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Aufschwung der Eurozone: Experten machen Hoffnung auf Ende der Rezession

Laut dem Finanzinformationsdienst Markit ist ein leichtes Wachstum in der Eurozone für das zweite Halbjahr wahrscheinlich. Das nachlassende Wachstum Chinas könnte jedoch zum Problem werden.

Die Eurozone kann auf ein Ende der längsten Rezession ihrer Geschichte hoffen: Der Einkaufsmanager-Index des Markit-Instituts signalisierte im Juli erstmals seit eineinhalb Jahren wieder ein Wachstum der Privatwirtschaft. Nicht nur im ohnehin robusten Deutschland, sondern auch in krisengeplagten Staaten wie Frankreich zeigt der Trend nach oben. Allerdings zeichnet sich nur ein langsames Wachstum in der Eurozone ab. Ein Grund dafür ist China, dessen jüngste Schwäche die Weltwirtschaft nach unten zu ziehen droht.

Das Markit-Barometer kletterte nach Angaben von Mittwoch um 1,7 auf 50,4 Punkte. Es liegt damit erstmals seit Januar 2012 wieder über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Tausende Unternehmen wurden befragt. Ökonomen hatten erwartet, dass der Index mit 49,1 Zählern deutlich unter dem Schwellenwert bleibt. "Das sind ermutigende Hinweise darauf, dass sich die Eurozone nach langer Durststrecke im dritten Quartal 2013 endlich wieder aus der Rezession befreien könnte", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das Bruttoinlandsprodukt war zuletzt sechs Quartale in Folge geschrumpft, für April bis Juni wird der siebte Rückgang erwartet.

"Die Rezession geht zu Ende"

Für die zweite Jahreshälfte ist nun Besserung in Sicht. "Langsam, aber kontinuierlich arbeitet sich die Währungsunion aus der Rezession heraus", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Die Rezession im Euro-Raum scheint nach zwei Jahren zu Ende zu gehen", ergänzte Commerzbank-Experte Ralph Solveen. Allerdings werde die Wirtschaft im zweiten Halbjahr "nur langsam zulegen".

Ein Grund dafür ist das schwächelnde China. Dort laufen die Geschäfte der Industrie so schlecht wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Der Einkaufsmanager-Index fiel hier um 0,5 auf 47,7 Punkte, wie die Großbank HSBC zu ihrer Unternehmensumfrage mitteilte. "Die Abkühlung in China wird immer gefährlicher", warnte Ökonom Yasuo Yamamoto vom Forschungsinstitut Mizuho in Tokio. China droht damit von der Lokomotive zur Bremse der Weltwirtschaft zu werden.

Die deutsche Industrie bekommt das bereits zu spüren, auch wenn ihre Produktion laut Markit-Daten so stark wuchs wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. "Die Exportbestellungen gingen hingegen den fünften Monat in Folge zurück, wofür die Befragten die gedämpfte Nachfrage nach Industrie-Erzeugnissen aus China verantwortlich machten", hieß es. Die japanischen Exporte in die Volksrepublik wuchsen um Juni nur noch um 4,8 Prozent, nachdem es im Mai noch 8,3 Prozent waren. Der US-Konzern Apple erlöste im abgelaufenen Quartal 14 Prozent weniger in China als ein Jahr zuvor.

"Licht am Ende des Tunnels"

Trotz der Sorgen um China bleiben Experten für die Eurozone vorsichtig optimistisch. Die Belebung gehe von einem Aufschwung im Industriesektor aus, erklärte Markit-Chefvolkswirt Williamson. "Hier legte die Industrieproduktion so stark zu wie seit zwei Jahren nicht mehr." Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und den übrigen Ländern sei sie hochgefahren worden. Das entsprechende Barometer für die Industrie kletterte um 1,3 auf 50,1 Zähler. Erstmals seit Mai 2011 sammelten die Unternehmen wieder mehr Neuaufträge ein als im Vormonat, was auch auf eine leicht anziehende Export-Nachfrage zurückzuführen sei. Der Einkaufsmanager-Index für die Dienstleister kletterte um 1,3 auf 49,6 Punkte.

"Unsere Umfragedaten dürften die politischen Entscheidungsträger in ein sommerliches Stimmungshoch versetzen, da endlich auch für die leidgeprüften Peripherieländer, die unter zunehmenden politischen und sozialen Spannungen leiden, Licht am Ende des Tunnels auftaucht", sagte Williamson. In der Europäischen Zentralbank dürfte die Zuversicht steigen, dass die Eurozone wieder auf Wachstumskurs schwenkt. Sie hatte ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, um mit dem billigem Geld Investitionen und Konsum anzuschieben.

amt/Reuters / Reuters
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