Arbeitnehmervertretung Wie H&M Betriebsräte behindert


Die deutsche Tochter der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz macht Betriebsräten die Arbeit offenbar sogar systematisch schwer. Nach Informationen des stern müssen sich die Arbeitnehmervertreter ihre Rechte oftmals vor Gericht erkämpfen und riskieren Lohnabzug oder gar ihren Job.

Bei Hennes & Mauritz (H&M) werden Betriebsräte offenbar systematisch in ihrer Arbeit behindert. Das berichtet der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Wer bei H&M als Betriebsrat seine Kollegen vertreten will, muss sich demnach seine Rechte oftmals vor Gericht erkämpfen und riskiert Lohnabzug oder sogar die fristlose Kündigung. Nur in rund 80 der 325 Filialen gibt es überhaupt eine Arbeitnehmervertretung.

"... dann musst Du mit einer fristlosen Kündigung rechnen"

Der stern berichtet über mehrere Fälle in Unterfranken und Niedersachsen, bei denen H&M Betriebsräten das Gehalt gekürzt hat, weil etwa die Teilnahme an Gewerkschaftsseminaren nicht angekündigt oder die Betriebsratsarbeit nicht erforderlich gewesen sein soll. In einem Brief an einen Betriebsrat im Lager Großostheim heißt es zum Beispiel im für das Unternehmen typischen Duz-Ton: "Im Wiederholungsfall musst Du mit einer fristlosen Beendigung des bestehenden Arbeitsverhältnisses rechnen." Die Arbeitnehmervertreter mussten erst vor Gericht ziehen, um ihren Lohn zum großen Teil doch noch zu erhalten.

Oft müssen sich die Personalvertretungen die einfachsten Hilfsmittel vor Gericht erklagen - etwa Fax oder Internetanschluss. Den erstritt sich etwa der Betriebsrat der hannoverschen Filiale am Kröpcke vor dem Arbeitsgericht, doch H&M ging bis zum Bundesarbeitsgericht. Auch nach einer Niederlage dort lässt H&M weitere Betriebsräte, etwa die Vertretung in der Hannoveraner Georgstraße, wieder in der gleichen Sache vor Gericht ziehen. "Die Betriebsräte werden in ihren eigentlichen Aufgaben gelähmt", sagt der Berliner Anwalt Thomas Berger. Das Unternehmen behauptet gegenüber dem stern, jeder Betriebsrat habe "selbstverständlich" Telefon, Fax und E-Mail, schweigt sich aber zu den Prozessen aus.

Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi sagte dem stern: "H&M unternimmt vieles, um die Gründung von Betriebsräten zu verhindern." Das Unternehmen selbst beteuerte gegenüber dem stern "den Respekt vor der individuellen Entscheidung, einen Betriebsrat zu gründen". Doch H&M räumt ein, dass es "dazu kommen kann, dass unsere klaren Werte und Richtlinien nicht in der richtigen Weise umgesetzt werden oder persönliche Missverständnisse entstehen".

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