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ELEKTRO: Krach bei Philips wegen geplantem Tarifwechsel

Für rund 3.000 Beschäftigte bedeutet das zwar sieben Proeznt mehr Lohn aber auch 2,5 Arbeitsstunden mehr pro Woche. Aber die Gewerkschaft ist dagegen.

Bei der deutschen Philips ist ein handfester Krach ausgebrochen. Die Tochter des holländischen Weltkonzerns will ihre Halbleiter-Fertigung in Deutschland neu ordnen und dabei gleichzeitig die Branche wechseln. Rund 3.000 Beschäftigte in Hamburg und Böblingen sollen nicht länger nach dem Metalltarif, sondern nach dem Chemietarif bezahlt werden. Vorteil für die Firma: Die reguläre Wochenarbeitszeit steigt von 35 auf 37,5 Stunden. Vorteil für die Beschäftigen: Sie verdienen rund sieben Prozent mehr. Doch die Arbeitnehmer spielen nicht mit.

Harte Konkurrenz

Der Konflikt wirft ein Schlaglicht auf die Folgen der Globalisierung für deutsche Arbeitnehmer, aber ebenso auf die Probleme der Gewerkschaften mit neuen Produktionsweisen. »Wir müssen in der Philips-Welt konkurrenzfähig sein, wenn es um die Investitionen des Konzerns geht«, sagt Peter Draheim, der Chef der Philips-Halbleiterfertigung in Deutschland. Der deutsche Standort konkurriert konzernintern nicht nur mit der fast doppel so großen Philips-Halbleiterfertigung im holländischen Nijmwegen um die Investitionsmittel, sondern ebenso mit Fabriken in den USA und Fernost. Und dort arbeiten die Beschäftigten länger als bei der deutschen Philips.

Konsequenz der Philips-Manager: Die neue Philips Semiconductors GmbH, die sowohl die 2.300 Mitarbeiter am traditionsreichen Hamburger Standort wie auch die 750 neuen Philips-Beschäftigten in Böblingen umfasst, wird in den Arbeitgeberverband Chemie eintreten. »Die Produktion von Halbleitern ist ein komplexes chemisches Verfahren«, sagt Draheim. »Metallverarbeitung findet da nicht mehr statt.«

Neue Tarife gelten nur für Neuanstellungen

»Die Belegschaft will die bewährten Tarifverträge der IG Metall behalten«, sagt Betriebsrat Werner Bradinal. Er wirft dem Philips-Konzern »Tarifflucht« vor und hat seit der Bekanntgabe der Pläne rund 400 neue Mitglieder registriert. Die Philips-Manager lässt das kalt. »Wir fragen nicht danach, ob jemand in einer Gewerkschaft ist«, sagt Personalchef Wigand Ridder. »Wir verpflichten uns in den Arbeitsverträgen, den Chemievertrag einzuhalten.« Zudem wird niemand gezwungen, den Tarifvertrag zu wechseln. Nur neu eingestellte Arbeitnehmer müssen die Chemie-Bedingungen akzeptieren.

Gewerkschaft fürchtet internen Konflikt

Die Gewerkschaften untereinander üben derweil den Schulterschluss. »Wir haben natürlich gute Tarifverträge«, sagt der zuständige IG- Chemie-Vorstand Werner Bischoff. Es gibt auch durchaus Halbleiter-Hersteller, bei denen die IG Chemie die Hausgewerkschaft ist; die Zuständigkeiten überschneiden sich teilweise. »Aber wir haben erklärt, dass die IG Metall mit ihrer langjährigen Erfahrung für die Philips-Betriebe zuständig bleiben soll«, sagt Bischoff. »Wir wollen keinen Konflikt und keine Mitglieder abwerben.« Für Arbeitnehmer, die in die IG Chemie wechseln wollen, bleiben die Türen geschlossen.

Eine Lösung des Konflikts ist nicht absehbar. »Wenn die Philips-Geschäftsführung nicht verhandeln will, werden wir nach dem 1. Juli zu Kampfmaßnahmen greifen«, sagt der zuständige IG-Metall-Betreuer Gunter Barnbeck. Konkret: Die Zeichen stehen auf Streik.

Eckart Gienke