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DocMorris-Apotheke: Angriff der quietschgrünen Pillenverkäufer

Der niederländische Versandanbieter DocMorris hat im Saarland seine erste "Markenpartnerapotheke" eröffnet. Der Apothekerverband reagiert gereizt.

Von Malte Arnsperger

Dieser Pillen- und Salbenshop fällt auf: Aus der biederen Luisenapotheke in der saarländischen Kleinstadt St. Wendel ist eine quietschgrün ausstaffierte DocMorris-Apotheke geworden. Pünktlich um acht Uhr betraten die ersten Kunden das neu gestaltete Eckgeschäft von Antoinette Angel in der Bahnhofstraße. Neben der Inhaberin gehörte auch der DocMorris-Gründer und -Chef Ralf Däinghaus zum Empfangskomittee. Denn für den 39-Jährigen ist der 8. Januar ein besonderer Tag. Däinghaus hat in St.Wendel einen neuen Anlauf zum Aufbau einer Apothekenkette in Deutschland genommen. "Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden drei bis fünf Jahren mit 500 Apotheken in Deutschland eine solche Kooperation eingehen", sagt der gelernte Ingenieur zu stern.de.

DocMorris verspricht 30 Prozent Ersparnis

Damit das restriktive deutsche Apothekenrecht diesen Expansionsplänen nicht in die Quere kommt, bleiben die Partnerapotheken im Besitz der bisherigen Inhaber. Ihre Pillen, Pflaster und Salben verkaufen sie jedoch unter DocMorris-Logo, wofür sie eine Lizenzgebühr zahlen müssen. Alles geschieht zum Wohle der Kunden, verspricht DocMorris: Nichtverschreibungspflichtige Medikamente sollen in den Partnerapotheken um bis zu 30 Prozent billiger verkauft werden als bei herkömmlichen Konkurrenten. Rezeptpflichtige Präparate dürfen zwar nach jetziger Gesetzeslage nur zum einheitlichen Apothekenverkaufspreis verkauft werden, aber: "Wir kämpfen dafür, dass es auch bei hier zu einem Preiswettbewerb kommt", sagt Ralf Däinghaus

Für den Apothekerverband ist die Strategie von DocMorris nur Augenwischerei. "Es gibt jetzt schon viele Einkaufsgemeinschaften von Apotheken, die sich auch in einem gemeinsamen Look präsentieren. Diese kaufen bei Großhändlern billiger ein und unterbieten oft die Preise von DocMorris", sagt Annette Rogalla, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), zu stern.de. "DocMorris hat nur sein Logo vermietet, mehr nicht. So wird uralter Wein in neuen Schläuchen verkauft."

Nächste Öffnung am 15. Januar

Doch das Interesse an dem Geschäftsmodell ist nach Angaben von DocMorris groß, hunderte Apotheker hätten sich bereits gemeldet. Die Inhaber würden von der Bekanntheit der Marke profitieren, welche die Kunden in die DocMorris-Apotheken locke. Deshalb sei sein Unternehmen längst nicht mehr das Feindbild der Apotheker, sagt Ralf Däinghaus. "Der Apothekerverband hat immer weniger Rückhalt. Den Apothekern ist das Hemd näher als die Hose und viele wollen nicht mehr den hinterwäldlerischen Empfehlungen des Verbandes folgen."

Ralf Däinghaus ist von seinem Modell überzeugt. Bereits am 15. Januar sei die Öffnung einer weiteren Partnerapotheke geplant, eine Woche später werde die dritte folgen, kündigt Däinghaus an. Die genauen Standorte will er nicht verraten, "aber diesmal nicht im Saarland".

Die Öffnung der Apotheke in St.Wendel ist der zweite Versuch des bisher nur als Versandhändler operierenden Unternehmens, mit Ladengeschäften in Deutschland Fuß zu fassen. Im Juli des vergangenen Jahres hatte DocMorris eine Apotheke in Saarbrücken übernommen. Nach mehreren Klagen, unter anderem von einer benachbarten Apothekerin, hatte das saarländische Verwaltungsgericht jedoch die vorläufige Schließung angeordnet.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung im Wesentlichen mit dem so genannten Fremdbesitzverbot des deutschen Apothekergesetzes, wonach eine Apotheke auch einem gelernten Apotheker gehören muss. Däinghaus wähnt jedoch das europäische Recht - das die Niederlassungsfreiheit garantiert - auf seiner Seite. Er hat Berufung gegen das Urteil eingelegt und rechnet fest mit einer baldigen Aufhebung des Verbots. Die ABDA glaubt nicht an eine solche Liberalisierung des Apothekermarktes. "Gesetzlich ist klar geregelt, wer eine Apotheke betreiben darf, nämlich nur Apotheker. Denn Medikamente sind Waren der besonderen Art und keine Smarties", sagt Annette Rogalla.

Doch Däinghaus will sich nicht aufhalten lassen. Er möchte die Apotheke in Saarbrücken als Basisstandort für den Ausbau seines Versandhandels in Deutschland nutzen. Diesen hat DocMorris, das sein Sitz im niederländischen Herrlen unweit der deutschen Grenze hat, im Jahr 2000 begonnen - begleitet von heftigem Protest und Klagen von Apothekern, denn nach deutschem Recht war dieser Handel untersagt.

Der Europäische Gerichtshof sah dies jedoch anders und urteilte 2003, dass der grenzüberschreitende Medikamententenversand rechtens ist. Anfang 2004 wurde das deutsche Arzneimittelgesetz dementsprechend geändert. Für DocMorris war dies ein Meilenstein, für Däinghaus jedoch nur ein Schritt auf dem Weg, die verkrustete deutsche Apothekenlandschaft aufzulockern. Er sieht sich als Pionier im deutschen Pillengeschäft. "Der deutsche Apothekermarkt ist kein Markt. Denn die Apotheker sind sagenhaft geschützt und sichern ihre Pfründe mit Standesregeln aus dem Mittelalter ab. Und das muss gekippt werden."