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EZB-Chef Trichet: "Größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg"

EZB-Chef Jean-Claude Trichet wartet derzeit fast täglich mit Aussagen auf, die die Börsen in Aufruhr versetzen. Auch am Dienstag. Er sieht die Welt in einer historischen Krise - und die Regierungen in der Pflicht.

Jean-Claude Trichet hält die Börsen derzeit fast täglich auf Trab. Am Donnerstag sorgte er mit der Ankündigung, die Europäische Zentralbank (EZB) werde mit Anleihekäufen den Markt stützen für Aufsehen - und für Zittern bei Börsianern, die sich langsam bewusst wurden, wie schlimm die Schuldenkrise wirklich ist. Am Sonntag dann überraschte der EZB-Chef mit der Ankündigung, die EZB werde Anleihen von Italien und Spanien kaufen. Es gab Kritik, aber auch Lob. Jetzt wartet der Franzose mit einer besonders drastischen Aussage auf: Die Märkte befänden sich "in der Gesamtschau der vergangenen Jahre" in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wer sie daraus holen soll? Nach Meinung des Franzosen auf Dauer nicht die EZB, sondern die Staaten. "Wir erwarten, dass die Regierungen das tun, was wir als ihre Arbeit betrachten, und dass sie ihrer Verantwortung gerecht werden", sagte Trichet dem französischen Radiosender Europe 1. Besonders klare Ansagen macht er in Richtung Italien. Der Regierung Berlusconi sei in den vergangenen Tagen "äußerst klar" gesagt worden, welche Entscheidungen sie zu treffen habe - "vor allem, schneller zu einer normalen Haushaltslage zurückzukommen". Italien habe diese Beschlüsse gefasst. "Das Gleiche haben wir von der spanischen Regierung verlangt."

In den vergangenen Tagen hatte sich die Euro-Krise verschärft, weil Italien und Spanien für ihre Staatsanleihen immer höhere Risikoaufschläge zahlen mussten. Die Aktion der EZB hatte Erfolg: Wie am Montag sanken auch am Dienstag die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen. Sie sind der Indikator für die Zinsen, die die Staaten auf neu begebene Papiere zu zahlen haben.

ben/AFP/DPA / DPA