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Interview

Verkannter Schnaps: Warum Doppelkorn der bessere Wodka ist

Korn schmeckt nicht und sorgt nur für einen heftigen Kater? Von wegen! Ein norddeutsches Start-up will der Spirituose zu neuem Ruhm verhelfen - und hat dafür einen eigenen Premium-Korn auf den Markt gebracht. 

NORK ist ein Anagramm aus den Buchstaben des Wortes Korn

NORK ist ein Anagramm aus den Buchstaben des Wortes Korn

Herr Dallmeyer, mit Nork verkaufen Sie einen Premium-Korn für 25 Euro die Flasche. Korn und Qualität - ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Vor drei Jahren hätte ich wohl dasselbe über Korn gesagt: Das ist Fusel, den man sich für ein paar Euro aus dem Supermarkt holt, mit Fanta mischt und auf Dorfpartys trinkt. Eine eigentlich unwürdige Kombination.

Was ist dann passiert?
Es gab dieses eine Aha-Erlebnis: Ein Freund arbeitete in einer Bremer Kneipe und stellte eines Abends ein Glas mit klarem Schnaps auf den Tresen. 'Trink!', sagte er. 'Aber langsam und in zwei Zügen.' Das Zeug schmeckte hervorragend. Als er mir erzählte, das sei Korn gewesen, wollte ich ihm erst nicht glauben. An diesem Abend hatte ich zum ersten Mal hochwertigen Korn probiert und mir wurde bewusst: Dieser Schnaps hat kein Geschmacksproblem, sondern ein Imageproblem.

Ein schlechter Ruf entsteht nicht über Nacht. Was macht für Sie das Potenzial des Getränks aus?

Korn ist eine deutsche Spirituose mit über 500 Jahren Tradition. Er hat ein Reinheitsgebot und darf nur in Deutschland mit hier angebautem Getreide hergestellt werden. Im Prinzip ist Korn wie Wodka - nur besser. Was viele nicht wissen: Jeder Korn dürfte auch als Wodka verkauft werden, aber nicht andersherum. Für Korn gelten strengere Vorgaben wegen des Reinheitsgebots.

Korn ist der bessere Wodka? Eine gewagte These, finden Sie nicht?

Im Prinzip ist es dasselbe Produkt. Hochwertige Wodkas werden in der Regel auch aus Getreide wie Weizen hergestellt. Allerdings wird Wodka meist neutral gebrannt und solange totgefiltert, bis er nach nichts mehr schmeckt. Korn hat da mehr zu bieten - er schmeckt spannender.

Was meinen Sie damit?

Genuss definiert sich für mich nicht durch Geschmacklosigkeit, sondern durch Vielschichtigkeit. Da bringt Korn mehr mit: Die Getreidenote mischt sich mit der malzigen Süße des Alkohols, was ihn auch zu einem hervorragenden Geschmacksträger für Longdrinks und Cocktails macht.

Gin schmeckt zu Tonic, Wodka zu Orangensaft. Wie kombiniert man Korn?

Für unseren Korn haben mehrere Bars ganz verschiedene Cocktails entwickelt: Als einfachen aber leckeren Drink gibt es zum Beispiel das Nork-Licht. Es ist ein Drink auf der Basis von Tonicwater, Apfelsaft, Limette und Zimt. Diese Kombination funktioniert sehr gut und ohne ausgefallene Zutaten. Grundsätzlich kann man sagen, dass alle Cocktails auf Wodkabasis auch mit Korn schmecken.

Wie unterscheidet sich Nork vom Billig-Fusel aus dem Supermarkt?

In der Qualität des verwendeten Destillats: Sie sorgt dafür, dass man am nächsten Morgen nicht mit einem Brummschädel aufwacht. Und dann noch der Geschmack: In Nork ist die Korn-typische Getreidenote präsent, aber nicht zu aufdringlich. Die leicht malzige Alkoholsüße macht den Schnaps im Vergleich zu herkömmlichen Korn auch überraschend mild.

Was glauben Sie: Warum hat Korn derzeit so ein schlechtes Image?

Wodka ist von großen Spirituosenkonzernen in den Neunzigerjahren zu dem Trendgetränk schlechthin erhoben worden. Mit Marketingmillionen sind Marken wie Absolut und Gorbatschow groß geworden. Korn dagegen ist ein Traditionsgetränk, das oft in ländlichen Betrieben hergestellt wurde. Diese kleinen Unternehmen hatten nicht die Marketingkraft, Korn erfolgreich außerhalb des Billigsegments zu platzieren.

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft?

Wir wollen Korn von seinem traurigen Schicksal des ewigen Aschenputtels befreien. Korn sollte die Anerkennung erhalten, die ihm zusteht. Wenn wir mit Qualität und unserem Appell für vorurteilsfreien Genuss dazu beitragen können, sind wir mehr als zufrieden.

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