Airbus-Krise EADS-Bilanzen im Sinkflug


Das A380-Fiasko hat Airbus tief in die roten Zahlen gerissen und Konzern-Mutter EADS nur einen Mini-Gewinn von 99 Millionen Euro beschert. Auch 2007 droht ein "erheblichen Verlust" - an Power8 führt für die EADS-Chefs kein Weg vorbei.

Airbus ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen geflogen. Wegen des Fiaskos beim Großflugzeug A380 und dem schwachen Dollarkurs machte der europäische Flugzeughersteller einen Betriebsverlust von 572 Millionen Euro. Dem Mutterkonzern EADS blieb trotz steigender Gewinne der Rüstungs- und Hubschraubersparten unterm Strich für 2006 nur ein Mini-Gewinn von 99 Millionen Euro - nach stolzen 1,67 Milliarden im Vorjahr. Auch für 2007 sagte Airbus einen "erheblichen Verlust" voraus. Deshalb sei es dringend notwendig, Airbus neu aufzustellen und das Sanierungsprogramm mit dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen umzusetzen, sagten die beiden EADS-Chefs Louis Gallois und Thomas Enders.

Breite Widerstandsfront in Frankreich

Gerade gegen den geplanten Stellenabbau und den Verkauf von sechs der 16 Airbus-Werke gibt es in Frankreich massiven Widerstand von Gewerkschaften und Politik. Es werde "einige Zeit in Anspruch nehmen", bis Airbus mit der neuen Struktur effektiver arbeite, sagten Enders und sein französischer Kollege Gallois, der zugleich Airbus-Chef ist.

Obwohl Airbus im vergangenen Jahr die Rekordzahl von 434 Flugzeugen auslieferte und der Umsatz um 14 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro stieg, schloss das Unternehmen mit einem Verlust von 572 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 2,3 Milliarden im Vorjahr. Allein die technischen Verzögerungen beim A380 und die Strafzahlungen an Kunden kosteten 2,5 Milliarden Euro. Mit zwei Jahren Verspätung soll der erste Superjumbo nun im Oktober ausgeliefert werden. Im kommenden Jahr will Airbus die Auslieferungen insgesamt auf 440 bis 450 Flugzeuge steigern. Ein höherer Anteil kleinerer Flugzeuge und sinkende Preise lassen den Umsatz aber nicht weiter steigen.

Rüstungsgeschäft rettet Konzern

Kräftig zulegen konnte das Rüstungs-, Hubschrauber- und Raketengeschäft. Der auf 10 Milliarden Euro gestiegene Umsatz soll im laufenden Jahr auf dieser Höhe bleiben und der operative Gewinn von 810 Millionen auf 1,0 Milliarde Euro steigen. "Wir müssen uns operativ weiter verbessern, das Vertrauen in die EADS wiederherstellen und ein schlankeres, dynamischeres Unternehmen formen", kündigten Gallois und Enders an. Das werde aber einige Zeit dauern.

Während sie für das Rüstungs-, Hubschrauber- und Raumfahrtgeschäft stabile Umsätze und einen Anstieg des operativen Gewinns auf eine Milliarde Euro voraussagten, wird Airbus von steigenden Entwicklungskosten für den A350 und sinkenden Preisen für die älteren Flugzeuge belastet.

Hohe Strafzahlungen an A380-Kunden

Trotz der Verzögerung bei der A380 und des Hin und Her beim Langstreckenflugzeug A350 bestellten Fluggesellschaften bei Airbus im vergangenen Jahr 790 neue Maschinen - das war der zweithöchste Bestelleingang in der Formengeschichte. Das Auftragsbuch erreichte mit 2533 Flugzeugen für 210 Milliarden Euro einen Rekordwert. Das Power8-Programm soll den europaweit verstreuten Konzern straffer organisieren. Sechs Werke sollen an Zulieferer oder Finanzinvestoren verkauft und 10.000 Stellen ohne Entlassungen abgebaut werden, davon 3.700 in Deutschland und 4.300 in Frankreich.

Die Ziele des umstrittenen Sanierungsprogramms für Airbus sind nach Aussagen des Firmen-Chefs Louis Gallois nicht änderbar. "Wir können die Ziele nicht ändern", sagte Gallois dazu. Die Sanierung soll Airbus in den nächsten drei Jahren fünf Milliarden Euro einsparen und von da an jährlich 2,1 Milliarden. Die Kasse von EADS ist mit Barmitteln über 4,2 Milliarden Euro derzeit noch gut gefüllt. Aber der Free Cash Flow werde 2007 wegen Airbus ins Minus rutschen, kündigte EADS an. Frankreich will bei einer Kapitalerhöhung seine Anteile erhöhen und die Vormacht übernehmen, die Bundesregierung hat jedoch ihr Veto angekündigt.

AP/Reuters AP Reuters

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