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Rebekah Brooks: "Königin der Boulevardblätter" in Haft

Im Abhörskandal beim britischen Boulevardblatt "News of the World" hat die Polizei die ehemalige Chefredakteurin Rebekah Brooks festgenommen.

In der Medienbranche hatte sich Rebekah Brooks den Spitznamen "Königin der Boulevardblätter" erworben. Doch so hoch ihr Aufstieg, so tief nun ihr Fall: Am Sonntag wurde die Medienmanagerin und enge Vertraute von Medienmogul Rupert Murdoch im Zuge der Ermittlungen zum Abhörskandal festgenommen. Die 43-Jährige mit den markanten roten Locken steht im Verdacht, in ihrer Zeit als Chefredakteurin des Boulevardblatts "News of the World" das Abhören von Mailboxen und die Bestechung von Polizisten wenn nicht in Auftrag gegeben, so doch zumindest gedeckt zu haben.

Im Medienimperium Murdochs hat Brooks einst klein angefangen. Doch über die Jahre brachte es die begnadete Netzwerkerin nicht zuletzt dank der Protektion Murdochs bis an die Spitze seiner britischen Zeitungsgruppe News International. Auch als Anfang Juli Brooks nach Enthüllungen, wonach "News of the World" die Mailboxen eines entführten und später ermordeten Mädchens sowie von Angehörigen getöteter Soldaten abgehört hatte, unter Druck geriet, hielt Murdoch weiter die Hand schützend über sie.

Als er in Großbritannien eintraf, um die Wogen im Abhörskandal zu glätten, wurde der Medienmogul von Reportern nach seiner Priorität gefragt. "Die da", antwortete der 80-Jährige und zeigte auf die fast 40 Jahre jüngere Brooks an seiner Seite. Als der Druck weiter stieg, schloss Murdoch die "News of the World" und zog sein Übernahmeangebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurück. Doch am Ende reichte es alles nichts: Brooks war nicht länger zu halten und trat am Freitag von ihrem Posten zurück. Ein Absturz sondersgleichen, der nun am Sonntag noch tiefer ging: Die 43-Jährige wurde von der Polizei vorgeladen und sofort festgenommen.

Brooks hatte im Murdoch-Konzern einen steilen Aufstieg hingelegt: Bereits als Teenager soll sie den Wunsch gehegt haben, Journalistin zu werden. Nach einem Studium an der Sorbonne in Paris und ersten Stationen bei Provinzblättern fing sie mit 20 Jahren bei der "News of the World" an und arbeitete sich binnen weniger Jahre ganz nach oben: Im Jahr 2000 wurde Brooks die jüngste britische Chefredakteurin aller Zeiten. Bis 2003 stand sie an der Spitze der "News of the World" - zur Zeit der Abhöraktionen. Eine Mitwisserschaft weist sie zurück.

Nach dem Chefposten bei "News of the World" leitete Brooks die Redaktion des Massenblatts "The Sun", ehe sie 2009 an die Spitze von News International rückte. Während ihrer journalistischen Karriere stieß die Frau mit den roten Locken mit umstrittenen Kampagnen immer wieder auf Kritik. So rief sie etwa ihre Leser auf, verurteilte Sexualstraftäter in ihrer Nachbarschaft an den Pranger zu stellen. Ihr eigenes Privatleben schirmt sie dagegen weitgehend ab.

Im Zusammenhang mit der Abhöraffäre forderte schließlich aber nicht nur die oppositionelle Labour-Partei den Rücktritt der Murdoch-Vertrauten. Selbst Premierminister David Cameron, der enge Verbindungen zum Murdoch-Konzern unterhält, distanzierte sich von der ihm gut bekannten Medienmanagerin: Cameron war eingeladen, als sie 2009 den früheren Pferdetrainer Charlie Brooks heiratete. Die beiden Familien, die in Oxfordshire quasi in der Nachbarschaft wohnen, haben auch schon ein Weihnachts-Dinner zusammen genossen.

Über die Gründe, warum Murdoch trotz allem so lange zu seiner Managerin hielt, wurde in Großbritannien wild spekuliert. Viele glauben, dass der US-australische Medientycoon Brooks aus persönlichen Gründen sie nicht fallen ließ. Wegen der engen Bande wurde Brooks schon als siebtes Kind des Unternehmers bezeichnet. Aus ihrer Rücktrittserklärung lässt sich herauslesen, dass das Murdoch-Imperium für sie tatsächlich wie eine Familie war: "Ich gehe mit den glücklichsten Erinnerungen und einer Menge Freunde."

Nathalie Auriol, AFP/Reuters / Reuters