Deutschland Unternehmen auf Shopping-Tour


Jammern über ausländische Heuschrecken war gestern. Dank sprudelnder Gewinne suchen deutsche Top-Unternehmen wie Eon, BASF und Co. weltweit selber nach attraktiven Akquisitionen.

"Das ist die größte Übernahme in der Geschichte des Eon-Konzerns und auch in der Stromwirtschaft insgesamt." Als Eon-Chef Wulf Bernotat am Dienstag in Madrid das 29,1 Milliarden Euro teure Kaufangebote des Düsseldorfer Energiekonzerns für den spanischen Konkurrenten Endesa auf den Tisch legte, da genoss der Manager sichtlich die Dimension des geplanten Geschäfts. Gelingt der Coup, dann ist Eon der größte Strom- und Gasversorger der Welt und beliefert mehr als 50 Millionen Kunden in 30 Ländern Europas, Nord- und Südamerikas.

Verhandlungsposition gestärkt

Eon verspricht sich von der angestrebten Nummer-1-Position nicht zuletzt mehr Verhandlungsmacht gegenüber den großen Gasanbietern wie Russland oder Norwegen. Doch steht der Düsseldorfer Energieriese mit seinem Expansionsdrang nicht allein. Immer mehr deutsche Unternehmen suchen angesichts sprudelnder Gewinne weltweit nach attraktiven Akquisitionen, mit denen sie ihre internationale Marktposition stärken können. Auch vor feindlichen Übernahmen schrecken die Konzerne dabei längst nicht mehr zurück.

So plant der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF für mehr als vier Milliarden Euro die feindliche Übernahme des US-Konzerns Engelhard. Die Übernahme würde BASF nach eigenen Angaben zum weltweit führenden Anbieter im dynamisch wachsenden Katalysatormarkt machen. Und der Wiesbadener Industriegase-Hersteller Linde will den britischen Konkurrenten BOC für rund elf Milliarden Euro übernehmen - trotz des Widerstands des britischen Managements. Der neue Konzern wäre vor Air Liquide Weltmarktführer bei der Produktion von Industriegasen.

Kein Ende der Übernahmewelle in Sicht

Deutschlands größter Stahlproduzent ThyssenKrupp hofft nach wie vor, den kanadischen Konkurrenten Dofasco übernehmen zu können und ist bereit, dafür rund vier Milliarden Euro auszugeben. Andere Konzerne haben ihre Zukäufe bereits in trockenen Tücher. Die Deutsche Post etwa stieg im Dezember mit der Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel zum größten Logistikunternehmen der Welt auf. Der Preis dafür: 5,6 Milliarden Euro in bar und in Aktien. Erst vor wenigen Tagen legte der gelbe Riese noch einmal nach und kaufte für "nur" 370 Millionen Euro auch den international tätigen britischen Firmen-Dienstleister Williams Lee.

Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller Adidas sicherte sich für 3,1 Milliarden Euro in bar das Sagen beim US-Konkurrenten Reebok. Mit dem Coup verdoppelte Adidas seinen Umsatz im wichtigen US-Markt und schloss dicht zu Weltmarktführer Nike auf. Der Hannoveraner Reiseriese TUI übernahm für 1,7 Milliarden Euro die kanadische Containerlinie CP Ships und stieg damit zur fünftgrößten Containerreederei der Welt auf. Doch nicht immer geht es so glatt. Die Deutsche Telekom etwa wollte mit der 1,3 Milliarden Euro teuren Übernahme des viertgrößten österreichischen Mobilfunkbetreibers tele.ring ihre Position als zweitstärkster Anbieter in der Alpenrepublik deutlich ausbauen und zum Marktführer Mobilkom aufschließen. Doch erhob die EU-Kommission Einwände und forderte Nachbesserungen des Telekommunikationskonzern. Mit einer Entscheidung wird jetzt erst Ende April gerechnet.

Auch Springer sucht

Andere Unternehmen sind noch auf der Suche nach einer passenden Kaufgelegenheit. So hat der Springer-Verlag nach der gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 angekündigt, nun im Ausland nach Expansionsmöglichkeiten zu suchen. Die Commerzbank will nach den Worten von Vorstandschef Klaus-Peter Müller weiter zukaufen. Und auch dem Leverkusener Chemiekonzern Bayer und dem Essener Energiekonzern RWE wird Appetit auf Neuerwerbungen nachgesagt. Deutschlands Konzerne sind weiter auf Einkaufstour.

Erich Reimann/AP AP

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