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Ebay: Geburtstag in der Krise

Ausgerechnet zum zehnjährigen Jubiläum häufen sich beim Internet-Aktionshaus Ebay die Probleme - nun setzt Firmenchefin Meg Whitman zum Neustart an.

Von Karsten Lemm

Am Anfang war alles umsonst: Wer bei "Auction Web" seine alten Bücher, Lederjacken oder Haushaltsgeräte unters Volk bringen wollte, konnte sie kostenlos auf die Website stellen und an den Meistbietenden versteigern. Bald allerdings wurde dem Betreiber der Seite, einem kalifornischen Programmierer namens Pierre Omidyar, der Spaß zu teuer - denn jeden Monat erhöhte sein Internet-Anbieter die Rechnung, weil "Auction Web" zu viele Besucher anzog. "Im Februar 1996 musste ich anfangen, Geld zu verlangen, weil mein Hobbyprojekt ziemlich teuer wurde", erinnert sich Omidyar. "Und das war die Geburt der Angebotsgebühr."

Da lachte das Publikum im Civic Auditorium in San Jose, der Hauptstadt des Silicon Valley, in der Ebay beheimatet ist und vorige Woche mit einer dreitägigen Großveranstaltung seinen zehnten Geburtstag feierte. Denn auch wenn in diesen zehn Jahren viel passiert ist, "Auction Web" sich in Ebay verwandelte und vom Ein-Mann-Betrieb zum globalen Riesen wurde - eines ist geblieben: die Gebühren. Und die steigen und steigen, sehr zum Verdruss vieler Ebay-Händler, von denen etliche inzwischen selbst ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, genau wie Ebay-Grüder Omidyar: 95 Prozent aller Waren, die auf der Auktionsseite angeboten werden, gehen in den USA - gemessen am Wert - auf das Konto professioneller Ebay-Kaufleute. Private Nutzer, die einfach nur Omas antike Kommode versteigern wollen, sind längst die Ausnahme.

Für Ebay bedeutet das: alles tun, um die "Power Seller", wie die Profis im Firmenjargon heißen, bei Laune zu halten. Andernfalls gibt's Ärger, und zwar richtig. "Viele unserer Mitglieder kennen meine E-Mail-Adresse", sagt eBay-Chefin Meg Whitman, "und wenn wir etwas tun, was unseren Mitgliedern nicht gefällt, dann bekomme ich schon mal 10.000 bis 15.000 E-Mails am Tag." Sie muss in der Flut ihrer elektronischen Post beinahe ertrunken sein in letzter Zeit, denn so lautstark wie nach den jüngsten Gebührenerhöhungen waren die Proteste der Ebay-Nutzer noch nie - und viele "Power Seller" nahmen den Preisanstieg zum Anlass, sich nach Alternativen zur Auktionsseite umzusehen.

Bei Ebay gebe es "zu viele Verkäufer und nicht genug Käufer", grummelte beispielsweise Profi-Händler John Wieber gegenüber dem Wall Street Journal. Obendrein, klagt da ein anderer "Power Seller", seien die meisten Ebay-Nutzer nur auf der Suche nach "unrealistisch günstigen Schnäppchen". Einige der vergrätzten Ebay-Händler laufen zum Internethändler Amazon über, bei dem sie ihre Waren ebenfalls schnell und günstig vermarkten können. Andere machen eigene Läden im Internet auf, um direkt an ihre Kunden zu verkaufen und die Ebay-Kommission zu sparen. Problem dabei: Wie macht man auf sich aufmerksam? Zumindest ist das heute weit einfacher und billiger als vor zehn Jahren, als Ebays Erfolgsgeschichte begann - denn inzwischen kann jeder Kleinstunternehmer mit gezielt geschalteten Textanzeigen bei Google, Yahoo und anderen Suchmaschinen dafür sorgen, dass sein Firmenname als Anzeige auftaucht, sobald jemand das sucht, was der Händler anbietet.

Theoretisch jedenfalls. In der Praxis herrscht um die besten Plätze unter den Textanzeigen, die neben den Suchergebnissen als bezahlte Links aufgelistet werden, heftiges Gerangel. Und da, glaubt Ebay-Chefin Whitman, hätten Mitglieder ihrer Auktionsgemeinde einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Einzelkämpfern: "Wir kaufen jeden Tag Millionen von Suchbegriffen", sagt die 49-Jährige, "und zwar zugunsten unserer Nutzer. Wenn Sie bei einer Suchmaschine einen Begriff eingeben wie 'Pullover', dann gibt es auf der ersten Trefferseite nur acht Plätze für Textanzeigen - und ich garantiere Ihnen, einer von diesen acht gehört uns!" Auf diese Weise sorge die Firma dafür, dass Ebay-Händlern ständig neue Kunden zugeführt werden.

