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Aufsichtsräte: Jahresbezüge deutlich gestiegen

Ungeachtet anhaltender Aktionärskritik sind die Bezüge der Aufsichtsräte großer deutscher Unternehmen in diesem Jahr erneut deutlich gestiegen.

In der Kontroverse über den vorgesehenen Einstieg von Altbundeskanzler Gerhard Schröder als Aufsichtsratschef im deutsch-russischen Gaspipeline-Konsortium wird auch die Höhe seines angeblichen Salärs diskutiert. Nach Medienberichten soll Schröder mehr als eine Million Euro pro Jahr erhalten. Europas Spitzenverdiener unter den Aufsichtsratsvorsitzenden kassieren nach einer Studie der Unternehmensberatung Towers Perrin jährlich bis zu 700.000 Euro.

Bei den großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland liegen die Vergütungen aber deutlicher niedriger, bei den im Deutschen Aktienindex (DAX) vertretenen Konzernen sind es im Schnitt rund 200.000 Euro. Allerdings ist der Verdienst der Chefkontrolleure der DAX-Konzerne in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, seit 2002 um 50 Prozent.

Zu den Großverdienern gehört unter anderem der Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, mit 334.080 Euro im Geschäftsjahr 2004/2005 (30. September). Der drittgrößte deutsche Pharmakonzern Schering zahlte für das vergangene Geschäftsjahr 2004 Chefkontrolleur Giuseppe Vita ausgewiesene 368.000 Euro. Darin sind allerdings langfristige Elemente, die an die Aktienkursentwicklung geknüpft sind, eingeschlossen. Henkel-Aufsichtsratschef Albrecht Woeste kommt der Studie zufolge 2005 auf 360.800 Euro im Jahr und E.ON-Chefkontrolleur Ulrich Hartmann auf 354.390, bei der Deutschen Bank sind es für Aufsichtsratchef Rolf Breuer 315.250 Euro.

"Aufsichtsräte sollten unabhängig von Erfolgskennziffern vergütet werden"

Der Aufsichtsratsvorsitzende der DaimlerChrysler AG, Hilmar Kopper, erhielt dem Unternehmen zufolge im vergangenen Jahr 245.900 Euro. Die geringste Entlohnung unter den DAX-Unternehmen gab es 2004 für adidas-Aufsichtsratschef Henri Filho (42.000 Euro).

Die Vergütung der Stellvertreter in den Aufsichtsgremien der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex liegt der Studie 2005 zufolge bei rund 136.000 Euro. Die übrigen Aufsichtsräte bekamen in diesem Jahr rund 68.000 Euro und damit sieben Prozent mehr als 2004.

Zu beachten ist allerdings, dass es bei den Vergütungen feste und variable Bestandteile gibt. Auch haben Aufsichtsräte mitunter Beraterverträge mit den Unternehmen. Daneben üben sie häufig mehrere Aufsichtsrat-Mandate aus. Towers Perrin beobachtet insgesamt einen Trend, die feste Vergütung der Aufsichtsräte zu erhöhen und variable Anteile wie erfolgsabhängige Zahlungen zu verringern. Viele Unternehmen machten die Vergütung weniger von Dividenden abhängig, die der Aufsichtsrat selbst Jahr für Jahr festlegt. Aktionärsschützer fordern dies seit langem. So sagte auch Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Aufsichtsräte sollten unabhängig von Erfolgskennziffern vergütet werden."

DPA / DPA