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Atomik Vodka aus Tschernobyl: Sicherheitsbehörden beschlagnahmen einzigartigen Schnaps aus der Todeszone

Blick auf die Sperrzone in Tschernobyl
Verstrahlt: Wissenschaftler:innen wollen Schnaps aus Tschernobyl auf den Markt bringen. Die Sicherheitsbehörden haben etwas dagegen.
© Grigoriy Vasilenko / Picture Alliance
Eine Spirituose aus der Todeszone sollte den Markt erobern. Doch kurz vor der Auslieferung der ersten Charge des "Atomik"-Vodkas griffen die Sicherheitsbehörden ein und beschlagnahmten den Schnaps aus Tschernobyl.

Es ist ein irres Unterfangen, an dem ukrainische und britische WIssenschaftler:innen seit Jahren arbeiten: Vodka destilliert mit Zutaten aus der Todeszone. Die erste Charge der experimentellen Spirituose sollte nun nach Großbritannien versandt werden. Aber so weit kam es nicht. Die Kiewer Staatsanwaltschaft hat die Flaschen beschlagnahmt. Warum, ist unklar.

Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Die Umgebung wurde verstrahlt. Mehr als 330.000 Menschen mussten evakuiert werden, die Umgebung des Reaktors wurde zur Sperrzone. Bis dort wieder Menschen ohne Gesundheitsgefahr leben können, dürften Jahrhunderte vergehen. Dennoch gibt es inzwischen wieder belebte Gegenden. Diesen Menschen will das Unternehmen "The Chernobyl Spirit Company" unter die Arme greifen - mit Schnaps.

Vodka aus der Todeszone

"Wir arbeiten hart daran, ein Unternehmen zu gründen, um Arbeitsplätze und Investitionen in die von Tschernobyl betroffenen Gebiete der Ukraine zu bringen und die Gemeinde mit 75 Prozent aller Gewinne, die wir erzielen, zu unterstützen", so Jim Smith, Professor an der Portsmouth Universität. Smith hat das Unternehmen mit ukrainischen Kollegen gegründet. Die erste Flasche des Tschernobyl-Schnaps stellten die Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren vor. Den Vodka mit dem Namen "Atomik" hatten sie aus Getreide aus der Zone – sie umfasst 30 Kilometer um den Reaktor –gebrannt. Auch das Wasser, das sie verwendeten, stammte aus der Gegend. Kommerzielle Landwirtschaft ist in dem Gebiet nach wie vor verboten. 

"Meiner Meinung nach ist das die wichtigste Flasche Alkohol auf der Welt, weil sie dabei helfen könnte, dass sich die Bewohner in und um die Sperrzone wirtschaftlich erholen", sagte Smith damals dem Nachrichtensender AFP.  Die Forscher:innen der Universität Portsmouth hatten festgestellt, dass nach dem Destillationsprozess keine Radioaktivität mehr in der Spirituose gemessen werden konnte. Demnach wäre sie zum Verzehr geeignet und ungefährlich.

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Sicherheitsbehörden haben Schnaps beschlagnahmt

Gemeinsam mit der ukrainischen Destille Palinochka arbeitete das Unternehmen seither an einem weiteren Produkt, dem "Atomik Apple Spirit", gebrannt aus Äpfeln aus dem Bezirk Narodychi. Dabei handelt es sich um eine der wenigen Gebiete in Reaktornähe, die noch bewohnt sind. 1500 Flaschen wurden gefertigt und sollten jetzt nach Großbritannien verschickt werden. So weit kam es aber nicht. "Unsere erste Produktion von Atomik Apple Spirit wurde aus für uns unklaren Gründen von ukrainischen Sicherheitsdiensten beschlagnahmt", schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite. Demnach seien die Flaschen nun in den Händen der Kiewer Staatsanwaltschaft, nachdem der ukrainische Sicherheitsdienst ermittelt habe.

"Es scheint, dass sie uns beschuldigen, gefälschte ukrainische Verbrauchssteuerstempel zu verwenden, aber das macht keinen Sinn, da die Flaschen für den britischen Markt bestimmt sind und eindeutig mit gültigen britischen Verbrauchssteuerstempeln gekennzeichnet sind", wird Smith in dem Beitrag zitiert. Das Unternehmen arbeite an einer Freigabe, "aber wir können ihnen noch nichts verkaufen".

Quellen: Atomikvodka, AFP


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