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Berthold Beitz: "Krupp ist meine Lebensaufgabe"

Die entscheidende Begegnung seines Lebens fand 1952 im Essener Atelier des Bildhauers Jean Sprenger statt: Nur wenige Monate nach ihrem dortigen Treffen machte Alfried Krupp "BB" zum Generalbevollmächtigten seines Stahlkonzerns.

Die entscheidende Begegnung seines Lebens fand 1952 im Essener Atelier des Bildhauers Jean Sprenger statt: Denn nur wenige Monate nach diesem zufälligen Zusammentreffen ernannte Alfried Krupp - gerade von den Alliierten aus der Haft entlassen - Berthold Beitz zum Generalbevollmächtigten seines als einstige deutsche "Waffenschmiede" geächteten Stahlkonzerns. Und noch heute, rund 50 Jahre später, wacht der am 26. September 1913 in Zemmin (Vorpommern) geborene Beitz als Kuratoriums-Vorsitzender der Krupp-Stiftung über das Erbe des größten Anteilseigners des ThyssenKrupp-Konzerns.

Angeblich erster Einkommens-Millionär Europas

Das Personenarchiv Munzinger sagt dem damals 39-Jährigen Generaldirektor der Hamburger Iduna-Versicherung nach, er sei durch seine Berufung durch Alfried Krupp zum ersten Einkommens-Millionär Europas geworden. Und Lenker eines Konzerns, den er trotz strenger alliierter Auflagen wieder zu einem weltweit führenden Stahlunternehmen machte. Die Zahl der Beschäftigten des Traditionskonzerns stieg dabei von 13.000 im Jahr 1951 auf 113.000 Mitarbeiter zehn Jahre später.

Schah von Persien war Anteileigner

Eine zweite große Klippe umschiffte Beitz 1967, als die Banken einen Kredit für den Bau einer chemischen Fabrik in Polen in Höhe von 300 Millionen DM verweigerten. Mit Hilfe einer Bundesbürgschaft, die nie in Anspruch genommen wurde, konnte der Auftrag gerettet werden. Knapp zehn Jahre später stockte Beitz das schmale Eigenkapital des Konzerns mit dem überraschenden Verkauf von einem Viertel der Anteile an den Schah von Persien auf.

Machte Cromme zu seinem Nachfolger

Noch vor seinem Ausscheiden als Aufsichtsratsvorsitzender berief Beitz 1989 Gerhard Cromme als neuen Vorstandschef, der für den enger werdenden Stahlmarkt die Weichen neu stellen sollte. Cromme gelang 1992 die Fusion mit der Dortmunder Hoesch AG und damit der Wiedereinzug in die Spitzenriege der deutschen Industrie. "Herr Cromme ist ein Glücksfall für diese Firma", kommentierte Beitz nüchtern. Auch bei der Fusion mit Thyssen galt Beitz zusammen mit dem Industriemanager und -berater Günter Vogelsang als Drahtzieher. Durch den Zusammenschluss 1998 wurde ThyssenKrupp mit 70 Milliarden DM Jahresumsatz und weltweit 173.000 Beschäftigten der fünftgrößte deutsche Industriekonzern.

Sitz im IOC und NOK

Beitz war auch auf höchster sportlicher Ebene aktiv. Seinen Beinamen "Der Herr der Ringe" - drei verschlungene Ringe sind das Krupp-Firmensymbol - bestätigte Beitz 1972 mit seiner Berufung ins Internationale Olympische Komitee (IOC). Der passionierte Wassersportler organisierte im selben Jahr die Segel-Wettbewerbe in Kiel und ist Ehrenmitglied im IOC und Nationalen Olympischen Komitee (NOK).

Auszeichnung von Yad Vashem

Sehr zurückhaltend spricht der Jubilar über seine Zeit als Direktor der Karpaten Öl AG während des Zweiten Weltkriegs in Galizien. Nachdem er 1942 im Schlachthof von Boryslaw Augenzeuge eines Massenmordes von Deutschen an Juden geworden war, rettete er hunderte von Juden und Polen das Leben, indem er sie als Arbeitskräfte anforderte. Dafür wurde er von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Ehrentitel "Gerechter der Völker" ausgezeichnet.

Keine Lust auf Polit-Karriere

Die guten Kontakte von Beitz in Osteuropa wollte Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) auch politisch nutzen. "Ich sollte 1970 Botschafter in Moskau werden", erinnerte sich Beitz später. Ich habe gesagt: "Ich denke gar nicht daran, das dauert ein Vierteljahr und dann kommt irgendein Minister und beklagt sich, dass ihm das Hotelzimmer nicht gut genug ist. Das passiert drei, vier Mal, und dann bin ich abberufen." Beitz sah sein Betätigungsfeld ohnehin weiter in Essen.

Lebensaufgabe blieb immer Krupp

"Krupp ist für mich die Lebensaufgabe", stellte Beitz immer wieder klar. Denn der 1967 verstorbene Alfried Krupp hatte seine Familie in seinem Testament ausdrücklich von der Führung des Konzerns ausgeschlossen und Beitz zum Testaments-Vollstrecker auf Lebenszeit ernannt. Für Beitz gilt: "Ich habe die Aufgabe, den letzten Willen von Alfried Krupp zu erfüllen, und das wird auch mein weiteres Leben bestimmen."

DPA