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Handelsstreit: Donald Trumps schizophrene Hetze gegen Mercedes und BMW

US-Präsident Donald Trump droht Mercedes-Benz und BMW mit Strafzöllen. Das Schizophrene daran: Die deutschen Autohersteller betreiben selbst riesige Werke in den USA - und importieren weniger Autos als die US-Konkurrenz.

Posing im Mercedes: Donald und Melania bei einem Polo-Turnier 2007

Posing im Mercedes: Donald und Melania bei einem Polo-Turnier 2007

Getty Images

Privat scheint Donald Trump durchaus ein Faible für Mercedes-Luxuskarossen zu haben. So soll er sich 2004 einen Mercedes-Benz SLR McLaren für eine mittlere sechsstellige Summe direkt vor den Trump Tower haben liefern lassen. Und bei einem süddeutschen Autohändler tauchte vergangenes Jahr ein rotes Mercedes Cabrio 560 SL auf, mit dem Trump einst seine erste Frau Ivana durch New York kutschierte.

Doch als US-Präsident fährt Trump eine verbale Breitseite nach der nächsten gegen die deutschen Autobauer. Schon seit längerem beklagt er, dass zu viele deutsche Wagen auf US-Straßen umherfahren und droht mit saftigen Strafzöllen. Erst am Wochenende drohte er via Twitter erneut mit Einfuhrzöllen auf europäische Autos. Und bei einer Wahlkampfveranstaltung nahm er explizit deutsche Autobauer ins Visier: "Wir werden Mercedes Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen." 

Mit der verbalen Eskalation zeigt Trump seinen Anhängern, dass er nicht vorhat, es bei Stahl- und Aluminiumzöllen zu belassen, sondern seine "America First"-Strategie auch gegen die mächtige europäische und asiatische Autoindustrie durchsetzen will. Dass Trump mit seinen Tiraden gegen ausländische Autos ausgerechnet auf Mercedes und BMW zielt, ist allerdings ziemlich schräg. Denn beide Autobauer importieren nicht nur aus Europa, sondern bauen auch hunderttausende Autos direkt in den USA.

Mercedes und BMW produzieren in Trump-Land

Die Produktionsstätten stehen in republikanisch geprägten Südstaaten und bieten dort tausende Arbeitsplätze. Das BMW-Werk in South Carolina soll bis 2019 sogar zum größten BMW-Produktionsstandort der Welt werden. Allein hier wurden laut Center of Automotive Research (CAR) im vergangenen Jahr 370.000 Autos gebaut, obwohl nur rund 350.000 Wagen überhaupt in den USA verkauft wurden. Ähnlich sieht es bei Mercedes aus: Im US-Werk in Tuscaloosa, Alabama, wurden rund 330.000 Mercedes-Wagen gebaut, verkauft wurden in den USA 375.000 Autos.

BMW und Mercedes haben zwar auch Autos in die USA importiert, aber eben auch dort gefertigte exportiert, was wiederum der US-amerikanischen Handelsbilanz zugute kommt. Laut Konzernchef Harald Krüger ist BMW sogar der größte Autoexporteur der USA. Von den großen deutschen Autobauern ist lediglich der VW-Konzern ein großer Netto-Importeur: 625.000 in den USA verkauften Autos stehen lediglich 140.000 dort gebaute Fahrzeuge gegenüber. Unterm Strich wurden laut der deutschen Autoindustrie 2017 von 1,3 Millionen in den USA verkauften Fahrzeugen 800.000 auch dort produziert, schreibt das Handelsblatt.

US-Autobauer importieren aus Mexiko

Die wesentlich größeren Importeure sind die großen US-Autobauer selbst, sie betreiben vor allem große Werke in Mexiko. So hat General Motors in den USA zwar rund drei Millionen Autos verkauft, aber nur 2,2 Millionen Stück auch im Heimatland gebaut. GM muss also unterm Strich ungefähr 800.000 Autos importiert haben. Fiat-Chrysler hat sogar nur gut eine Million Fahrzeuge in den USA gebaut und zwei Millionen verkauft. Insgesamt würden jedes Jahr rund sechs Millionen US-Fahrzeuge in die USA importiert, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen der Deutschen Welle.

Mit höheren Zöllen auf Auto-Importe könnte Trump daher sowohl US-Firmen schaden, die im Ausland produzieren als auch deutschen Autobauern, die Arbeitsplätze in den USA schaffen. Womöglich sieht der US-Präsident seine forschen Töne Richtung Mercedes oder BMW auch nur als Verhandlungsmasse, um an anderer Stelle Punkte im Handelsstreit zu machen. Am Montag kündigte Trump an, sein Handelsminister Wilbur Ross werde mit EU-Vertretern über die Beseitigung der hohen EU-Zölle und Barrieren für US-Produkte reden. Tatsächlich erhebt die EU auf Pkw einen Einfuhrzoll von zehn Prozent, umgekehrt sind es nur 2,5 Prozent. Dafür ist der US-Zoll auf Lastwagen und Pick-ups mit 25 Prozent deutlich höher als der der EU mit 14 Prozent. Über alle Produkte erhebt die EU laut EU-Kommission im Schnitt drei Prozent Zölle auf US-Produkte, umgekehrt seien es 2,4 Prozent.