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Energiesparlabel der EU: Die A-Klasse für Fernseher kommt

Kampf gegen Stromfresser: Ab Ende November wird das Energiesparlabel der EU auch bei Fernsehern Pflicht. Was die bunten Aufkleber zeigen und worauf Käufer achten sollten.

Von Tanja Vedder

Stromsparen stand beim Fernsehen bislang nicht im Vordergrund. Das soll sich durch das EU-Label ändern

Stromsparen stand beim Fernsehen bislang nicht im Vordergrund. Das soll sich durch das EU-Label ändern

Die Energiesparer in der EU-Kommission in Brüssel haben sich diesmal die Unterhaltungsindustrie vorgenommen. Ab dem 30. November erhalten erstmals auch Fernseher europaweit das EU-Energielabel, das die Geräte in die Energieeffizienzklassen A bis G einteilt - wobei A für ein sehr sparsames Gerät steht. Für den Verbraucher hat das Vorteile: "Er erkennt auf einen Blick, ob ein Fernseher einen hohen oder eher niedrigen Stromverbrauch hat", sagt Annegret Agricola von der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

Ähnlich wie schon bei vielen Haushaltsgeräten wird auch bei den Fernsehern die A-Klasse in ein paar Jahren weiter unterteilt: So wird A+ im Jahr 2014 eingeführt, A++ folgt 2017, bis 2020 dann als beste Energieeffizienzklasse A+++ kommt.

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Was das Label zeigt

Das Label wird in der Regel gut sichtbar vorne oder an der Seite der Geräte angebracht. Auf einen Blick zu erkennen sind auf dem Aufkleber neben der Energieeffizienzklasse auch der jährliche Stromverbrauch des Geräts, außerdem gibt es noch Informationen zur Wattzahl, zur Bildschirmdiagonale und – fürs Energiesparen besonders wichtig: ob das Gerät einen echten Ausschalter hat. Denn wenn der Fernseher im Stand-by-Betrieb belassen wird, zieht er weiter Strom.

Schon seit dem vergangenen Jahr durften die Fernseh-Hersteller auf freiwilliger Basis das EU-Label verwenden. Nun wird es aber für alle in der Europäischen Union Pflicht. "Viele Hersteller haben die Übergangsphase intensiv genutzt, um die Energieeffizienz ihrer Modelle deutlich zu verbessern. Viele Fernsehgeräte werden die Kriterien der besten Energieeffizienzklassen A und B erfüllen," so Agricola. Wer am 30. November in eine Elektronikabteilung geht, wird voraussichtlich trotzdem ein paar Geräte ohne Label sehen. Denn die alten Geräte ohne Auszeichnung dürfen noch abverkauft werden.

Großes Sparpotenzial

Nach Berechnungen der EU könnte die Einführung des Labels für Fernseher in Kombination mit den sogenannten Ökodesign-Vorgaben (bestimmte Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung der Geräte) bis 2020 zu einer europaweiten Stromersparnis von 43 Terawatt-Stunden pro Jahr führen. Zum Vergleich: Deutschland verbraucht jährlich knapp 610 Terawatt-Stunden.

Was das Label dem einzelnen Verbraucher bringt, hat die Dena einmal nachgerechnet: Demnach könnte ein Kunde beim Kauf eines Fernsehers bis zu 70 Prozent an Stromkosten sparen, wenn er sich für ein energieeffizientes Gerät entscheidet. Angenommen, der Verbraucher zahlt für seinen Strom 24 Cent pro Kilowattstunde, würde ihn ein Fernseher der Energieffizienzklasse A im Jahr 25 Euro kosten. Für ein Gerät der Klasse F würden aber 80 Euro pro Jahr fällig – 55 Euro mehr also.

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A ist nicht gleich A

Doch von der "weißen Ware", also von Kühlschränken, Waschmaschinen, Mikrowellen etc. kennt man das ja schon: A ist dummerweise nicht gleich A. Vielmehr erlaubt diese Klassifizierung eine große Bandbreite. Wer es mit dem Sparen ernst meint, wird also nicht umhinkommen, sich auch den Stromverbrauch genau anzuschauen und durchzurechnen, was das konkret bedeutet. Denn die sparsamsten Geräte sind oft auch die teuersten. Durch die Stromersparnis hat der Verbraucher die höheren Anschaffungskosten aber irgendwann wieder heraus. Wann genau, das ist oft entscheidend.

Kunden sollten aber nur Geräte mit gleichen Funktionalitäten miteinander vergleichen. Denn für Fernseher mit eingebautem Tuner oder DVD-Player beispielsweise gelten andere Grenzwerte als für TV-Geräte, die diese Sonderausstattung nicht haben. Einen guten Überblick, welche Fernseher besonders "grün" sind und welche weniger, geben auch spezielle Datenbanken im Internet. Die Dena beispielsweise hat unter www.stromeffizienz.de/topgeraete mehr als 200 verschiedene Modelle gelistet – mit den jeweiligen Angaben zum Stromverbrauch und den technischen Merkmalen. Einen ähnlichen Produktfinder bietet auch das Öko-Institut auf seiner Webseite www.ecotopten.de.

Viel Raum zum Schummeln

Ein großes Problem bei der Energieeffizienz-Kennzeichnung in Deutschland war bisher allerdings die fehlende Marktüberwachung. Nur selten hat jemand in der Vergangenheit kontrolliert, ob die Geräte auch richtig etikettiert waren. Denn für das Aufkleben der Label sind die Hersteller und Lieferanten selbst zuständig. Bedeutet: reichlich Spielraum zum Schummeln. "Bei Markttests haben wir mehrfach Verstöße festgestellt, also, dass Geräte falsch, unvollständig oder sogar überhaupt nicht ausgezeichnet waren", erzählt Holger Schneidewindt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Bundesregierung will zwar die zuständigen Bundesländer zu einer besseren Marktüberwachung bewegen. Dazu legt sie gerade das sogenannte Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz und die dazugehörige Verordnung neu auf. "Die Länder aber beklagen fehlende Kapazitäten, deshalb wird es auch mittelfristig keine konsequente Überprüfung geben", ist sich der Energierecht-Experte Schneidewindt sicher.

Keine Label-Pflicht im Netz

Die wäre gerade in der Welt des Internets besonders vonnöten. Denn was im sogenannten stationären Handel gilt, gilt für den Online-Verkauf noch lange nicht. Schon in der Vergangenheit mussten die Online-Händler das EU-Label nicht auf ihren Seiten darstellen, sondern nur dessen Inhalt. Gleiches galt für den Katalog- und Telefonhandel. "So kam es dazu, dass der eine die Informationen mal in Tabellenform darstellte, der andere daraus prosaischen Text machte. Und wenn es sich um eine besonders schlechte Effizienzklasse handelte, fehlten die Angaben auch schon mal ganz", berichtet Schneidewindt.

Für den Kunden bedeutet das: Wiedererkennungseffekt gleich Null. "Das wird im nicht-stationären Handel auch so bleiben", fürchtet der Verbraucherschützer. Denn zwar muss nun selbst in der Werbung eine Effizienzklasse angegeben werden, sobald vom Energieverbrauch die Rede ist. Das Label selbst müssen Online- und Kataloghändler aber weiterhin nicht auf ihre Seiten stellen. Unterdessen hat die EU-Komission aber schon die nächsten Stromfresser im Visier: Sehr wahrscheinlich, dass das Label als nächstes auch auf Staubsaugern, Boilern und Wäschetrocknern kleben wird.

Von Tanja Vedder
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