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Belgische und französische Zinsen auf Rekordhoch: Euro-Krise erreicht neue Eskalationsstufe

Die Euro-Krise verschärft sich weiter. Die Risikoaufschläge für französische und belgische Anleihen klettern auf Rekordhöhen. Experten bangen um das Vertrauen in die gesamte Währungsunion.

Die erneute Verschärfung der Krise am europäischen Staatsanleihemarkt hat am Dienstag den Euro in Mitleidenschaft gezogen. Experten zufolge knöpfen sich die Finanzmärkte nach Italien nun Frankreich vor - eine der tragenden Säulen der Euro-Rettung. Für die Gemeinschaftswährung ging es vor diesem Hintergrund weiter abwärts. Nach deutlichen Abschlägen im Tagesverlauf wurde der Euro am späten Nachmittag bei 1,35 US-Dollar gehandelt. Bereits am Montag war der Kurs kräftig um rund zwei Cent gefallen.

Händler machten eine erneute Eskalation am europäischen Staatsanleihenmarkt für die anhaltenden Verluste beim Euro verantwortlich. Neben den großen Euro-Sorgenkindern Italien und Spanien gerate nun auch als grundsolide geltende Länder stark unter Beschuss. Investoren trennten sich am Dienstag im großen Stil von französischen, niederländischen und österreichischen Bonds. Von der Verkaufswelle wurden auch belgische Papiere erfasst. Die Zinsen erreichten am Dienstag einen neuen Höchststand. Für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit stiegen sie von 4,59 auf zeitweilig 5,00 Prozent, um anschließend wieder leicht unter die psychologisch wichtige Marke zu fallen. Händler sprachen von "Panik" und "Hysterie".

"Das spiegelt ein Misstrauen gegen die Währungsunion als ganzes wider", fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Einen konkreten Auslöser für den Ausverkauf habe es nicht gegeben.

"Es scheint als ob die letzten Dämme brechen"

"Internationale Investoren bauen ihr Risiko ab, da sie einfach nicht verstehen, warum Europa so lange braucht, um die Krise in den Griff zu bekommen", sagte ein Händler. "Einem Anleger in Asien oder Amerika kann man nicht erklären, warum es in Europa Wochen oder Monate dauert, bis ein Beschluss gefasst ist. Und haben sich die Europäer dann mal bis zu einer Entscheidung durchgerungen, dauert die Umsetzung nochmal so lange", sagte ein weiterer Börsianer. "Es scheint als ob die letzten Dämme brechen", kommentierte ein dritter.

Laut Volker Brokelmann, Analyst bei der HSH Nordbank, erreicht die Schuldenkrise im Euroraum mit dem Übergreifen auf Frankreich eine neue Eskalationsstufe. Der Fokus der Investoren verschiebe sich von den hochverschuldeten Krisenländern zu einem Schwergewicht mit Spitzenbonität. Das zeige, dass es nicht mehr länger darum gehe, welches Land als nächstes unter den Rettungsschirm flüchte, sondern wer diesen überhaupt noch finanzieren könne. "Mit Frankreich steht und fällt der EFSF und damit die Zukunft des Währungsraums."

fro/DPA / DPA