HOME

BP vor der Übernahme?: Die Konkurrenz greift nach dem Ölsünder

Die Katastrophe im Golf von Mexiko kostet BP nicht nur viele Milliarden, sondern möglicherweise auch die Eigenständigkeit. Das Unternehmen hat nur noch wenig Zeit, seine ölverschmierte Bilanz zu reinigen. Ein möglicher Helfer könnte die britische Regierung sein.

Nachdem der Konzern BP die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verursacht hat, könnte er selbst zum Opfer werden: Offenbar steht ein Übernahmekampf um das britische Unternehmen bevor. Laut Presseberichten könnten ExxonMobil oder Chevron möglicherweise zuschlagen. Die britische Zeitung "Sunday Times" meldet, dass der Branchenriese ExxonMobil bereits bei der US-Regierung angefragt hat, ob eine Übernahme der BP zulässig sei. Die BP wies den Bericht als spekulativ zurück. ExxonMobil nahm keine Stellung.

Auch in China gibt es Interesse an BP: Der Energieriese PetroChina bot dem Konzern seine Hilfe an. "Wenn es die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit gibt, dann würden wir das begrüßen", sagte ein Manager der "Financial Times" vom Montag.

Der Tag der Wahrheit dürfte am 27. Juli kommen, wenn BP in London seine Quartalszahlen veröffentlicht. Nach Informationen des "Daily Telegraph" versucht der Konzern nun fieberhaft, seine Finanzbasis zu verbessern. Das Management will glaubhaft demonstrieren, dass BP für die astronomischen Kosten der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aufkommen kann.

Kommt London BP zu Hilfe?

Unterstützung in einem Übernahmekampf könnte von der britischen Regierung kommen. Sie könnte einspringen, um BP vor einer US-Übernahme zu bewahren. Das Unternehmen besitzt einen Großteil der britischen Energie-Infrastruktur - darunter ein Leitungssystem, das über 50 Öl- und Gasfelder in der Nordsee verbindet. Zudem gilt die Beziehung zwischen BP und der Regierung in London traditionell als eng.

Schon seit Tagen berichten britische Medien, dass das zweite Quartal überraschend gut ausgefallen sei, zumal Dividendenzahlungen erst einmal aufgeschoben sind. Verkäufe einzelner Unternehmensbereiche könnten zusätzlich schnelles Geld einbringen. Am Montag erholte sich der Aktienkurs von BP zunächst an der Londoner Börse.

Katastrophe kostete bisher 3,5 Milliarden Dollar

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat den britischen Energiekonzern nach eigenen Angaben mittlerweile 3,5 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) gekostet - davon fast 165 Millionen Dollar Entschädigung für Betroffene der Umweltkatastrophe. Bis Samstag seien 105.000 Forderungen eingegangen, mehr als 52.000 Zahlungen wurden demnach bereits geleistet. Noch sei es zu früh, die endgültigen Gesamtkosten abzuschätzen, erklärte BP.

Der Konzern fing den Angaben zufolge bislang 749.100 Barrel des ausgetretenen Öls auf. Die derzeitigen Bemühungen, zur Eindämmung der Umweltkatastrophe den alten Trichter über dem lecken Bohrloch durch eine neue Absaugglocke zu ersetzen, laufen demnach nach Plan.

fw/DPA/AFP/APN / DPA