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Ex-Ebay-Chefin als Gouverneurs-Kandidatin in Kalifornien: "Ihr Karriere-Politiker steht Eurem schlimmsten Albtraum gegenüber"

Das Rennen um die Nachfolge des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger ist eröffnet. Die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman setzte sich am Dienstag (Ortszeit) bei parteiinternen Vorwahlen der Republikaner in Kalifornien klar durch.

Nicht politische Schwergewichte, sondern zwei reiche Ex-Konzernlenkerinnen aus der IT-Branche sollen die US-Republikaner in Kalifornien zum Sieg bei den Gouverneurs- und Senatswahlen im November führen. Die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman und die frühere Vorstandsvorsitzende des Computer-Herstellers Hewlett-Packard, Carly Fiorina, setzten sich am Dienstag bei den Vorwahlen um die Kandidatur ihrer Partei gegen ihre Rivalen mit deutlichem Vorsprung durch. Die Milliardärin Whitman schickt sich an, Nachfolgerin von Gouverneur Arnold Schwarzenegger zu werden, der nicht noch einmal antreten darf. Fiorina will künftig als Senatorin den von hoher Arbeitslosigkeit und einem riesigen Schuldenberg gebeutelten Bundesstaat im Washingtoner Kongress vertreten.

"Seid gewarnt, ihr Karriere-Politiker in Sacramento und Washington. Ihr steht jetzt Eurem schlimmsten Albtraum gegenüber: Zwei Geschäftsfrauen aus der wirklichen Welt, die wissen, wie man Jobs schafft, Etats ausgleicht und Dinge erledigt bekommt", sagte Whitman in ihrer Siegesrede. Ihr Gegenkandidat, der Demokrat Jerry Brown, reagierte gelassen: "Beide sagen, dass sie den Staat wie ein Unternehmen führen wollen, aber sie haben einen nationalen Rekord im exzessiven Ausgeben aufgestellt", sagte der Polit-Veteran.

Das Rennen um den Gouverneursposten im bevölkerungsreichsten Bundesstaat entwickelt sich zur teuersten Wahlschlacht, die - abgesehen von Präsidentschaftswahlkämpfen - je in den USA geführt wurde. Allein während der Vorwahlen gaben die Bewerber der Republikaner mehr als 100 Millionen Dollar aus.

Ob sich die beiden Polit-Neulinge tatsächlich so viel bessere Chancen ausrechnen dürfen als ihre erfahrenen Gegner, bezweifeln Experten jedoch. Zwar sei die Wut auf Politiker derzeit so groß wie seit 20 Jahren nicht mehr, sagte Dan Schnur, Vorsitzender von Kaliforniens Kommission für Politische Fairness. "Aber wohlhabende CEOs sind die einzigen Leute, die die Wähler genauso wenig mögen wie Karrierepolitiker. Diesen November werden wir sehen, wen sie mehr hassen."

In fünf Monaten werden zahlreiche Gouverneure, ein Drittel des Senats und alle 435 Abgeordnete im Repräsentantenhaus gewählt. Angesichts der massiven Politikverdrossenheit in Zeiten der Wirtschaftskrise und unbeliebter Mammutreformen wie dem Umbau des Gesundheitswesens droht vielen Amtsinhabern der Verlust ihres Postens oder zumindest ein Denkzettel. Das deutete sich auch bei den anderen Vorwahlen an, die am Dienstag in zehn weiteren Bundesstaaten abgehalten wurden.

So musste mit Senatorin Blanche Lincoln in Arkansas um ihre Kandidatur zittern, ein wichtige Verbündete von Präsident Barack Obama im Ringen um eine Regulierung der Finanzmärkte. Viele Beobachter hatten sie bereits abgeschrieben. Insofern war es ein Überraschung, dass sie sich am Ende doch gegen ihren parteiinternen Herausforderer durchsetzen konnte, wenn auch nur knapp. Die Verfechter einer strengen Kontrolle des Derivate-Marktes gehen damit gestärkt aus den US-Vorwahlen hervor.

Lincoln ist die Vorsitzende des Senatsausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft, der auch für den Derivate-Handel zuständig ist. Der Sieg erhöht ihr politisches Kapital bei den Verhandlungen im Kongress über ihren Vorschlag, die Banken zur Auslagerung ihres lukrativen Swap-Geschäfts zu zwingen. Eine solche Regelung könnte für Finanzinstitute ein Rückgang der Einnahmen in Milliardenhöhe bedeuten.

Reuters/DPA / DPA / Reuters