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100 Jahre KaDeWe: Purer Luxus auf 60.000 Quadratmetern

Das Berliner "Kaufhaus des Westens" feiert seinen 100. Geburtstag. Seit der Eröffnung im Jahr 1907 gilt der Konsumtempel als Hort des Luxus und der Superlative. Zur Feier erwartet die Besucher eine tonnenschwere Überraschung.

Man nennt es in einem Atemzug mit Harrods in London oder den Galeries Lafayette in Paris: das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe). In diesem Jahr wird Deutschlands bekanntestes Kaufhaus 100 Jahre alt. Vor einem Jahrhundert eröffnete der Kommerzienrat Adolf Jandorf das KaDeWe am Rande des vornehmen Berliner Westens. "Jandorf hat 1907 mit seinem Kaufhaus des Westens den anspruchsvollen Einzelhandel revolutioniert", sagt der heutige Geschäftsführer Patrice Wagner anerkennend. Nach dem Vorbild amerikanischer Warenhäuser vereinte es viele kleine Fachgeschäfte unter einem Dach, es gab elektrisches Licht und einen Teesalon für die vom Einkauf erschöpften Damen.

1927 übernahm die jüdische Kaufmannsfamilie Tietz das Warenhaus, 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten enteignet. Im Zweiten Weltkrieg stürzte ein amerikanisches Flugzeug ins KaDeWe, es brannte fast völlig aus. Während die umliegenden Häuser am Wittenbergplatz noch in Schutt und Asche lagen, feierte das KaDeWe bereits im Juli 1950 die Wiedereröffnung der ersten beiden Etagen mit 180.000 Besuchern. Den wohl größten Besucheransturm seiner Geschichte erlebte es nach dem Mauerfall 1989: Tausende DDR-Bürger stürmten die Warenwelt des Westens.

Größtes Warenhaus Europas

Mit 60.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist das KaDeWe heute nach eigenen Angaben das größte Warenhaus Europas - und eine touristische Attraktion. Es gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor oder der Fernsehturm am Alexanderplatz. "Die Touristen sind für uns ganz wichtig", sagt KaDeWe-Chef Wagner. "Nicht alle kaufen ein, aber die meisten schon - auch wenn es nur eine Tasse Kaffee oder ein Stück Schokolade ist."

Besonders gern bummeln die Berlin-Besucher durch die berühmte "Fressabteilung" im sechsten Stock: Im Restaurant unter der Glaskuppel oder an einem der 30 Kochstände kann man Spezialitäten aus aller Welt probieren - oder einfach die gutbetuchten Berliner beim Austern und Champagner schlürfen beobachten. 500 von 2.000 KaDeWe-Mitarbeitern arbeiten in der Feinkostabteilung, davon 150 Köche und Konditoren. Sie produzieren und verkaufen rund 34.000 verschiedene Artikel, darunter allein 1.300 Käsesorten, 3.400 Weine - und auch ein paar echte Raritäten. Der 100 Jahre alte "Champagner des Zaren", der 80 Jahre in einem Schiffswrack auf dem Meeresboden ruhte, liegt heute in einer Glasvitrine. Und weil das KaDeWe kein Museum ist, kann die Flasche nicht nur bestaunt, sondern für 4.500 Euro auch käuflich erworben werden.

Damenhandtasche für 150.000 Euro

Auch in den anderen Etagen können täglich bis zu 50.000 Besucher viel Geld ausgeben für Mode, Schmuck, Uhren und andere exquisite Dinge. Für eine goldene Damenhandtasche von Louis Vuitton kann man im KaDeWe 150.000 Euro loswerden. 15 Milliliter reines Parfüm der Marke Tom Ford kosten 500 Euro - und sogar in alltägliche Artikel wie Damenstrümpfe können schon mal 58,50 Euro investiert werden. Sie stammen schließlich aus dem Hause Escada. Geschäftsführer Patrice Wagner legt Wert darauf, dass es im KaDeWe nicht nur überteuerte Luxusartikel zu kaufen gibt. Insgesamt setze man seit einigen Jahren aber sehr bewusst auf Exklusivität. "Luxus ist ein fester Bestandteil unseres Konzeptes", sagt der Franzose, der vorher den Berliner Ableger des "Lafayette" an der Friedrichstraße leitete. Im deutschen Einzelhandel sei momentan eine Zuspitzung zu beobachten: Discount oder Luxus. "In der Mitte gibt es immer weniger zu holen", meint Wagner.

46 Millionen Euro in Umbau investiert

Um das KaDeWe für seinen 100. Geburtstag herauszuputzen, wird es seit drei Jahren von Grund auf renoviert. Bereits im Herbst 2004 wurde der neu gestaltete "Luxus-Boulevard" im Erdgeschoss eröffnet. Hier sind Edel-Marken wie Dior, Gucci, Chanel, Cartier und Bulgari vertreten. Insgesamt hat der Karstadt-Konzern in den vergangenen Jahren rund 46 Millionen Euro in seine nobelste Adresse investiert. Wer zurzeit durch die großzügigen Stockwerke flaniert, kommt noch an ein paar kleineren Baustellen vorbei. Bis zur Jubiläumsgala im Herbst soll aber alles fertig sein.

Und wenn sich am Jubiläumsmorgen die Türen am Berliner Kaufhaus des Westens öffnen, entströmt er wieder aufs Neue: der Hauch von Luxus. Er ist umhüllt von einer zarten Wolke feinsten Parfüms oder er manifestiert sich in den delikaten Düften der größten deutschen Delikatessen-Abteilung. Das Kaufhaus richtet die erste Jubiläums-Feier zum runden Geburtstag ganz nach Berliner Geschmack aus: Bürgermeister Klaus Wowereit, SPD, schneidet die Geburtstagstorte an. Sie ist 6,50 Meter hoch und wiegt 1,3 Tonnen. Ein solcher Superlativ mag Balsam sein für die Seelen der rekordsüchtigen Hauptstädter. Sie werden in Scharen kommen und gucken, wie immer, wenn es etwas umsonst gibt.

AP/DPA/chm / AP / DPA