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Abhörskandal um Murdochs "News of the World": Rebekah Brooks tritt zurück

Sie verfügt über enormen Einfluss in der Medienwelt. Doch nun wird der Skandal um das Boulevardblatt "News of the World" auch Rebekah Brooks zum Verhängnis: Die Murdoch-Vertraute tritt mit sofortiger Wirkung als Chefin der Verlagsgesellschaft News International zurück.

Die durch den Abhörskandal in Großbritannien unter Druck geratene Chefin der britischen Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, ist zurückgetreten. In einer Mitteilung an die Angestellten des Konzerns erklärte Brooks, sie fühle sich dafür verantwortlich, dass Menschen "verletzt" worden seien. Sie habe dem Medienunternehmer Rupert Murdoch und seinem Sohn James ihren Rücktritt angeboten, erklärte Brooks. Nachdem dies zunächst "Diskussionsgegenstand" gewesen sei, hätten sie diesen nun akzeptiert.

Eine Sprecherin des Mutterkonzerns News Corporation bestätigte den Rücktritt. Brooks Nachfolger wird nach Unternehmensangaben Tom Mockridge, der vom italienischen Bezahlsender Sky Italia kommt.

Brooks war zur Zeit des Abhörskandals Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung "News of the World" gewesen. Sie hat stets angegeben, nichts von den illegalen Abhörpraktiken gewusst zu haben. Am Dienstag soll die 43-Jährige zusammen mit Murdoch und seinem Sohn James im Medienausschuss des britischen Unterhauses zu der Affäre Stellung nehmen.

Vorläufige Ermittlungen auch in den USA

Unterdessen befasst sich auch der Generalstaatsanwalt in den USA mit dem Fall Murdoch. Den Forderungen von mehreren Senatoren, die Ermittlungen zu möglichen illegalen Aktivitäten in den USA verlangt hatten, werde nachgegangen, sagte Generalbundesanwalt und Justizminister Eric Holder. Die Ermittlungsbehörden kämen in dem Fall voran. Am Donnerstag hatte die US-Bundespolizei FBI vorläufige Ermittlungen gegen den Murdoch-Konzern News Corporation aufgenommen.

Die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" wird verdächtigt, einen Privatdetektiv in den USA mit dem Abhören der Telefone von Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 beauftragt zu haben. Der britische Generalstaatsanwalt Dominic Grieve erklärte, die Angelegenheit werde "sehr ernst" genommen und Großbritannien leiste die notwendige Unterstützung bei den Ermittlungen.

Nach dem Abhörskandal in Großbritannien waren auch in Murdochs Heimatland Australien, wo sein Medienkonzern ebenfalls eine große Rolle spielt, Forderungen nach einer Untersuchung zum Medienbesitz und zur Medienregulierung laut geworden. Während sich Premierministerin Julia Gillard offen für eine solche Untersuchung zeigte, lehnt der australische Generalstaatsanwalt Robert McClelland eine stärkere Regulierung der Medien ab. Unabhängige Medien seien ein wichtiger Aspekt von Demokratie, sagte McClelland.

be/DPA / DPA