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ENERGIEPREIS: Irak schwingt die Ölwaffe

Als Antwort auf die Gewalteskalation in Nahost kündigte Saddam die Kürzung der Ölexporte für 30 Tage an. Darauf schnellte der Ölpreis an den Börsen anch oben.

Auf die Eskalation der Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt hat Irak am Montag mit dem begrenzten Einsatz der Ölwaffe reagiert. Der irakische Präsident Saddam Hussein kündigte an, ab sofort die Ölexporte zu kürzen. Die Maßnahme gilt für 30 Tage oder bis Israel sich aus den palästinensischen Autonomiegebieten zurückzieht, erklärte Saddam Hussein in einer Fernsehansprache.

Kein Öl mehr durch die Pipelines

Die irakische Führung hat beschlossen, »den Ölexport durch die Pipelines, welche in die türkischen Häfen am Mittelmeer und den Süden führen, völlig zu stoppen«. Eine Sprecherin der türkischen Pipelinegesellschaft BOTAS bestätigte am Nachmittag, dass kein neues Öl mehr in die Rohre gepumpt wird. Lieferungen nach Jordanien, die größtenteils mit Lastwagen erfolgen, sind von der Maßnahme nicht berührt.

Auch Iran und Libyen liebäugeln damit

Irak darf trotz der von den UN nach der Invasion in Kuwait 1990 verhängten Sanktionen Öl exportieren, um mit dem Erlös Nahrungsmittel, Medikamente und andere humanitäre Güter für seine Bevölkerung kaufen und Kriegsentschädigungen zahlen zu können. Der Irak hatte bereits vor mehreren Tagen vorgeschlagen, Öl als außenpolitisches Druckmittel gegen die israelische Offensive im Westjordanland zu benutzen. Iran und Libyen äußerten sich ähnlich, Jemen dagegen zweifelte am Erfolg eines solchen Embargos. Auch Saudi-Arabien und Kuwait sprachen sich dagegen aus.

Ölpreis zieht stark an

Der Ölpreis hat auf den geplanten Öl-Lieferstopp mit einem deutlichen Sprung nach oben reagiert. Auf dem Londoner Ölmarkt schoss der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Marke Brent um mehr als fünf Prozent in die Höhe auf 27,05 US-Dollar. In den USA verteuerte sich das Öl um knapp vier Prozent auf 27,20 Dollar je Barrel. Am Freitag hatten Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage im Nahen Osten den Ölpreis noch um etwa zwei Dollar sinken lassen.

Venezuela fällt als Lieferant aus

Bereits vor der Rede Saddams hatte sich das Öl der Sorte Brent um 66 Cents auf 26,65 Dollar verteuert, was Händler auf die Entwicklung in Venezuela, dem weltweit viertgrößten Ölexporteur, zurückführten. In zwei venezolanischen Häfen waren nach Angaben aus Industriekreisen die Öl-Lieferungen am Wochenende wegen Protestaktionen der Beschäftigten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA unterbrochen worden. Die Arbeiter von PDVSA protestierten gegen den von der Regierung angeordneten Manager-Wechsel und drohten mit Streiks.

Russland hat wenig Verständnis für Export-Stopp

In Russland ist der verfügte Ölexport-Stopp für die Dauer eines Monats auf wenig Verständnis gestoßen. Die Protestaktion gegen das israelische Vorgehen in den Palästinensergebieten sei ein »Fehler«, der den Irak weiter in die Isolation führe, zitierte die Agentur Interfax am Montag eine Quelle in der russischen Regierung. »Anstatt die Experten der Vereinten Nationen ins Land zu lassen, bringt Hussein die gesamte Weltgemeinschaft gegen sich auf«, heißt es in der Meldung weiter. Russland hatte sich als Handelspartner des Irak in der Vergangenheit immer wieder für eine Lockerung des internationalen Embargos gegen das diktatorisch regierte Land eingesetzt.