So einfach allerdings lassen sich verärgerte "Power Seller" nicht besänftigen. Deshalb setzte Ebay bei der Geburtstagsfeier, die 11.600 Teilnehmer aus 62 Ländern anzog, ganz auf Harmonie: "Ebay ist viel mehr als nur ein Marktplatz, es ist eine Gemeinschaft", sagte Meg Whitman bei ihrer Eröffnungsrede im voll besetzten HP Pavillion, einer Merkzweckhalle, in der normalerweise Bands wie U2 auftreten oder die San Jose Sharks Eishockey spielen. Und wäre Ebay ein Land, fuhr Whitman fort, "dann wäre es, gemessen an der Bevölkerung, das siebtgrößte der Welt". Anschließend schickte sie ihren US-Statthalter Bill Cobb auf die Bühne, den Erfinder der ungeliebten Preiserhöhungen vom Frühjahr, damit der vor den versammelten Ebay-Mitgliedern zu Kreuze kriechen konnte.

"Mehr und mehr von Ihnen

verlassen sich auf uns, um Ihr Geschäft am Laufen zu halten", sagte Cobb kleinlaut, "und Sie haben uns wissen lassen, dass wir noch einiges besser machen können." Kundenservice steht dabei ganz oben auf der Liste, die Gebühren wurden teilweise wieder gesenkt, und für "Power Seller" gibt es, ganz neu, so genannte "ProStores": einen Service, mit dem Händler ihre eigene Webseite einrichten können, unabhängig von der Ebay-Hauptseite. Ob das reicht, damit Ebay wieder so schnell wächst, wie es die Aktionäre gewohnt sind? Über Jahre hinweg galoppierte die Firma allen anderen davon. Aus ein paar hundert Dollar, die einst Pierre Omidyar mit seinen Gebühren einnahm, wurden im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Dollar Umsatz - wovon 784 Millionen als Gewinn übrig blieben. 147 Millionen Menschen in 150 Ländern sind eingetragene (wenn auch nicht immer aktive) Nutzer des Auktionshauses, 432 Millionen Waren standen im ersten Quartal dieses Jahres zum Verkauf. Das bedeutet: Jeden Tag kamen fünf Millionen neue Angebote dazu, vom Traktor bis zur Kuckucksuhr. Gut 40 Milliarden Dollar wird der Wert der Waren, die bei Ebay umgeschlagen werden, in diesem Jahr betragen - die Hälfte davon kommt aus dem Ausland, und ein Großteil davon wiederum aus Deutschland, denn Deutschland ist Ebays erfolgreichster Auslandsmarkt.

Und doch hat sich Krisenstimmung breitgemacht: Plötzlich wächst Ebay nur noch vergleichsweise gemäßigt, und im ersten Quartal waren die Besucherzahlen in den USA zum ersten Mal in der Firmengeschichte rückläufig. Der Börsenkurs hat sich in den vergangenen sechs Monaten fast halbiert - mit etwas über 30 Dollar pro Aktie ist Ebay auf einmal selbst zum Schnäppchen geworden. Whitman reagiert darauf mit Zukäufen: Gerade hat Ebay den Preisvergleich-Spezialisten Shopping.com geschluckt, vorher schon Anteile an diversen Kleinanzeigen-Portalen wie "Craigslist" erworben und natürlich, der beste Wurf von allen, vor einigen Jahren den hoch profitablen Bezahldienst Pay Pal gekauft. Zusammengenommen ergibt das eine neue Strategie: weg vom reinen Auktionshaus, hin zum Alleskönner in Sachen E-Commerce.

"Unser Ziel ist es, schneller zu wachsen als der Internethandel allgemein", sagt Whitman - auch wenn sie sich dazu mit Amazon & Co. anlegen muss: "Natürlich wird es Platz geben für andere. Aber wir sind jetzt schon die Nummer eins im E-Commerce", betont die Ebay-Chefin. "25 Prozent des Online-Handels in den USA werden über Ebay abgewickelt - in Deutschland sind es sogar 34 bis 35 Prozent. Und unser Ziel ist es, diesen Anteil noch zu erhöhen."

Whitman will nicht mal ausschließen, dass Ebay in den derzeit lukrativsten Markt im Internet einsteigen könnte: das Geschäft mit bezahlten Anzeigen, mit dem Google und Yahoo Milliarden einnehmen. "Schon jetzt wickelt Ebay Tag für Tag so viele Suchanfragen ab wie Google", sagt Whitman. Nur habe man sich eben bisher auf ein anderes Betätigungsfeld konzentriert, mit einer anderen Philosophie: "Wir glauben an gleiche Chancen für alle. Egal, wer Sie sind bei Ebay, ob Sie ganz neu sind oder schon 100.000 Feedback-Punkte haben - Ihr Angebot wird irgendwann ganz oben auf einer Trefferliste landen. Und wir glauben, dass wir diesem Konzept einen Großteil unseres Erfolgs verdanken."

Andererseits ist im Internet bekanntlich alles im Fluss: Neue Chancen tun sich auf, neue Einnahmequellen werden erschlossen. "Sollten wir also über neue Geschäftsmodelle nachdenken?", fragt Whitman eindeutig-zweideutig. "Vielleicht. Wir sind bisher sehr erfolgreich gewesen, aber eines ist klar: Ebay ist eine ausgesprochen innovative Firma. Wir verstehen, was um uns herum geschieht, und wir haben immer wieder bewiesen, wie schnell und flexibel wir reagieren können."

Wäre ja auch schlimm, wenn ein Zehnjähriger schon zum alten Eisen gehörte.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.