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Palm-Übernahme: Reboot für Hewlett-Packards Kleinste

Mit der Übernahme von Palm hat sich Hewlett Packard eine neue Chance auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt erkauft. 1,2 Milliarden Dollar (900 Mio Euro) ließ sich der kalifornische Computerkonzern den Neustart im Mini-Computer-Segment kosten.

Hewlett-Packard führt mit seinen Personal Computern und Laptops weltweit den Markt an. Auf dem boomenden Markt der Internet-Handys und Smartphones spielt HP dagegen bislang keine Rolle. Das soll sich nach dem Willen von HP-Chef Mark Hurd nun schnell ändern. Für 1,2 Milliarden Dollar (900 Mio Euro) schnappte sich der kalifornische Computerkonzern den Smartphone- Hersteller Palm. Der kleine Nachbar im Silicon Valley hatte zuletzt mit seinen Internet-Handys Palm Pre und Palm Pixi zwar Bestnoten in etlichen Testberichten erhalten, aber nur enttäuschend wenige Smartphones verkaufen können.

Hewlett-Packard gehört eigentlich zu den Pionieren in der Welt der mobilen Westentaschen-Computer. Mit dem iPaq, der mit der Übernahme von Compaq zu HP kam, setzte HP vor Jahren die Standards. Den Boom der Smartphones, der von Apple mit dem iPhone und RIM mit dem Blackberry ausgelöst wurde, verpasste HP allerdings komplett. Für private Anwender hat HP derzeit überhaupt kein Smartphone im Angebot, für Business-Kunden nur ein iPaq-Internethandy auf der Basis des Microsoft-Systems Windows Mobile.

Mit der Übernahme von Palm durch HP rückt die Palm-Software WebOS in die erste Reihe der Smartphone-Betriebssysteme auf. Dort kämpfen Apple mit dem iPhone und iPad, Google (Android), Nokia (Symbian), RIM (Blackberry OS) und Microsoft (Windows Phone 7 Series) um die Vorherrschaft. Palm verfügte bislang nicht über die Ressourcen, um die Dominanz dieser Branchengrößen attackieren zu können.

Insbesondere Microsoft könnte die Neuausrichtung der Mobilitätsstrategie von HP bald zu spüren bekommen. Microsoft-Chef Steve Ballmer führte noch im Januar auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas einen Prototypen eines neuen Slate-PCs von Hewlett- Packard vor, der als Antwort auf den Tablet-Computer iPad von Apple gedacht war. Nun bezweifeln Experten, dass HP wie geplant im Herbst diesen Slate-PC mit Windows auf den Markt bringen wird ­ wo doch das WebOS von Palm viel besser für diese Gerätekategorie geeignet sei. "Vermutlich wird HP von Apple und dem iPad die Lektion mitnehmen, dass die Anwender beim Tablet-Computer eine einfachere Oberfläche ohne Fenster der traditionellen Windows-Schreibtisch-Oberfläche vorziehen", schreibt David Morgenstern, Kolumnist beim Onlinedienst ZDNet.

Neben dem Betriebssystem WebOS fällt HP mit der Palm-Übernahme auch wertvolles Know-how in die Hände, das in 456 Patenten geschützt wurde. Außerdem hat Palm noch 406 Patentanträge laufen, die noch vom Patentamt bearbeitet werden. Vor dem Hintergrund der zahlreichen Patentstreitigkeiten in der Mobilfunkindustrie ist dieses Portfolio nach Einschätzung einiger Fachleute alleine 1,4 Milliarden Dollar wert.

Der harte Wettbewerb in der Smartphone-Branche, der sich in diesem Jahr durch neue Versionen des iPhones von Apple und der Windows- Smartphones weiter verschärfen wird, zwingt HP und Palm nun zur Eile. "Die kurzfristige Herausforderung für HP wird sein, das hohe Tempo des Marktes zu überleben", sagt Analyst Michael Gartenberg. "Es bleibt wenig Zeit, um Palm in das HP-Angebot zu integrieren, eine effektive Marketing-Botschaft zu formulieren sowie die Kunden und Entwickler zu überzeugen."

Christoph Dernbach, DPA / DPA