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Auftritt im britischen Parlament: Doppelte Attacke auf Rupert Murdoch

Erst griffen ihn die Parlamentarier verbal an, dann wurde er von einem Zuschauer attackiert. Für den Medientycoon war es sein "demütigster Tag". Anschließend stand Rebekah Brooks Rede und Antwort.

Am Schluss seines Auftritts gab es ein "chaotisches Finish", wie es die BBC kommentierte. Rupert Murdoch wurde von einem Mann aus dem Publikum mit Rasierschaum attackiert - offenbar ein Aktivist der Protestbewegung "UK Uncut". Die hatte bisher mit Aktionen in Banken auf sich aufmerksam gemacht, nun stiegen sie auf die große Bühne des Unterhauses. Murdochs Frau Wendi griff beherzt ein, schlug den Angreifer zurück und kassierte für ihren Haken auch noch Lob vom Labour-Abgeordneten Tom Watson. Nach dem Tumult musste die Anhörung vor dem Parlamentsausschuss für zehn Minuten unterbrochen werden.

Zuvor hatte der Medientycoon eine eigene Verantwortung am Abhörskandal um die inzwischen eingestellte britische Boulevardzeitung "News of the World" resolut bestritten. Die Schuld liege bei den Menschen, denen er vertraut habe "und vielleicht denen, denen sie vertraut haben", sagte der Chef des Medienkonzerns News Corporation, der eigentlich als stark vom Inhaber dominierte Firma gilt.

Zu Beginn der Befragung vor dem Medienausschuss des Unterhauses sagte Murdoch, dies sei der "demütigste Tag" seines Lebens. Die öffentliche und live ins Fernsehen übertragene Anhörung ist eine der aufsehenerregendsten jemals von einem britischen Parlamentsausschuss abgehaltene Befragung. Es ist äußerst selten, dass sich Rupert Murdoch als Chef eines der größten Medienunternehmen der Welt öffentlich äußert. Auch sein Sohn James Murdoch stellte sich den Fragen der Abgeordneten.

Durch die Hintertür in die Downing Street 10

Murdoch gab zu, dass er bei Besuchen am Regierungssitz Downing Street 10 häufiger durch die Hintertür hereingelassen worden sei. Mitarbeiter des jeweiligen Premierministers hätten das so arrangiert. Warum, wisse er nicht, aber vermutlich, um die Fotografen zu umgehen.

Vom derzeitigen Premierminister David Cameron sei er nach dessen Wahlsieg "auf eine Tasse Tee" eingeladen worden - als Dank für die Unterstützung im Wahlkampf. "Es gab dabei kein anderes Gespräch", sagte Murdoch.

So kauzig der 80-Jährige sich präsentierte, und so kurz seine Antworten waren: Wenn er sprach, dann mit einem ordentlichen Schuss Pathos: Das Abhören des Handys eines jungen Mordopfers durch Reporter der "News of the World" bezeichnete der Medienmogul als schlimmste Erfahrung seiner Karriere. Er stehe seit 57 Jahren an der Spitze seines Konzerns News Corporation und habe zahllose Journalisten beschäftigt und Geschichten verfolgt. "Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals so schlecht gefühlt zu haben." Er verstehe, dass es seine Verantwortung sei, auch in Zukunft bei den Ermittlungen im Abhörskandal zu helfen.

"Wir haben das Vertrauen unserer Leser gebrochen"

Zur Aufklärung des Skandals dürfte die Anhörung nur wenig beitragen, die meisten Aspekte waren bereits bekannt. Auf die Frage, warum er sich aus den Übernahmeplänen um den britischen Bezahlsender BSkyB herausgezogen habe, sagte Rupert Murdoch, die "Hysterie" um den Abhörskandal und die Stimmung im Land habe es unmöglich gemacht, weiter zu verhandeln. Murdoch, dem in Großbritannien auch das Massenblatt "The Sun" und die renommierte "Times" gehören, hatte seit langem um die Komplettübernahme des TV-Senders gekämpft.

Rupert Murdoch betonte, es sei keine kommerzielle Entscheidung gewesen, die traditionsreiche und auflagenstarke "News of the World" zu schließen. Er und seine Vorstandsmitarbeiter hätten sich dazu entschlossen, weil sie sich geschämt hätten. "Wir haben das Vertrauen unserer Leser gebrochen", sagte er.

Es gebe zudem noch keine Entscheidung darüber, ob eine neue Sonntagszeitung auf den britischen Markt kommen solle. Nach dem Ende der "News of the World" hatte es Spekulationen gegeben, Murdoch habe die Zeitung ohnehin schließen und stattdessen das Schwesterblatt "The Sun" auch am Sonntag herausbringen wollen, um Geld zu sparen.

Brooks: Privatdetektive waren normal

Nach Vater und Sohn Murdoch wurde Rebekah Brooks von den Abgeordneten befragt. Die Beschäftigung von Privatdetektiven war nach Angaben der früheren Chefin des Skandalblattes "News of the World" über Jahre bei britischen Zeitungen weit verbreitet. Sie habe gewusst, dass auch das zum Konzern von Medienmogul Rupert Murdoch gehörende Sonntagsblatt Ende der 1990er Jahre Privatermittler beschäftige, so wie "jede andere Zeitung" auch, sagte Brooks.

Allerdings sei in ihrer Zeit als Chefredakteurin ihres Wissens nach dabei alles mit rechten Dingen zugegangen. Außerdem seien die Ermittler im Zusammenhang mit einer Kampagne der Zeitung gegen Pädophile und damit für einen legitimen Grund im Einsatz gewesen.

Brooks war nach ihrer Zeit als Chefredakteurin bei "News of the World" zur Top-Managerin in Murdochs britischem Konzernarm News International aufgestiegen. Im Zuge des Skandals um illegale Abhör- und Bestechungsmethoden bei der Zeitung war sie vor wenigen Tagen zurückgetreten und von der Polizei verhört worden. Sie hatte abgestritten, von illegalen Methoden gewusst zu haben. Vor dem Ausschuss betonte sie erneut, dass sie nicht in die Zahlung von Bestechungsgeldern an Polizei verwickelt gewesen sei.

Die 43-Jährige sagte, dass die Aufklärung der teilweise bereits seit Jahren bekannten Vorgänge in der Redaktion der inzwischen eingestellten "News of the World" schneller vonstatten hätten gehen müssen. "Natürlich bereue ich einiges", sagte sie auch mit Blick auf die Tatsache, dass das Handy eines jungen Mordopfers angezapft worden war. Sie habe davon aber nichts gewusst und sei genauso geschockt darüber wie jeder andere.

be/AFP/DPA / DPA