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Abhörskandal um Murdochs Medienkonzern: NewsCorp-Aufseher geraten unter Druck

Im Skandal um das Murdoch-Imperium NewsCorp werfen immer mehr Personen das Handtuch. Nach Rebekah Brooks geht ein weiterer ranghoher Manager des Konzerns. Die personellen Kosequenzen sind ein Anfang, um die Abhöraffäre aufzuarbeiten. Doch das allein reicht nicht aus.

Gleich zwei Rücktritte von hochrangigen Managern an einem einzigen Tag, doch die Probleme für Rupert Murdoch werden wohl bleiben: Der Verwaltungsrat seines Medienkonzerns News Corp gerät angesichts der Enthüllungen im Abhörskandal bei der Zeitung "News of the World" immer stärker in die Kritik. Als Konsequenz aus der Affäre nahm der Chef der amerikanischen News-Corp-Tochter Dow Jones & Co, Les Hinton, am Freitag seinen Hut. Hinton führte die britische Murdoch-Zeitungstochter News International, als sich die Abhörangriffe ereigneten, die jetzt vor allem in Großbritannien für Empörung sorgen. Zuvor hatte auch Rebekah Brooks, seine Nachfolgerin bei News International und Vertraute, ihren Rücktritt erklärt.

Personelle Konsequenzen beim Management sind nach Ansicht von Experten ein erster Schritt. Doch müsse sich auch die Unternehmenskultur ändern, die zum Skandal geführt habe. "Dass die Öffentlichkeit über diese Dinge so lange gelesen hat und trotzdem nicht rigoros durchgegriffen wurde, ist unglaublich", sagt Fred Tannenbaum von der Chicagoer Kanzlei Gould & Ratner, die sich auf die Betreuung von Firmen in Familienbesitz spezialisiert hat. Nach seiner Ansicht sollte News Corp einheitliche Regeln für ethisches Verhalten, die Berichterstattung und die Recherche erlassen.

Nach Ansicht von Experten hätte auch ein unabhängigerer Verwaltungsrat, das Board of Directors, früher eingreifen und den Imageschaden begrenzen können. Der Konzern wird schon lange dafür kritisiert, dass unter seinen Aufsehern Familienmitglieder und Firmeninsider sind. In dem Gremium sitzen Rupert Murdoch selbst sowie zwei seiner Söhne, James und Lachlan. James Murdoch ist bei News Corp für die britischen Zeitungen verantwortlich und gilt als Kronprinz seines Vaters. Rupert Murdochs Tochter Elisabeth soll im kommenden Jahr ebenfalls Mitglied des Verwaltungsrates werden.

News Corp selbst gibt an, dass 9 der 16 Board-Mitglieder nach den Regeln der Börse Nasdaq unabhängig seien. Der Knackpunkt ist allerdings die Stimmrechtsverteilung in dem Unternehmen: Wegen zwei Arten von Aktien verfügt die Familie über 40 Prozent der Stimmen bei der Ernennung von Verwaltungsratsmitgliedern und hat damit ein wichtiges Mitspracherecht. "Selbst wenn man ein unabhängiges Board schaffen würde - was nötig ist - wäre es noch immer der Familie verpflichtet, weil sie die Stimmen hat", sagt Charles Elson, Experte für Unternehmensführung an der University of Delaware. News Corp selbst lehnt eine Stellungnahme zu dem Thema ab.

"Mehr als nur Klatsch über Filmstars"

Die Turbulenzen um die "News of the World" haben für Murdoch handfeste wirtschaftliche Auswirkungen. Am Mittwoch zog News Corp ein Angebot zur Komplettübernahme der profitablen Sendergruppe BSkyB in Höhe von zwölf Milliarden Dollar zurück. Die Regierung hatte den Kauf informell schon abgesegnet. Doch dann erschütterte die Enthüllungen, dass Journalisten der "News of the World" sogar Telefone von Verbrechensopfern angezapft haben sollen, Großbritannien. Das Blatt wurde nach 168 Jahren kurzerhand geschlossen.

Seit Beginn des Skandals hat sich der Verwaltungsrat nicht geäußert. Allerdings wurden Joel Klein, ein früherer Staatsanwalt, und der unabhängige Juraprofessor Viet Dinh von Murdoch beauftragt, die Angelegenheiten zu regeln und das Board zu informieren.

Nach Ansicht von Experten hätte der Verwaltungsrat schon im Jahr 2005 eine unabhängige Kommission gründen sollen, um die Vorwürfe aufzuklären. "Sie hätte herausgefunden, was jetzt ans Tageslicht kommt - dass es um viel mehr geht als nur Klatsch über Filmstars", sagt Nell Minow von der Beratungsfirma GovernanceMetrics International. Rechtsexperte Tannenbaum bezweifelt, dass es überhaupt eine richtige Kontrolle gegeben habe. Neun Festnahmen von Verdächtigen deuteten darauf hin, dass die schmutzigen Vorgänge System hätten.

Nach Einschätzung von Experten könnten drohende Klagen das Board zum Eingreifen zwingen. So liegt im US-Bundesstaat Delaware eine Klage institutioneller Investoren vor. Sie werfen dem Gremium Schweigen und Passivität vor. Es habe vor der Dominanz Murdochs kapituliert: Das Board habe seine Pflichten verletzt und Milliardenverluste nicht verhindert.

Dena Aubin und Yinka Adegoka, Reuters / Reuters