Etikettenschwindel Über 100 Tonnen Ekelfleisch gefunden


Die Staatsanwaltschaft hat bei Durchsuchungen in Gelsenkirchen, Hamburg und Niedersachsen über hundert Tonnen verdorbenes Fleisch entdeckt. Zum Teil sollte es umetikettiert werden - und wäre dann als "frisch" verkauft worden.

Mehr als 130 Tonnen Fleisch der Firma Domenz beschlagnahmten die Behörden in den vergangenen Tagen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen den Geschäftsführer der Im- und Exportfirma auf. Nachdem am Freitag in Gelsenkirchen 60 Tonnen ungenießbares Fleisch in einem Kühlhaus des Handelsunternehmens beschlagnahmt worden seien, hätten Kontrolleure weitere 60 Tonnen in Räumen der Firma in Melle bei Osnabrück und nochmals elf Tonnen in Hamburg sicher gestellt, sagte der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg (CDU) in Düsseldorf. Untersuchungsergebnisse aus Niedersachsen und Hamburg lägen noch nicht vor. Die Ware aus NRW sei über Jahre tiefgefroren und nicht mehr zum Verzehr geeignet gewesen. Eine Gesundheitsgefährdung sei aber wohl auszuschließen.

Zudem gebe es Hinweise, dass mehrere Firmen in Deutschland Domenz-Ware bezogen hätten, sagte Uhlenberg. Die Behörden in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg seien Ende vergangener Woche darüber informiert worden.

Abgelaufenes Fleisch mit neuem Etikett

Das Haltbarkeitsdatum des am Freitag beschlagnahmten Fleisches in Gelsenkirchen war den Ermittlern zufolge abgelaufen. Die Ware war aber mit neuen Etiketten versehen worden. Die Essener Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen den Geschäftsführer Uwe Domenz auf. Erste Hinweise auf verdorbenes Fleisch in der Firma hätten Kontrolleure bereits Ende Oktober erhalten, sagte Uhlenberg. Damals seien drei Tonnen ungenießbares Rindfleisch beschlagnahmt worden.

Untersuchungen der Warenströme ergaben nach Angaben des Ministers, dass die Firma Domenz bis zum Oktober insgesamt 6,5 Tonnen überwiegend Putenfleisch an einen Döner-Hersteller im brandenburgischen Mittenwalde lieferte und 2,7 Tonnen Hamburger an eine Firma im ebenfalls brandenburgischen Rathenow. Daneben habe ein Verarbeiter in Gelsenkirchen mehrere Tonnen erhalten. In diesem Zusammenhang seien von 2,5 noch 1,7 Tonnen sichergestellt worden. Weitere zehn Tonnen seien an einen Metzger geliefert worden, der daraus Bratwürstchen hergestellt habe, sagte Uhlenberg. Davon hätten nur 5600 Grillwürste - 20 Prozent der Produktion - aus dem Handel gezogen werden können.

Verstärkte Fleischkontrollen in Tiefkühllagern

Uhlenberg kündigte verstärkte Kontrollen der Fleischbestände in Tiefkühllagern an. "Das Ministerium hat einen Erlass auf den Weg gebracht, dass dieser Bereich noch mal besonders kontrolliert wird", sagte er. In Nordrhein-Westfalen sind insgesamt 290 Kontrolleure für rund 190.000 Betriebe zuständig - vom Schlachter bis zur Imbissbude.

Zugleich bekräftigte Uhlenberg seine Forderung, kriminelle Fleischhändler härter zu bestrafen. Die Strafen seien wohl nicht abschreckend genug. "Wir müssen alles dafür tun, um diesen schwarzen Schafen das Handwerk zu legen", sagte Uhlenberg. Die Verbraucher würden verunsichert, und die gesamte Lebensmittelbranche komme in Verruf. Bislang werden Verstöße gegen das Lebens- und Futtermittelgesetz in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis fünf Jahren geahndet.

Reuters Reuters

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