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US-Investmentkonzern: Mächtig, verschwiegen, einflussreich: Blackrock - der Finanzriese, den kaum einer kennt

Mit der Kandidatur von Friedrich Merz als CDU-Parteichef rückt sein Arbeitgeber Blackrock in den Fokus. Der US-Investment-Konzern ist riesig und machtvoll - und ziemlich unbekannt.

Blackrock Investment-Unternehmen

BlackRock ist ein US-Investmentunternehmen.

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Ein schmuckloses Hochaus mit silberner Fassade, zwei amerikanische Flaggen flattern über dem Eingang: Imposant ist das Hauptquartier des Vermögensverwalters Blackrock in New York sicherlich nicht. Doch hinter den Mauern wird ein riesiges Vermögen verwaltet. Ende 2017 kümmerte sich Blackrock um umgerechnet rund 5,5 Billionen Euro. Pensionskassen, Staatsfonds, Versicherungen, Stiftungen, Menschen mit großem Vermögen oder Sparer mit überschaubaren Mitteln zählen zu den Kunden. Rund 93 Prozent der US-amerikanischen Rentenrücklagen wird von Blackrock verwaltet. Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Ein stiller Riese - mit unermesslicher Macht.

Denn Blackrock kümmert sich nicht nur um Finanzen, Larry Fink, Chef der Firma, unterhält ausgezeichnete Kontakte in die Politik. In der Finanzkrise spielte Blackrock eine wichtige Rolle, um für die USA toxische Papiere zu prüfen oder Hilfsprogramme für die US-Notenbank zu entwickeln. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich von Blackrock beraten. Mit dem EZB-Präsidenten Mario Draghi gebe es persönliche Gespräche. "Der direkte Kontakt zur EZB beschert Blackrock einen massiven Informationsvorteil gegenüber kleineren Fondshäusern", sagte Hans-Peter Burghof, Finanzprofessor der Universität Hohenheim, 2016 zur "Süddeutschen Zeitung". Kein anderes Unternehmen, keine andere Behörde, keine Komission hat so umfassenden Einblick in die Finanzwelt wie Blackrock.

Blackrock als Einzelaktionär im Dax

Aber nicht nur in der Politik scheint Blackrock tief verzweigte Kontakte zu unterhalten. Auch in der Unternehmenswelt hat der Vermögensverwalter massiven Einfluss. In 28 Firmen der 30 im Dax, der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, ist Blackrock investiert - für insgesamt rund 50 Milliarden Euro. Der Finanzkonzern ist bei vielen deutschen Firmen der größte Einzelaktionär, so bei Daimler, der Deutschen Bank, Lufthansa, BASF und auch der Deutschen Börse. "Grundsätzlich spielen wir bei Unternehmensentscheidungen eine konstruktive und maßvolle Rolle", stellt Fink seine Rolle bescheiden da.

So viel Vermögen, Macht und Einfluss in einer Hand wird scharf kritisiert. Denn gerät Blackrock ins Straucheln, könnte das ungeahnte Folgen für die ganze Welt haben. Der US-Hedgefondsmanager Carl Icahn macht aus seiner Kritik keinen Hehl: "Ich halte Blackrock für ein sehr gefährliches Unternehmen", sagte er vor rund drei Jahren auf einer Konferenz. Die enorme Marktmacht sei eine Bedrohung.

Wo die Reichen wohnen: Das sind die reichsten Landkreise: Bayern, Bayern - und ein Außenseiter
Platz 10: Stormarn    Ein Außenseiter in der Liste: Der Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein schafft es als einziger norddeutscher Kreis ins Ranking. Pro Kopf hat dort jeder Einwohner statistisch 26.675 Euro pro Jahr zur Verfügung. Als erste Gemeinde in Schleswig-Holstein hatTangstedt im Kreis Stormarn am 30.11.2016 eine Pferdesteuer beschloßen.

Platz 10: Stormarn

Ein Außenseiter in der Liste: Der Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein schafft es als einziger norddeutscher Kreis ins Ranking. Pro Kopf hat dort jeder Einwohner statistisch 26.675 Euro pro Jahr zur Verfügung. Als erste Gemeinde in Schleswig-Holstein hatTangstedt im Kreis Stormarn am 30.11.2016 eine Pferdesteuer beschloßen.

Larry Fink sieht das natürlich anders. Blackrock sei lediglich ein ganz normaler Vermögensverwalter, agiere maßvoll und würde im Sinne der Kunden Stabilität fördern. Fink hat seine Erfahrung an der Wall Street begonnen, gilt als ausgezeichnet vernetzt und soll den Firmenlenkern der Welt regelmäßig Brandbriefe schreiben. Fink gilt auch als Erfinder jener Hypothekenpapiere, die die Finanzkrise 2007 auslösten.

Blackrock, die Schattenbank

Gegen Finks Wahrnehmung spricht, dass Blackrock natürlich voll auf Profitmaximierung ausgelegt ist. Einige der Fonds haben ihren Sitz in steuersparenden Inseloasen. Auch die internationalen Bankenregulierer können Blackrock kaum packen. Der Vermögensverwalter gilt als Schattenbank, denn ein klassisches Bankgeschäft mit Kontoführung gibt es nicht. Und diese Finanzinstitute können sich der staatlichen Regulierungen - gerade nach der Finanzkrise - entziehen. In den USA tut der Konzern eine Menge dafür, auf keinen Fall als "systemrelevant" eingestuft zu werden - dann nämlich muss Blackrock sich an strengere Auflagen halten.

Die Finanzaufsicht Bafin sorgte 2013 dafür, dass Blackrock nicht bei der Frankfurter BHF Bank einsteigen konnte. Zu wenig Transparenz, zu wenig Spielregeln, an die sich Blackrock halten müsse. Zwei Jahre später verhängte die Bafin ein Bußgeld von über drei Millionen Euro gegen den Vermögensverwalter, weil dieser seinen Pflichten über gehaltene Stimmrechtsanteile und Finanzinstrumente nicht rechtzeitig nachgekommen war. Fink zeigt für die Strenge der Aufsichtsbehörden sogar Verständnis: "Wenn ich auf der Seite der Aufsichtsbehörde säße, würden mich viele in der Branche nicht mögen. Denn ich würde sogar weitaus aggressiver vorgehen, als viele denken, um zu verhindern, dass einzelne Fonds zu einer Gefahr für das Finanzsystem werden."