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Lebensmittelhandel: Aldi-Filialen in Schanghai - mit Haxen und Co. will der Discounter Chinas Riesenmarkt erobern

China wird zum größten Lebensmittelmarkt der Welt. Dort will nun auch Aldi mitmischen. Dabei folgt der Discounter nicht der Billigheimer-Strategie, sondern will etwas Besonderes anbieten.

Der chinesische Kunde hat andere Präferenzen als ein Europäer. Schweinefleisch muss eine dicke Speckschicht haben

Der chinesische Kunde hat andere Präferenzen als ein Europäer. Schweinefleisch muss eine dicke Speckschicht haben

Getty Images

In China brummt nicht nur die Konjunktur, auch der Appetit wächst gewaltig. Mit einer Schüssel Reis ist Chinas wachsende Mittelschicht schon lange nicht mehr zufrieden. Im Reich der Mitte rollt eine Fresswelle, wie in den 1950-ern in Deutschland. In diesem Markt will nun auch Aldi präsent sein. Per Internetversand auf Alibabas Online-Einzelhandelsplattform Tmall kann man bereits Aldi-Produkte bestellen, am 7. Juni sollen zudem zwei Filialen in Schanghai aufmachen.

Diese Märkte sind Pilotprojekte. Mit denen Aldi den chinesischen Markt testen will, so das Marktforschungsunternehmen IDG Asia. "Unsere ersten Geschäfte in China müssen ein Angebot sein, das zum Verhalten der chinesischen Verbraucher passt", schrieb Aldi China in einer Erklärung. "Wir wollen, dass unsere ersten Filialen Pilotfilialen sind - um Einzelhandelskonzepte zu testen und um unsere Kunden besser zu verstehen."

Zugleich wird Aldi einen Lieferdienst auf dem Messengerdienst WeChat starten. Im Umkreis von drei Kilometern von jedem Geschäft aus werden die Waren geliefert. Der Betrieb von nur zwei Filialen kann wegen des großen Importaufwands kaum rentabel sein, Aldi wird versuchen, schnell eine größere Dimension zu erreichen. Schon mittelfristig plant Aldi daher die Eröffnung von 50 bis 100 Filialen in China. Dazu gehört auch ein Zentrallager.

Größter Markt der Welt

China wird laut eMarketer in diesem Jahr erstmals die USA als weltweit führender Einzelhandelsmarkt überholen. Bis 2023 wird China auch bei Lebensmitteln den US-Markt hinter sich gelassen haben. Von 2018 bis 2023 soll der chinesische Lebensmittelmarkt um 30 Prozent auf einen Jahreswert von 1,8 Billionen US-Dollar wachsen.

Doch China funktioniert anders als die Länder in denen Aldi bereits operiert. "Aldi betreibt derzeit Filialen in Europa, Australien und Nordamerika. Der Handel in Asien und insbesondere in China wird sich davon sehr unterscheiden", schrieb Nick Miles, Head of Asia-Pacific bei der IDG. "Viele internationale Einzelhändler sind in den letzten 20 Jahren in diesen Markt eingetreten und waren nicht erfolgreich." Doch Discounter seien eine Form des Lebensmittelvertriebes, die derzeit in China - oder Asien – gar nicht existiert.

Um zu bestehen, muss sich Aldi an Chinas Markt anpassen, meint Miles. Und da gibt es ein Problem: "Marken sind in China König, während Aldi sich stark auf seine Eigenmarken-Sortimente verlässt." Gleichzeitig boome in China der Online-Lebensmitteleinzelhandel und die digitale Technologie im Verkauf, während Aldi von physischen Geschäften aus operiere und das Aldi-Modell auf der Effizienz im Einzelhandel basiere.

Mehr als nur "billig"

In China scheint Aldi allerdings einen anderen Kurs anzustreben, als in Ländern wie den USA. In Amerika ist das Ziel des Discounters klar die Führung in der Kategorie "Niedrigpreise" – dort unterbietet das Aldi-Sortiment die entsprechenden Produkte von Walmart um etwa 20 Prozent. Doch in China will man nicht der Billigheimer sein. Hier sieht man bei importierten Spezialitäten eine Marktlücke. Lebensmittelimporte jeder Art gibt es natürlich bereits in China, allerdings in Spezialitäten-Geschäften. Die neuen Supermärkte sollen nun Delikatessen anbieten, allerdings auf einem volkstümlichen Preisniveau.

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