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Airbus-Sanierung: "Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen"

Einen Tag nach Bekanntgabe des Airbus-Sparprogramms, wird in den betroffenen Standorten weiter gegen die Sanierungspläne protestiert. Derweil bemühen sich die Airbus-Chefs darum, die Wogen zu glätten.

Die Überwindung der Krise bei dem europäischen Flugzeugbauer Airbus wird nach Worten des Co-Chefs der Muttergesellschaft EADS, Tom Enders, einige Zeit in Anspruch nehmen. Es sei intensiv um die richtige Lösung bei dem Sparprogramm "Power8" für die Tochter Airbus gerungen worden, sagte Enders am im ZDF. Die gefundene Lösung könne sich sehen lassen. "Es wird allerdings eine Zeit dauern, bis wir aus diesem recht tiefen Tal bei Airbus wieder heraus sind."

10.000 müssen gehen

Der Flugzeugbauer hat bekannt gegeben, dass 10.000 Stellen gestrichen und drei Werke verkauft werden sollen. Auf die Frage, ob Airbus verbindlich zusagen könne, dass der Arbeitsplatzabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen auskomme, sagte Enders: "Nein, das können wir nicht verbindlich zusagen. Aber wir haben gesagt, wir werden alles tun, diesen Prozess ohne betriebsbedingte Kündigungen durchzuführen. Und wir werden sehen, ob das gelingt in den nächsten Jahren."

Der Geschäftsführer von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, sieht trotz der Verkaufspläne gute Perspektiven für die deutschen Airbus-Werke. "Die Voraussetzungen sind gut, die Auslastung ist über Jahre gegeben", sagte Puttfarcken der Nachrichtenagentur DPA. Er werde sich nun dem Dialog mit den Mitarbeitern stellen und Betriebsversammlungen in den Werken besuchen.

"Sorgfalt geht vor Schnelligkeit", sagte er mit Blick auf die Suche nach Kooperationspartnern und Kaufinteressenten für die Werke in Nordenham, Varel und Laupheim. Er rief angesichts der spontanen Arbeitsniederlegungen nach Bekanntgabe des Sanierungsprogramms zur Besonnenheit auf. Die Situation sei aber schwierig. "Wir haben uns da eine Menge vorgenommen, das ist nicht einfach im Reiseflug zu erledigen."

"Airbus ist kein Krisenfall"

Puttfarcken warnte davor, Airbus insgesamt als Krisenfall und unsicheren Arbeitgeber zu sehen. "Wir suchen weiterhin zum Beispiel Ingenieure im Bereich Kabine und Elektrik", so der Deutschlandchef. "Wir können Bewerbern auch eine langfristige Perspektive bieten."

Während der Airbus-Gesamtbetriebsrat und die IG Metall über die Sanierungspläne beraten gehen die die Proteste der Arbeitnehmer an verschiedenen deutschen Standorten und in Frankreich weiter. Sie hatten bereits unmittelbar nach Bekanntgabe des Sparprogramms in den niedersächsischen Städten Varel und Nordenham sowie im baden-württembergischen Laupheim die Arbeit niedergelegt.

Unabhängig von den Stelleneinsparungen will Airbus für die Werke in Varel, Laupheim sowie im französischen St. Nazaire verschiedene Möglichkeiten ausloten. Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken.

Jobabbau innerhalb von vier Jahren

Nach den Plänen des Tochterunternehmens des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS sollen in Deutschland 3700 Stellen wegfallen. Weitere 4300 Arbeitsplätze seien in Frankreich betroffen - davon 1100 auf die Airbus-Zentrale in Toulouse. In Großbritannien sind es 1600 Stellen und 400 in Spanien. 5000 der genannten Stellen seien mit "Zeitarbeitskräften oder Unterauftragnehmern" besetzt. Der Abbau soll in einem Zeitraum von vier Jahren realisiert werden.

Die beschlossenen Anpassungen sollen durch natürliche Fluktuation, Vereinbarungen über freiwilliges Ausscheiden und weitere Maßnahmen erfolgen. "Bislang sieht das Management keine Notwendigkeit für Entlassungen", heißt es. Festangestellte Mitarbeiter in der Produktion - so auch am deutschen Hauptstandort Hamburg - sind nicht betroffen.

Für den Standort Nordenham in Niedersachsen sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren".

"Haben noch riesige Auftragsbestände"

Und offenbar hat Airbus noch eine Menge zu tun. "Wir haben derzeit noch einen riesigen Auftragsbestand für das aktuelle Modell, der erstmal abgearbeitet werden muss." Für die Modelle A318, A319, A320 und A321 verbuchte Airbus insgesamt bisher rund 7000 Aufträge, 2000 davon sind laut Deutschland-Chef Puttfarcken noch nicht abgearbeitet.

Auch im militärischen Bereich könnte bald ein Milliarden-Auftrag ins Haus stehen: Co-Chef Tom Enders hält sich derzeit in den USA auf und führt dort Gespräche mit dem US-Partner Northrop Grumman, die US-Luftwaffe will ihre Flotte von Tankflugzeugen erneuern. Bei dem Auftrag geht es um ein Volumen von 40 Milliarden Dollar. "Ich bin recht optimistisch, dass wir hier punkten können", so Enders.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters