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ENERGIE: BP übernimmt ARAL-Tankstellen

Wettlauf um Größe: BP sichert sich durch Öl-Gas-Geschäft mit E.ON die Tankstellen und Raffinerien von ARAL - 1.500 Jobs werden gestrichen.

Der deutsche Mineralölmarkt fällt offenbar endgültig den internationalen Öl-Multis in die Hände. Der britische Mineralölkonzern BP und die deutsche E.ON haben einen milliardenschweren Tausch ihrer Öl- und Gas-Geschäfte vereinbart, mit dem BP endlich die Nummer Eins auf dem deutschen Tankstellenmarkt werden könnte. Zum Jahreswechsel wird BP 51 Prozent an der E.ON-Tochter Veba Oel mit deren Tankstellennetz Aral übernehmen. E.ON erhält im Gegenzug 51 Prozent an der BP-Tochter Gelsenberg und bekommt dadurch maßgeblichen Zugang zum größten deutschen Gasversorger, der Ruhrgas AG. Für Branchenkenner ist klar, dass BP und E.ON damit jeweils Randbereiche ihrer Aktivitäten abgeben und dafür Teile erhalten mit denen sie ihr eigentliches Kerngeschäft stärken. Die Veba Oel wird den Angaben zufolge bei dem Tausch mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro bewertet.

Fusionitis begann mir DEA+Shell

Vor einigen Wochen hatte bereits der Essener RWE-Konzern die Zusammenlegung seiner DEA-Tankstellen mit denen der niederländisch-britischen Shell angekündigt, wodurch Aral von der Spitzenposition im deutschen Markt verdrängt würde. Nun könnte BP nach eigenen Angaben wieder Marktführer werden. Die 950 BP-Tankstellen in Deutschland sollen in ARAL umbenannt werden. Die ARAL-Stationen im Ausland werden voraussichtlich in BP umbenannt.

Veba Oel mir 6,5 Milliarden Euro bewertet

Mit dem Tauschgeschäft bewegen die beiden Weltkonzerne Milliardenbeträge. Die britische BP leistet nach eigenen Angaben neben dem Tausch für Veba Oel eine Ausgleichzahlung von 1,63 Milliarden Dollar und übernimmt Verbindlichkeiten von 950 Millionen Dollar. Die Veba Oel wurde bei diesem Geschäft mit insgesamt 6,5 Milliarden Euro bewertet, teilte E.ON ergänzend mit. BP übernimmt zunächst 51 Prozent an Veba Oel und könnte im zweiten Quartal 2002 Alleineigentümer werden. Selbstverständlich wird bei BP vom Zusammenschluss eine Kostensenkung von 15 Prozent und eine Verringerung der Mitarbeiterzahl um etwa 1.500 Stellen erwartet. Bei einer vollständigen Übernahme der Veba Oel samt ihrer Marke Aral soll das eigene Marketinggeschäft mit Aral unter dem Namen Aral zusammengeführt werden. RWE und Shell hatten dagegen vereinbart, mit beiden Marken in Deutschland am Markt zu bleiben.

Synergien von 200 Millionen Dollar

Die Synergien und Einsparungen bei Aral/BP sollen pro Jahr nach BP-Angaben mindestens 200 Millionen Dollar betragen. Aral unterhält den Angaben zufolge 2.560 Stationen in Deutschland und BP rund 950 Tankstellen. Beide Konzerne zusammen würden nach Angaben einer BP-Sprecherin auf einen Marktanteil von 25 Prozent kommen und damit den von DEA und Shell mit ihren 3.200 Stationen übertreffen. BP will seinen Firmensitz von Hamburg nach Nordrhein-Westfalen verlegen. Die Ölquellen der Veba Oel unter anderem in der Nordsee, in Norwegen und Venezuela sollen nach den Worten Brownes schnell verkauft werden. Die fünf Raffinerien der Veba Oel in Deutschland und weitere petrochemische Anlagen will BP dagegen behalten. Bisher hatte BP nur eine 55-Prozent-Beteiligung an einer Raffinerie in Bayern.

Auch E.ON profitiert

Im Gegenzug für die Abgabe der Veba Oel erhält E.ON unter anderem die Mehrheit an der BP-Tochter Gelsenberg AG, in der die 25,5 Prozent Beteiligung der BP am größten deutschen Gasversorger, der Ruhrgas AG, gehalten wird. Damit bekommt E.ON bei der Ruhrgas eine maßgebliche Position. Ruhrgas ist der größte Gasimporteur Deutschlands und zählt zu den drei großen europäischen Gasunternehmen. Die Ruhrgas-Aktivitäten in der Fernversorgung ergänzen ideal die gute Stellung des E.ON-Konzern in der Endverteilung.

Gruppen dominieren 60 Prozent des Marktes

Mit der Übernahme des Tankstellennetzes der Aral durch den britischen Mineralölkonzern BP entsteht auf Basis von Zahlen des Energieinformationsdienstes (EID) von Anfang 2001 das mit 3.266 Stationen größte Tankstellenetz in Deutschland. Dicht gefolgt wird der Tankstellenriese von der zur Jahresmitte 2001 gestarteten »Shell & DEA Oil GmbH«, die 160 Stationen weniger zählt. Zusammen kommen beide Gruppen auf über 50 Prozent des Kraftstoffabsatzes. Einschließlich des Heizölgeschäfts sind es laut EID sogar 60 Prozent.

Beginnt das Tankstellensterben?

Der Zusammenschluss von BP und Aral wird nach Einschätzung von Energieexperten die Konzentration am deutschen Tankstellenmarkt beschleunigen und vor allem kleinere Tankstellenpächter zur Aufgabe zwingen. Unseins sind die Branchenkenner indes, welchen Einfluss der Zusammenschluss auf die Benzinpreise haben wird. So erwartet auch EID-Erdölexperten Rainer Wiek, dass die Tankstellenzahl in Deutschland verringert wird. Die Branche zählt derzeit noch rund 16.000 Tankstellen, von denen etwa 4.000 als unrentabel gelten. Für diese Pächter wird seit einem Jahr über einen Branchenfonds verhandelt, der ihnen die Aufgabe ihres Geschäfts ermöglichen soll - bisher aber ohne greifbaren Erfolg.

Aral dünnt bereits Tankstellennetz aus

Wiek wies darauf hin, dass Aral bisher als einziges Mineralölunternehmen damit begonnen hat, sein Tankstellennetz auszudünnen und dies im Zusammenschluss mit BP nun forcieren dürfte. Nebeneinander liegende Tankstellen dürften bei der geplanten Ein-Marken-Strategie geschlossen werden, um sich nicht unnötig gegenseitig Konkurrenz zu machen. Diese Verringerung der Tankstellen könnte den Wettbewerbshütern nach Meinung des EID ein Argument liefern, den Zusammenschluss trotz der entstehenden Marktmacht unter Auflagen zu genehmigen. Überlegungen zur Zusammenlegung von Tankstellenstandorten gibt es auch bei Shell/DEA, doch sollen in diesem Bündnis beide Marken erhalten bleiben.