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Interview

Dirk Schmitz: "Es ist eine geliehene Macht": Der Blackrock-Chef spricht im stern über die Geschäfte seiner Firma

Dirk Schmitz ist seit Anfang des Jahres Chef von Blackrock Deutschland. Im stern-Interview spricht der Manager über Verantwortung, Macht und eine feindliche Übernahme der Deutschland AG.

Dirk Schmitz im Blackrock-Büro mit Blick über Frankfurt

Dirk Schmitz im Blackrock-Büro mit Blick über Frankfurt

Das Interview mit Blackrock-Chef Dirk Schmitz ist vor einigen Wochen während der Recherchen für die aktuelle stern-Titelgeschichte "Wem gehört Deutschland?" geführt worden. Zum Zeitpunkt des Gesprächs stand noch nicht fest, dass der Aufsichtsratschef von Blackrock, Friedrich Merz, als Nachfolger von Angela Merkel für den CDU-Parteivorsitz kandidieren wird. Auch über die Durchsuchung der Blackrock-Büros in München war damals noch nichts bekannt. 

Herr Schmitz, wir fragen uns: Wem gehört Deutschland? Schaut man auf die Unternehmen, landet man schnell bei Ihnen: Niemand besitzt mehr Anteile als Blackrock.

Wir kennen die Zahlen. Auf den ersten Blick gewaltig. 

Bei zwölf Dax-Konzernen ist Blackrock größter Anteilseigner. Was bedeutet das für Sie?

Man spürt Verantwortung, mit der wir gewissenhaft umgehen. Für mich persönlich macht es keinen Unterschied, ob wir sieben Prozent einer ganzen Firma oder nur sieben Aktien halten.

Ihnen gehört immerhin der größte Teil der Deutschland AG.

Wir sind nicht der Eigentümer, wir sind der Treuhänder. Wir kaufen die Firmenanteile nicht für uns selbst. Unsere Kunden besitzen sie. Mein Terminkalender richtet sich nach unseren Kunden, nicht nach unserem Anteilsbesitz. 

Anders als etwa eine klassische Depotbank erwerben Sie mit den Aktien immer auch die Stimmrechte.

Das stimmt. Wir üben die Stimmrechte auch konsequent aus. Aber darum geht es uns nicht. Hedgefonds kaufen Aktien, um die Stimmrechte zu bekommen, um damit etwas zu bewirken – bei uns ist es nur eine Folge. Wir legen das uns anvertraute Vermögen an und erwerben die Stimmrechte eben mit. 

Aber Sie kaufen sich damit Macht.

Es ist eine geliehene Macht. Es geht uns nicht um eine Machtposition, das ist nicht unser Ziel. Sie ist eine Konsequenz der Dienste, die wir anbieten.

Verstehen Sie, dass Leute Angst bekommen: Jetzt kommt der Finanzriese aus Amerika?

Wenn man das so plakativ ausdrückt, kann ich das nachvollziehen. Aber vor uns muss niemand Angst haben. 

Auf Hauptversammlungen treten Sie selten groß in Erscheinung. Warum nicht?

Wir haben eine eigene Abteilung, die sich um gute Unternehmensführung kümmert und intensiv mit den Vorständen, Aufsichtsräten und Investor-Relations-Abteilungen der Unternehmen redet. Hauptversammlungen sind immer auch politische Bühnen. Wir agieren lieber im Hintergrund, das ist konstruktiver und am besten für den Dialog. Unsere Prinzipien und Abstimmungsentscheidungen sind transparent, die kann jeder im Internet nachlesen.

In der Eigentümerstruktur des Dax hat es in den letzten 15, 20 Jahren gewaltige Verschiebungen gegeben. Weit mehr als die Hälfte gehört inzwischen Investoren aus dem Ausland – auch das kann Fragen aufwerfen. 

Ja, aber wenn man wie wir an die Vorteile freier Märkte glaubt, muss man akzeptieren, dass womöglich Investoren aus dem Ausland deutsche Unternehmen attraktiver finden als Investoren aus dem Inland. 

Zum Beispiel Blackrock.

Wir gelten offiziell als Amerikaner, dabei gehört das Geld auch deutschen Versicherungen oder Pensionskassen. Hinter Blackrock stehen zum Teil deutsche Sparer. Es gibt keine feindliche Übernahme der Deutschland AG.

Wessen Gelder genau verwalten Sie?

Das sind große Pensionskassen und Versicherer ebenso wie Privatanleger wie Sie und ich. Etwa zwei Drittel der Gelder sind für die Altersvorsorge unserer Anleger. Deutsche Investoren haben uns einen niedrigen dreistelligen Milliardenbetrag anvertraut. Bei unseren Indexfonds ist auch gar nicht so einfach zu sagen, wem sie gehören: Unseren ETF auf den Dax verkaufen wir weltweit, der ist börsengehandelt – wir wissen im Zweifel gar nicht, wem die Anteile gehören.

Es heißt immer: Sie verwalten die Pensionen amerikanischer Lehrer und kaufen damit den Dax leer.

Nein, diese Kette ist falsch. Die Bandbreite ist riesig. Es ist das Geld amerikanischer Lehrer – aber eben auch das deutscher oder französischer Lehrer. Wir schätzen, dass die Mehrzahl der Investoren unserer deutschen Fonds aus Deutschland kommt. 

Werden in Zukunft noch mehr ausländische Investoren deutsche Firmen kaufen?

Der Dax wird wohl nie komplett in ausländische Hand gelangen. Aber: Ein französischer oder amerikanischer Aktionär ist per se nicht schlechter als ein deutscher.

Im Grundgesetz steht der Satz: "Eigentum verpflichtet". Was bedeutet der für Sie?

Ein Unternehmen, das nur nach Gewinn strebt, wird es auf Dauer in einer Gesellschaft schwer haben. Für Blackrock heißt das: Wir gehen sorgsam mit unserer Verantwortung um, wir mischen uns ein. Nach bestem Wissen und Gewissen.

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