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Air Berlin Was der Etihad-Deal bedeutet


Die arabische Fluglinie Etihad steigt als Großaktionär bei Air Berlin ein. Was erhoffen sich beide von dem Zusammenschluss? Und was bedeutet das für die Lufthansa? Eine Analyse.

Deutschlands zweitgrößte Luftfahrtgesellschaft, Air Berlin, bekommt einen neuen Anteilseigner: die arabische Fluggesellschaft Etihad. Mit gut 29 Prozent der Anteile werden die Araber größter Einzelaktionär bei Air Berlin und ziehen auch in den Aufsichtsrat ein. Der Deal verschafft den Deutschen finanziell Luft. Außerdem wollen beide Gesellschaften in Zukunft auch geschäftlich zusammenarbeiten.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu der neuen Luftfahrt-Allianz.

Was hat Air Berlin von dem Deal?

Air Berlin verschafft sich erstmal ein wenig Luft. Air Berlin leidet derzeit unter externen Faktoren ebenso wie unter strukturellen Problemen. Die Luftverkehrsteuer trifft die Fluggesellschaft hart, weil sie viele preissensible Passagiere befördert und - anders als die Lufthansa - vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke fliegt.

Mit der Geldspritze beendet der neue Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn die finanziell zunehmend prekäre Lage des Unternehmens. Die Fluglinie steckt nach Jahren schneller Expansion tief in den roten Zahlen und hat einen Schuldenberg von mehr als 600 Mio. Euro. Der neue Großaktionär verpflichtete sich, seinen Anteil für mindestens zwei Jahre zu behalten, keine zusätzlichen Aktien zu kaufen und kein Übernahmeangebot abzugeben.

Aus Sicht von Robert Czerwensky, Analyst bei der DZ Bank, sind das gute Nachrichten für Air-Berlin-Aktionäre. Etihad Airways sei ein starker Ankerinvestor und Air Berlin nun auf der sicheren Seite. Die Aktie legte im SDAX um bis zu 12,1 Prozent auf 2,59 Euro zu.

Allerdings warnen Experten: noch ist die angeschlagene deutsche Airline nicht aus dem Schneider. Der Einstieg von Etihad ist ein Pflaster für Air Berlin, aber noch lange nicht die Rettung.

Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Zudem vereinbarten beide Airlines eine strategische Zusammenarbeit, unter anderem durch gemeinsame Flüge. Dadurch ergeben sich nach Unternehmensangaben allein 2012 Einsparmöglichkeiten von 35 bis 40 Millionen Euro.

Etihad und die Air-Berlin-Gruppe befördern eigenen Angaben zufolge jährlich gemeinsam mehr als 40 Millionen Passagiere, betreiben 233 Flugzeuge und haben 18.000 Beschäftigte. Zusammen erzielen sie einen Umsatz von neun Mrd. US-Dollar. Air Berlin beziffert seinen Umsatz für die ersten drei Quartale 2011 auf rund 1,4 Mrd. Euro.

Weitere Fragen dürfte sich Air Berlin hinsichtlich der geplanten Mitgliedschaft bei Oneworld stellen. Offen ist, wie die Oneworld-Gruppe, zu denen auch British Airways gehören, reagieren wird. Bislang ist keiner der der Golf-Carrier in der Allianz. Etihad ist aber zum Beispiel ein harter Konkurrent für Qantas, die bereits Mitglied der Oneworld-Gruppe sind.

Was hat Etihad von dem Deal?

Mit dem Einstieg bei Air Berlin gelingt der staatlichen Fluggesellschaft aus den Vereinten Arabischen Emiraten in erster Linie einem strategisch wichtigen Ziel näher zu kommen: die Tourismus und Handelsbranche auszubauen um somit die Abhängigkeit vom Ölgeschäft zu mindern. Jetzt haben sie Zugriff auf das dichte Streckennetz von Air Berlin. Noch dazu zu einem günstigen Preis.

Deutschland ist wegen der zentralen Lage einer der wichtigsten Märkte in Europa. Den Fluglinien aus dem Nahen Osten sind jedoch durch bilaterale Luftverkehrsabkommen Grenzen bei der Expansion gesetzt: Sie dürfen maximal vier Städte in Deutschland anfliegen, diese jedoch, so oft sie wollen. Etihad-Chef James Hogan kann seinen Kunden nun viele Umsteige-Verbindungen in deutsche und europäische Städte anbieten.

Hogan sagte dazu, die Partnerschaft gebe seinem Unternehmen Zugang zu 33 Millionen neuen Passagieren. Mit Air Berlin öffne sich ein "europäischer Markt mit ausgezeichneten Anbindungsoptionen für die Kunden beider Fluggesellschaften".

Etihad übernimmt bei Air Berlin zudem eine extrem wichtige strategische Rolle. Die Araber stellen künftig drei von 17 Direktoren im Board, der australische Etihad-Chef James Hogan wird Vize unter Air-Berlin-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber. Die Beteiligung ist ganz klar als strategisches Investment zu sehen, denn finanziell lohnt es sich nicht.

Was bedeutet das für den Air Berlin-Rivalen Lufthansa?

Für die Lufthansa ist der Einstieg eine zweischneidige Geschichte: Einerseits rückt die Bedrohung durch den Golf-Carrier nun näher. Andererseits hat Air Berlin angekündigt, im Zuge der Beteiligung alle Aktivitäten im Nahen Osten von Dubai nach Abu Dhabi zu verlagern. Die Strecke Berlin-Dubai, die Lufthansa bedient, fällt somit offenbar für Air Berlin und Etihad weg.

Es gab immer wieder Szenarien, wonach der größere und erfolgreichere Golf-Rivale Emirates sich enger an Air Berlin binden könnte, da die Fluggesellschaft aus Dubai sich bislang vergebens um Start- und Landerechte in Berlin bemüht. Zumindest diese Gefahr scheint nun zunächst abgewendet.

Lufthansa kann auch deshalb erstmal aufatmen, weil die Streckennetze von Air Berlin und Etihad sich deutlich weniger überschneiden als das zum Beispiel bei Emirates und Air Berlin der Fall wäre. Offen bleibt allerdings, ob sich Spekulationen bewahrheiten, dass eines Tages Emirates und Etihad fusionieren könnten. Das wäre ein herber Schlag für die Lufthansa.

FTD

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