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Cathie Lesjak übernimmt vorläufig: Mark Hurds verhängnisvolle Affäre

Mit Mark Hurd an der Spitze hat sich der Wert des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard verdoppelt. Nun muss Hurd trotzdem gehen: Der 55-Jährige hatte eine Äffäre mit einer externen Mitarbeiterin - und fingierte Spesenabrechnungen zu deren Vorteil.

Nach dem Rücktritt von HP-Chef Mark Hurd wegen seiner Affäre mit einer Mitarbeiterin des Konzerns ist die Identität der Frau nun bekannt geworden: Es handelt sich um Jodie Fisher, eine aus TV-Serien bekannte US-Schauspielerin, die als Subunternehmerin für den Computerkonzern gearbeitet hat, wie aus einer am Sonntag von Fishers Anwalt veröffentlichten Erklärung hervorgeht.

Dem 53-jährigen zweifachen Familienvater wird vorgeworfen, Spesenabrechnungen fingiert zu haben, um eine "enge persönliche Beziehung" zu einer für das Marketing tätigen Frau zu verschleiern, wie HP am Freitag nach US-Börsenschluss bekanntgab. Kreisen zufolge hat sich der Top-Manager inzwischen außergerichtlich mit ihr geeinigt. Der Rücktritt hatte den HP-Kurs an der Wall Street nachbörslich abstürzen lassen.

"Mark hat die Sache mit der Frau geregelt", sagte ein Insider. Unklar war, ob eine Geldzahlung Teil der Einigung war. Hurd war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, die Anwältin der Frau wollte sich nicht äußern. Die frühere Geschäftspartnerin habe neben der Einigung mit Hurd zudem zugestimmt, keine Rechtsansprüche gegen HP zu erheben, sagten mit dem Vorgang Vertraute.

Die Frau hatte im Juni gegenüber dem HP-Direktorium Vorwürfe erhoben, dass der Top-Manager sie sexuell belästigt habe. Das Unternehmen leitete daraufhin Ermittlungen ein. HP zufolge ergaben diese, dass Hurd die Prinzipien des Unternehmens bezüglich sexueller Belästigung nicht verletzt habe, jedoch systematisch gegen Standards der Unternehmensführung verstoßen habe. So sei die Frau in einigen Fällen vergütet worden, ohne dass es dafür einen geschäftlichen Grund gegeben habe. Kreisen zufolge soll es dabei um 20.000 Euro gehen. Die Anwältin der Frau, die von 2007 bis 2009 für HP tätig war, erklärte, ihre Mandantin habe keine sexuelle Beziehung mit Hurd gehabt.

HP: Hurd hat Glaubwürdigkeit untergraben

Hurd bezeichnete seine Entscheidung zum Rücktritt als schmerzhaft. Er habe sich nicht immer an die Prinzipien von Vertrauen, Respekt und Integrität gehalten, denen er sich bei HP verschrieben habe. Der Abgang wird ihm allerdings versüßt - er erhält eine Abfindung von 12,2 Millionen Dollar.

Hurd war seit 2005 Chef von HP. Während dieser Zeit senkte er massiv die Kosten und sorgte dafür, dass sich der Konzern breiter im Dienstleistungsmarkt aufstellte. Dies erreichte er durch Zukäufe, wie den des IT-Dienstleisters EDS für knapp 14 Milliarden Dollar.

In den fünf Jahren unter Hurd hat sich der Wert der HP-Aktie mehr als verdoppelt. Der Abgang ließ den Wert des Anteilsscheins um zehn Prozent sinken. Um dem Markt zu versichern, dass sich die Querelen nicht auf das Geschäft ausgewirkt haben, hatte HP noch am Freitag seine Jahresprognose erhöht. Den Chefposten übernimmt vorläufig Finanzchefin Cathie Lesjak. Nach einem Hurd-Nachfolger wird bereits gesucht. Lesjak sagte am Sonntag, dass HP mit dem Chefwechsel auf Unterstützung und Verständnis bei Kunden sowie Investoren gestoßen sei.

Reuters / Reuters
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