leichte Entscheidung", betonte der Mönchengladbacher Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners. Doch wollte die Stadt der Gefahr einer Verödung der Rheydter Innenstadt vorbeugen. Der EWMG-Chef Ulrich Schückhaus sagte, die von Karstadt präsentierten Zahlen zur Geschäftsentwicklung gäben dem Unternehmen die Zuversicht, mit dem Warenhauskonzern für die Zukunft planen zu können.

Insgesamt zog der Karstadt-Chef eine positive Zwischenbilanz der Aufräumarbeiten bei der angeschlagenen Warenhauskette. Karstadt sei in dem auf drei Jahre angelegten Sanierungsprozess schon unerwartet weit gekommen. "Es sieht so aus, dass wir im ersten Jahr 50 Prozent der Wegstrecke schaffen, wenn nicht mehr", sagte Fanderl.

Ende vergangenen Jahres hätten noch etwa 25 Prozent der Filialen Geld verloren. Doch es gehe aufwärts. "Die nachhaltig verlustträchtigen Häuser reduzieren sich enorm", sagte der Manager. "Man sieht in den Büchern, dass es besser wird." Mit schwarzen Zahlen rechnet der Manager in diesem Jahr aber noch nicht.

Branchenkenner bewerten Kauf unterschiedlich

Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein, findet die Risikobereitschaft der Stadt richtig. Der Fall Hertie habe gezeigt, wie verheerend es für Innenstädte sein könne, wenn Warenhäuser jahrelang leerstehen. Mönchengladbach habe den Mut gehabt, "etwas zu tun und nicht den Kopf in den Sand zu stecken".

Kritischer sieht den Schritt der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er meint: "Die Stadt geht auf jeden Fall ein hohes Risiko ein. Denn ob der verkleinerte Karstadt noch ausreichend kritische Masse hat, um auf Dauer zu bestehen, ist ungewiss." 

Erich Reimann, DPA
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