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Differenzen: HP entlässt Chefin Fiorina

Eine der bekanntesten Managerin der Welt, die Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard, Carly Fiorina, wurde völlig überraschend entlassen. Die Börse dankte es: Die Aktie schoss um fast 12 Prozent nach oben.

Der US-Computerkonzern Hewlett-Packard hat nach Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung seine Chefin Carly Fiorina entlassen. Zum Interims-Nachfolger berief der weltweit zweitgrößte Computerproduzent am Mittwoch mit sofortiger Wirkung Finanzvorstand Robert Wayman.

Der Kurs der HP-Aktie schoss nach bekannt werden von Fiorinas Abtritt vor US-Börsenbeginn um fast zwölf Prozent nach oben. "Ich bedauere, dass es zwischen dem Direktorium und mir Differenzen darüber gibt, wie HPs Strategie umgesetzt wird. Ich akzeptiere ihre Entscheidung", erklärte Fiorina. "HP ist ein großartiges Unternehmen, und ich wünsche allen Menschen bei HP für die Zukunft viel Erfolg." Fiorina, die seit 1999 bei HP ist, galt bislang als eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Frauen in der US-Geschäftswelt. Sie hatte auch gegen Kritik einiger Investoren 2002 die Fusion mit Compaq Computer durchgesetzt.

Sechs Jahre an der Spitze von HP

HP hatte im vierten Quartal des zurückliegenden Geschäftsjahres seinen Nettogewinn um mehr als ein Viertel auf gut eine Milliarde Dollar gesteigert und einen Rekordumsatz von 21,4 Milliarden Dollar erzielt. Investoren hatten jedoch zuletzt mehr Konstanz bei den Ergebnissen angemahnt, nachdem das Unternehmen zuvor mit abwechselnd starken und dann wieder überraschend schwachen Quartalszahlen bei den Anlegern an Vertrauen verloren hatte.

Das Unternehmen dankte Fiorina für ihre sechsjährige Tätigkeit an der Spitze von HP. "Sie hatte eine strategische Vision und versetzte HP in die Lage, sich im Wettbewerb zu behaupten und zu gewinnen", erklärte das Unternehmen. Man werde so schnell wie möglich mit der Suche nach einem Nachfolger für Fiorina beginnen.

Die ehrgeizige Managerin startete ihre berufliche Karriere bei AT&T

Fiorina, die vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Fortune" bereits mehrfach zur „Most Powerful Businesswoman“ gekürt worden war, hatte bei einem Besuch des Weltwirtschaftsforums in Davos im vergangenen Monat Gerüchte über erste Differenzen mit dem Verwaltungsrat noch heruntergespielt. Berichte, wonach ihre täglichen Routineaufgaben auf andere Vorstände verlagert werden sollten, seien Spekulation. Ihre Beziehung zum Verwaltungsrat sei hervorragend, hatte die 50-jährige Managerin damals gesagt.

Die als ehrgeizig bekannte Managerin startete ihre berufliche Karriere bei dem Telekommunikationskonzern AT&T, führte erfolgreich die Ausgliederung des AT&T Ausrüstungs- und Forschungsbereich in Lucent Technologies durch und wechselte 1999 an die Spitze von Hewlett-Packard.

Reuters/AP / AP / Reuters