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Autobranche: Fiat schmiedet Allianz mit Chrysler

Nach dem Schock nun eine gute Nachricht für die Chrysler-Mitarbeiter: Obwohl der kriselnde Autobauer offiziell Insolvenz angemeldet hat, geht Fiat eine Allianz mit dem US-Konzern ein. Präsident Barack Obama zufolge soll Chrysler mithilfe der Italiener binnen Wochen gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Mit dem traditionsreichen US-Hersteller Chrysler hat erstmals ein großer amerikanischer Autobauer Insolvenz angemeldet. Die ehemalige Daimler-Tochter will jedoch nur wenige Wochen unter Gläubigerschutz arbeiten und sich in dieser Zeit sanieren. Anschließend hofft der US-Hersteller dank einer Allianz mit dem italienischen Hersteller Fiat wieder auf erfolgreiche Zeiten. Die Zusammenarbeit von Chrysler und Fiat biete "große Erfolgschancen" und der Konzern werde gestärkt aus der Insolvenz hervorgehen, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag.

Fiat werde zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und seine Anteile später aufstocken, sagte Firmenchef Sergio Marchionne. Die Mehrheit an Chrysler könnten die Italiener jedoch erst übernehmen, wenn der Konzern die Milliarden-Hilfen der US-Regierung zurückbezahlt habe. Zudem zahlen die Italiener für ihren 20-Prozent-Anteil nicht mit Geld, sondern mit technischem Know-How und Patenten.

Fiat will vor allem kleine, emissionsarme Autos für den US-Markt bauen, weil in diesem Segment bei Chrysler eine große Lücke klafft. Fiat ist auch an der deutschen Tochter Opel des angeschlagenen Chrysler-Rivalen General Motors(GM) interessiert.

Der Schritt der seit Dezember mit vier Milliarden Dollar Staatshilfe gestützten Firma dürfte in der gesamten Autobranche mit Hunderttausenden Beschäftigten Schockwellen auslösen. Durch die Entscheidung der US-Regierung, einen Großkonzern in die Insolvenz gleiten zu lassen, erhöht sich Analysten zufolge auch der Druck auf General Motors. Die Regierung hat der Opel-Mutter eine Frist bis Ende Mai gesetzt, um ein tragfähiges Sanierungskonzept vorzulegen.

Chrysler reichte einen Insolvenzantrag nach Kapitel 11 am Mittag (US-Zeit) bei einem Gericht in New York ein. Der Konzern hatte den Gewerkschaften in Kanada und den USA zwar deutliche Einschnitte abgerungen, kam beim Schuldenabbau aber offensichtlich nicht wie gewünscht voran. Das Detroiter Unternehmen will nur 30 bis 60 Tage unter Gläubigerschutz arbeiten. In dieser Zeit soll die Produktion weitgehend ruhen und erst anschließend wieder hochgefahren werden. Rechtlich wäre es in einem Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 allerdings möglich, den normalen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Die Chefs gehen

Chrysler-Chef Bob Nardelli will den Konzern nach Abschluss des Insolvenzverfahrens verlassen. Er werde als Berater zur Beteiligungsgesellschaft Cerberus zurückkehren, dem Inhaber von Chrysler. Nardelli betonte, dass er nicht vom Finanzministerium zum Rücktritt aufgefordert worden sei. Er sei jedoch der Auffassung, dass nach dem Ende des Insolvenzverfahrens ein günstiger Zeitpunkt für einen solchen Schritt sei.

Nardelli erklärte, das neue Unternehmen solle künftig von einem neunköpfigen Vorstand geleitet werden. Sechs der Mitglieder sollen von der Regierung und drei von Fiat bestimmt werden. Der Vorstand werde einen neuen Vorsitzenden wählen, sagte Nardelli, der Chrysler seit August 2007 führt. Später kündigte auch Vize Tom LaSorda seinen Rücktritt an. Der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, sagte LaSorda in einer Telefonkonferenz.

US-Präsident Barack Obama erklärte, ihm sei trotz des Insolvenzantrages von Chrysler nicht bange um die Zukunft des US-Autobauers. Die Chrysler-Insolvenz nach Chapter 11 werde schnell und effizient verlaufen. Dem Vernehmen nach ist die US-Regierung zudem bereit, den Neuaufbau des Unternehmens mit acht Milliarden Dollar (etwa sechs Milliarden Euro) zu unterstützen.

Obwohl der Insolvenzantrag des 1925 gegründeten Unternehmens sich im Verlaufe des Tages bereits abzeichnet hatte, gingen die Kurse an der Wall Street nach Bekanntgabe der Entscheidung etwas zurück.

Die frühere Chrysler-Mutter Daimler betonte unterdessen, sie habe mit der endgültigen Trennung von dem US-Unternehmen einen Beitrag zu seiner Restrukturierung geleistet. Teil der mit Mehrheitseigner Cerberus getroffenen Vereinbarung ist, dass die Stuttgarter auf die Rückzahlung der Chrysler gewährten Darlehen, verzichten. Außerdem werden die Schwaben bis 2011 in drei jährlichen Tranchen 600 Millionen Dollar Pensionszahlungen zur Absicherung der Mitarbeiter des früheren gemeinsamen Unternehmens leisten. Hinzu könnten Garantien von rund 200 Millionen Dollar kommen.

DPA/AP / AP / DPA