Automobil Weitere Kürzung bei General Motors

Der weltgrößte Autokonzern reagiert auf die schlechten Umsatzzahlen mit noch größeren Sparplänen als zunächst angekündigt. Fast zehn Werke stehen vor dem Aus.

Mit dem Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen will der weltgrößte Autokonzern General Motors seine dramatische Talfahrt stoppen. Wie der Chef des Opel-Mutterkonzerns, Rick Wagoner, am Montag in Detroit ankündigte, werden nach Milliardenverlusten 5.000 Jobs mehr abgebaut als die ursprünglich geplanten 25.000. In Nordamerika sollen bis 2008 neun Werke geschlossen werden. Opel ist von dem neuen Sparprogramm nicht betroffen.

Mit dem massiven Jobabbau will GM bis Ende 2006 seine Kosten um 7 Milliarden Dollar (6 Milliarden Euro) verringern, das sind 1 Milliarde mehr als zunächst geplant. "Die Entscheidungen, die wir heute verkünden, waren nicht leicht. Sie haben Folgen für unsere Mitarbeiter und die Städte, in denen wir leben und arbeiten", sagte Wagoner. Die Beschlüsse seien notwendig, damit das Geschäft in Nordamerika so schnell wie möglich wieder profitabel werde.

Anleger reagieren erfreut

Die Börse reagierte positiv auf die Ankündigungen. Der Kurs der GM-Aktie stieg um 18 Cent. Vergangene Woche war das Papier auf den niedrigsten Stand seit 18 Jahren gesackt. Geschlossen werden sollen fünf Montagewerke sowie vier Werke für die Motoren- und Teilefertigung in den USA und Kanada. Darüber hinaus will GM nach eigenen Angaben drei Servicestandorte schließen. Derzeit liegt die Auslastung der GM-Werke in Nordamerika bei 85 Prozent und damit unter der der asiatischen Wettbewerber in der Region.

Verluste in Milliardenhöhe

In den ersten neun Monaten hatte der größte Autobauer der Welt einen Verlust von nahezu 4 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) eingefahren. Sinkende Absatzzahlen, ein verlustreicher Preiskrieg mit der Konkurrenz, hohe Produktions- und Gesundheitskosten sowie ein horrender Schuldenberg sind die Hauptursachen für die Krise.

Die Hiobsbotschaften aus Detroit waren deshalb in der letzten Zeit nicht abgerissen: Erst vergangene Woche hatte GM angekündigt, wegen möglicherweise um bis zu 35 Prozent überhöhter Gewinnangaben seine Bilanzen der vergangenen Jahre überprüfen zu müssen. Der Gewinn sei im Jahr 2001 um etwa 300 bis 400 Millionen Dollar zu hoch angegeben worden.

Hintergrund ist den Angaben zufolge die Verbuchung von Krediten von Zulieferern. Sie seien versehentlich als Einnahmen in dem Jahr verbucht worden, als GM sie erhalten habe. Hinzu kommt, dass GM möglicherweise für Unterstützungsleistungen von zwölf Milliarden Dollar (zehn Milliarden Euro) an Beschäftigte seiner früheren Tochter Delphi herangezogen werden könnte. Dem stehen bei GM Barreserven von 19 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro) gegenüber.

Kurzes Aufatmen bei Opel

Die Sanierung des verlustreichen Nordamerikageschäfts von General Motors hat aber keine Auswirkungen auf die deutsche Tochter Opel. Wie Opel-Sprecher Ulrich Weber in Rüsselsheim sagte, wird das Ende 2004 beschlossene Sparprogramm derzeit planmäßig umgesetzt. Es gebe keine Anzeichen, dass Änderungen geplant seien. GM hat sich zum Ziel gesetzt, in Deutschland rund 10.000 Arbeitsplätze abzubauen. Europaweit sollen 12.000 Stellen in diesem und den kommenden Jahren wegfallen, um so jährlich 500 Millionen Euro einzusparen.

AP AP

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