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Bedingungsloses Grundeinkommen In Kenia startet das größte Geld-Experiment der Welt

Was ist das Grundeinkommen? Jeder Bürger – egal ob arm oder steinreich - bekommt einen monatlichen Betrag - gerechnet wird aktuell mit 1000 Euro - vom Staat. Statt Leistungen wie Kinder- oder Arbeitslosengeld zu bekommen, gibt es nur diesen Betrag - dafür für alle. Auch für Arbeitnehmer, Unternehmer, Selbstständige. Wie läuft die Finanzierung? Finanzieren wollen die Experten das Projekt mit einer höheren Besteuerung: 50 Prozent vom Gehalt, Dividenden und Aktiengewinnen gehen an den Staat. 2015 habe der Sozialetat bei 888 Milliarden Euro gelegen. Davon könne man ein monatliches Grundeinkommen von 1000 Euro finanzieren. Ausgaben würden gleichermaßen von Kapital und Arbeit getragen. Konkrete Rechnung: Eine Uni-Professorin mit 120.000 Euro Jahresgehalt würde 50 Prozent Steuern zahlen, gleichzeitig aber 12.000 Euro im Jahr Grundeinkommen erhalten. Sie würde also eine Nettosteuer von 48.000 Euro zahlen, das entspräche 40 Prozent. Bei einer Putzhilfe mit 24.000 Euro Jahresgehalt läge der Nettosteuersatz bei null. Warum das Ganze? Arbeitsplätze, wie wir sie heute kennen, wird es künftig deutlich weniger geben. Das Arbeiten selbst wird sich verändern. Längere Erholungsphasen sind gut für die Motivation, aber auch für die Gesundheit. Weniger Erwerbsarbeit ermöglicht Chancen zur Weiterbildung, Selbstverwirklichung, Engagement oder Kümmern um die Familie. Kritik am Konzept: Kritiker widersprechen, sie fürchten, dass das Grundeinkommen die Menschen faul macht und Alkoholismus fördert. Schwere und unattraktive Arbeit würde kaum noch jemand machen wollen. Befürworter sagen, dass die Menschen befreit von Existenzängsten, freier und unverkrampfter ihrer Arbeit nachgehen könnten und produktiver wären. Davon würden alle profitieren.
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In Kenia startet das weltweit größte Experiment zum Bedingungslosen Grundeinkommen. Eine nicht-staatliche Initiative hat dafür viele Millionen Dollar gesammelt. Auch Ebay-Gründer Pierre Omidyar gehört zu den Spendern.

In Finnland wird das bedingungslose Grundeinkommen seit dem Jahreswechsel bei 2000 Arbeitslosen getestet: Sie bekommen 560 Euro im Monat - ohne dass daran irgendwelche Bedingungen geknüpft sind. In zwei Jahren wird Bilanz gezogen, was die monatliche Geldspritze gebracht hat. Ein ähnliches Projekt gibt es auch in Kenia, wo die Initiative "Give Directly" ein kleines Pilotprojekt in ein paar kenianischen Dörfern gestartet hat.

Von diesem Experiment dürfte man bald noch deutlich mehr hören, denn in einigen Monaten soll es die finnischen Dimensionen deutlich übertreffen. Die Initiative hat bereits 23,7 Millionen Dollar für ihr Projekt eingetrieben, anvisiert sind 30 Millionen. Prominenter Unterstützer ist unter anderem Pierre Omidyar, Gründer der Auktionsplattform Ebay, der 493.000 US-Dollar in das Projekt steckt, wie Business Insider berichtet. 

26.000 Menschen erhalten Geld

Es handle sich um das ambitionierteste Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen der Geschichte, heißt es auf der Homepage von Omidyar Network, der Investmentplattfrom des Ebay-Milliardärs. GiveDirectly werde insgesamt 26.000 Menschen in 200 kenianischen Dörfern unterstützen. 6000 dieser Teilnehmer erhalten das Geld über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Beträge von 0,75 Dollar pro Tag erscheinen zunächst nicht hoch, doch in ländlichen Gebieten Kenias entspreche das der Hälfte eines typischen Einkommens. Dass das Geld bei denen landet, die es am nötigsten haben, stellt GiveDirectly durch einen aufwendigen Auswahlprozess vor Ort sicher.

Ökonomen erhoffen sich viele Erkenntnisse

Begleitet wird das Projekt von Ökonomen der renommierten Universitäten Princeton und MIT. Die Forscher erhoffen sich, mit dem Großprojekt herauszufinden, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in einer Gesellschaft wirkt. Zeigen die Menschen mit einer gewissen finanziellen Sicherheit im Rücken mehr unternehmerisches Risiko? Oder arbeiten sie weniger? Nutzen sie die gewonnene Zeit für Weiterbildung oder verjubeln sie alles in Glücksspiel, Alkohol und Drogen? Was sind die Effekte auf Bildung und Gesundheit? Und wirkt ein bedingungsloses Grundeinkommen vielleicht auch besser als klassische Entwicklungshilfe?

Antworten werde das Projekt nicht erst nach zwölf Jahren liefern, schreiben Mike Kubzansky und Tracy Williams in dem Blogeintrag von Omidyar Network. Vielmehr seien schon in den ersten Jahren wertvolle Erkenntnisse über das Verhalten der Teilnehmer zu erwarten. Und wenn das Projekt noch ein paar Dollar mehr braucht, macht Omidyar ja vielleicht noch einmal sein Portemonnaie auf. Immerhin schätzt Forbes sein Vermögen auf 8,3 Milliarden Dollar. 


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