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Spirituosen: Orangensaft statt Apfelkorn - warum bei Berentzen die Zukunft alkoholfrei wird

Wer Berentzen sagt, muss auch Apfelkorn sagen: Die Schnäpschen waren lange der Verkaufsschlager des Spirituosenherstellers. Doch längst setzt Berentzen auf ein neues Geschäft - mit anti-alkoholischen Getränken und frischen Fruchtsäften. Und hat nun neue Probleme.

Bei Berentzen schmilzt der Gewinn - der soll durch anti-alkoholische Getränke wieder wachsen

Bei Berentzen schmilzt der Gewinn - der soll durch anti-alkoholische Getränke wieder wachsen

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In den 1990er Jahren war die Berentzen-Welt noch in Ordnung. Statt Mate-Tee oder teuren Gin-Kreationen kippte das Partyvolk in Deutschland süße Alkopops und noch süßere Schnäpschen. Ob Pflaume, Kirsche - oder der klassische Apfel: Der Korn-Mix bescherte dem Unternehmen aus dem Emsland fantastische Umsätze. 

1994 ging Berentzen an die Börse, es war die Hochphase der Firma. Doch die Geschäfte laufen immer schleppender, der große Hype um die kleinen Schnäpse ist verflogen. 2008 übernimmt der Finanzinvestor Aurelius einen Großteil der Firma. Doch wie kann man einen Spirituosenhersteller retten, wenn keiner mehr Schnäpse trinkt.

Saft statt Schnaps soll Berentzen retten

Eine Saftpresse soll das Unternehmen aus der Krise führen. Weniger Gebranntes, mehr Gepresstes - so scheint die Devise. Statt weiterhin auf Hochprozentiges zu setzen, hatte Aurelius dem Traditionsunternehmen mit der 250-jährigen Geschichte eine Saftkur verschrieben - und zwar wortwörtlich. Citrocasa ist eine Saftpresse, die vor den Augen der Kunden frischen Orangensaft presst. Sie steht in Supermärkten, Bars, Hotels oder Kantinen. 


Aus Schnaps wird Saft - kann das funktionieren? 2017 gehöre zu den "erfolgreichsten Geschäftsjahren der Unternehmensgruppe in diesem Jahrzehnt", sagte Berentzen-Chef Oliver Schwegmann laut DPA. Nach vorläufigen Zahlen wuchs der Konzernumsatz um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 172,1 Millionen Euro. Allerdings hatte das Unternehmen im September die Prognose für das Jahr gesenkt. Die Transformation des Schnapsherstellers braucht offenbar noch etwas Zeit.

Berentzen hofft auf Korn als Szene-Getränk

Denn das Betriebsergebnis schrumpfte von 10,5 Millionen Euro (2016) auf voraussichtlich 9,2 Millionen Euro. Schlechte Orangen-Ernten in Spanien und Südafrika trafen Berentzen. Höhere Ausgaben für Rohstoffe sorgten dann auch für die Korrektur des Jahresergebnisses. Und auch das schwache Weihnachtsgeschäft - eigentlich ein Umsatzgarant für Spirituosenhersteller - sorgte für einen Dämpfer. 

Künftig setzt Schwegmann weiter auf die alkoholfreie Schiene. Vertriebs- und Marketingaktivitäten für alkoholfreie Getränke will er massiv ausweiten. Und: Noch bleibt den Emsländern die Hoffnung, dass handwerklich hergestellter Premium-Korn sich ähnlich wie Wodka oder Gin zu einem Szene-Schnaps entwickelt. 

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kg