Euro fällt unter 1,23 Dollar Märkte reagieren nervös auf Herabstufung Spaniens

Es klingt paradox: Erst fordert alle Welt Sparbemühungen von Spanien - und wenn das Land damit Ernst macht, wird die Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die Ratingagentur Fitch hat ihre Einschätzung geändert. Das Sparen würge das Wachstum ab. Die Börsen reagierten nervös; der Euro fiel auf ein Tagestief unter 1,23 Dollar.

Die Ratingagentur Fitch hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Zur Begründung erklärte das Unternehmen am Freitag in London, die Sparanstrengungen der spanischen Regierung zur Senkung des Haushaltsdefizits würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten belasten. Das Rating wurde von der Bestnote AAA um eine Stufe auf AA+ zurückgenommen. Der Euro fiel nach der Bekanntgabe auf ein Tagestief bei 1,2283 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag noch auf 1,2384 Dollar festgesetzt.

Die Aktienmärkte reagierten nervös auf Herabstufung durch die einflussreiche Agentur. Der Dow-Jones-Index weitete seine Verluste am Abend aus. Zuletzt fiel der Index um 0,94 Prozent auf 10.162,78 Punkte. Zuvor hatten allerdings bereits enttäuschende US-Konjunkturdaten für Minuszeichen an der Wall Street gesorgt. Zudem hätten einige Investoren vor dem langen Wochenende in den USA Engagements in Aktien gemieden, sagten Börsianer.

Drastisches Sparprogramm erschreckt Märkte

Spanien ist wegen seines hohen Haushaltsdefizits nach Griechenland und Portugal das nächste Sorgenkind der Eurozone. In dieser Woche nun beschloss das Parlament in Madrid ein drastisches Sparprogramm, um die hohen Schulden abzubauen, die im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) allerdings geringer sind als in vielen anderen Euro-Staaten. Dennoch versetzte Spanien die Finanzmärkte in Unruhe, nachdem in den vergangenen Tagen bekannt wurde, dass die Sparkasse Caja Sur nur durch die Hilfe der spanischen Zentralbank überleben kann. Die Sparkassen sind ein wichtiger Eckpfeiler im spanischen Finanzsystem.

Ende April hatte bereits Standard Poor's das Langfristrating für Spanien von "AA+" auf "AA" gesenkt und den Ausblick als "negativ" eingestuft. Die Begründung war ähnlich wie jene der etwas kleineren Kollegen von Fitch: Die Abkehr Spaniens von einem kreditfinanzierten Wachstumsmodell dürfte zu einer längeren Phase schwächeren Wachstums führen. Fitch und die Kollegen von Moody's hatten ihre Ratings Anfang Mai dagegen noch bestätigt.

Wachstumsprognosen herabgestuft

Neben dem harten Sparkurs verkündete die Regierung von Ministerpräsident José Luis Zapatero weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der eigenen Lage, um nicht wie Griechenland in eine Staatskrise abzurutchen. Für den Haushalt 2011 werde die Ausgabengrenze im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Milliarden Euro gesenkt, beschloss das Kabinett am Freitag in Madrid. Zugleich korrigierte die Regierung ihre Wachstumsprognosen erneut nach unten. 2012 werde die Wirtschaft um 2,5 Prozent und 2013 um 2,7 Prozent zulegen, hieß es. Das sind jeweils 0,4 Prozentpunkte weniger als zunächst prognostiziert. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, für 2011 ein Wachstum von 1,3 Prozent.

Die Regierung rechnet außerdem damit, dass die Arbeitslosigkeit in laufenden Jahr zunimmt, aber bis 2012 auf eine Quote von 17,5 Prozent reduziert werden kann. Derzeit sind rund 4,6 Millionen Menschen in Spanien ohne Job. Das entspricht einer Quote von rund 20 Prozent.

APN/ben APN

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