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Autokrise: Opel erhält Großauftrag von General Motors

Inmitten der größten Krise hat Opel einen dicken Fisch an Land gezogen: Die US-Version des Mittelklassewagens "Insignia" soll nach den Betriebsferien im Sommer im Stammwerk Rüsselsheim vom Band laufen. Etwa 70.000 Exemplare des "Buick LaCrosse" sollen innerhalb von zwei Jahren produziert werden.

Während General Motors die Insolvenz droht, profitiert der Autohersteller Opel von der Krise seines Mutterkonzerns. Da das US-Werk Fairfax nicht schnell genug auf das neue Mittelklassemodell umgestellt werden kann, sollen am Opel-Stammsitz Rüsselsheim für den US-Markt zehntausende Wagen des Typs "Buick LaCrosse" gebaut werden, der weitgehend dem "Opel Insignia" entspricht. Ein Konzernsprecher bestätigte am Montag Informationen des Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz über die zusätzliche Produktion. Allerdings steht der Produktionszeitraum noch nicht eindeutig fest: Während Franz von einem Produktionsanlauf nach den Werksferien im Sommer berichtet hatte, nannte der Opel-Sprecher den Zeitraum 2010 bis 2011. Auch die Zahl von 70.000 Stück bestätigte das Unternehmen zunächst nicht.

Die Rüsselsheimer Fabrik ist derzeit mit einem Zweischichtbetrieb auf rund 180.000 Fahrzeuge im Jahr ausgelegt. Dort arbeiten rund 5600 Menschen. Für den Insignia liegen nach Werksangaben in Europa bereits mehr als 100.000 Bestellungen vor. Von einer Produktionsverlagerung auf GM-Standorte in Billiglohnländern, auf die im Zusammenhang mit dem Sanierungsprogramm des Konzerns immer wieder angespielt wurde, könne da keine Rede sein, sagte Franz.

Zuvor hatten US-Medien berichtet, GM wolle Teile seiner für den US-Heimatmarkt bestimmten Produktion aus Kanada, Europa und Australien in billigere Länder in Asien und Lateinamerika verlagern. Dabei gehe es um ein Volumen von rund 130.000 Fahrzeugen, berichtete die Zeitung "Detroit News" unter Berufung auf interne GM-Dokumente. GM vertreibt in den USA derzeit etwa unter der Marke Saturn das in Europa gefertigte Opel-Modell Astra – allerdings sind die Stückzahlen hier nur sehr gering.

Franz offen für Treuhand

Während an den Opelbändern weiter gearbeitet wird, geht die Diskussion um das Sanierungsprogramm weiter. Dabei lehnte Gewerkschafter Franz die Vorschläge von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die europäischen Teile des GM-Konzerns bei einem Treuhänder zu parken, nicht grundsätzlich ab. "Mir wäre zwar der direkte Einstieg des Staates lieber, aber bei einem zu großen Widerstand ist auch das ein guter Vorschlag", sagte Franz. Er stehe jeder Lösung positiv gegenüber, die dafür sorge, dass das neue europäische Unternehmen juristisch korrekt aufgestellt werde. Ein temporärer Einstieg des Staates ohne die Hilfskonstruktion einer Treuhand wäre aber besser.

Franz rechnet weiterhin damit, dass GM in die Insolvenz nach US-Recht gehen wird. Bis dahin solle zumindest eine grundsätzliche Übereinkunft mit einem neuen Investor unter Dach und Fach sein. "Wer ernsthaft Interesse an Opel hat, muss das in den nächsten zwei, drei Wochen beweisen." US-Präsident Barack Obama setzte dem größten amerikanischen Autobauer nun ein Ultimatum: Wenn bis Ende Mai kein tragfähiges Konzept vorgestellt wird, droht dem Konzern eine Insolvenz wie beim Wettbewerber Chrysler.

DPA / DPA