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Eurokrise: Österreich sieht in Italien den nächsten Rettungskandidaten

Griechenland, Irland, Portugal, Spanien - und jetzt Italien? Österreichs Finanzministerin Fekter schließt einen Antrag der Regierung in Rom auf Milliardenhilfe nicht aus.

In der Regel halten sich Spitzenpolitiker in der Eurokrise mit negativen Prophezeiungen zurück, weil sie mit Hiobsbotschaften die panischen Märkte nur noch mehr in Aufregung versetzen würden. Das gilt insbesondere für die Finanzminister der Eurostaaten. Anders Österreichs Finanzministerin Maria Fekter, die am Montagabend überraschend offen über die Lage Italiens plauderte. Zwar äußerte sie sich vorsichtig. Aber die Tendenz war klar: Das Land müsse sich selbst aus seinem wirtschaftlichen Dilemma hoher Defizite und Schulden befreien, sagte sie im österreichischen Fernsehen. Aber es könne natürlich sein, dass Italien angesichts der hohen Zinsen, die das Land zur Begleichung seiner Schulden oder neue Staatsanleihen zahlen muss, auf zusätzliche Unterstützung seiner Partner angewiesen sein könne. Mit anderen Worten: Dass Italien unter den Rettungsschirm der Europartnerstaaten schlüpfen muss.

Griechenland, Portugal und Irland erhalten Milliardenhilfe aus dem Hilfstopf der Europäer im mehrstelligen Milliardenbereich, Spanien stellte einen Antrag, um marode Banken vor dem Untergang zu bewahren. Italien wäre das fünfte der 17 Euroländer unter dem Rettungsschirm. Das Land wird seit Wochen an den Finanzmärkten als Kandidat für Hilfsmilliarden gehandelt. Rom weist das entschieden zurück. Industrieminister Corrado Passera hatte am Montag erklärt: "Italien hat in den vergangenen Monaten alles Nötige unternommen, um sich zu wappnen."

Italien würde den Rettungsschirm sprengen

Am Wochenende hatte Spanien nach wochenlangem Zögern angekündigt, Hilfsgelder zu beantragen. Spanien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, Italien die drittgrößte. Wenn Spanien und Italien unter den Rettungsschirm schlüpfen, ist das finanzielle Polster des Fonds mehr als aufgebraucht – das Ende der Eurozone wäre gekommen. Die italienische Schuldenlast ist wesentlich höher als die spanische.

Mit der Entscheidung der Regierung in Madrid, Hilfsgelder für seine maroden Banken anzunehmen, konnten die Märkte einigermaßen beruhigt werden. Nun wird mit Spannung das Ergebnis der Wahl in Griechenland am kommenden Sonntag erwartet, ob dort die Befürworter eines harten Sparkurses oder die Gegner gewinnen. Davon hängt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Verbleib von Hellas im Euroverbund ab.

Roubini: Den Griechen nicht den Stecker ziehen

US-Starökonom Nouriel Roubini, der schon 2004 das Platzen der US-Immobilienblase prognostiziert hatte, die 2008 zur Pleite der Lehman-Bank führte, warnte vor einem Stopp der Finanzhilfen für Griechenland nach der Wahl. „Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Euro-Zone", sagte Roubini der "Bild"-Zeitung. Bei einem Kollaps des Landes würden viele Anleger in Panik geraten: "Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien", sagte der Wissenschaftler und frühere Regierungsberater. Deshalb müsse Griechenland entweder in der Eurozone gehalten werden oder finanzielle Unterstützung für einen geregelten Ausstieg erhalten. "Beides ist für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Euro-Zone kaputtgehen zu lassen." Roubinis Prognosen werden an den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt, da er den Einbruch des US-Immobilienmarktes im Vorfeld der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise vorausgesagt hatte. In der Finanzwelt trägt er den Spitznamen "Dr. Doom" ("Dr. Untergang").

Im stern hatte Roubini die europäische Staatsschuldenkrise als "tickende Zeitbombe" bezeichnet und ein entschlossenes Gegensteuern gefordert, um einen weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte zu verhindern. "Wenn Europa implodiert, werden die USA mit in den Abwärtssog gezogen", sagte er im Oktober.

tos mit Agenturen