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Hartes Middelhoff-Urteil: Warum drei Jahre Haft für ein paar Helikopterflüge?

Ex-Arcandor-Manager Middelhoff soll fast genauso lange in den Knast wie Uli Hoeneß. Dabei hat er nur einen Schaden von 500.000 Euro angerichtet, Hoeneß hinterzog 30 Millionen. Warum das harte Urteil?

Von Daniel Bakir

Kurz vor Beginn der Verhandlung hatte Ex-Spitzenmanager Thomas Middelhoff noch ein lockeres Lächeln auf dem Gesicht. Doch als Richter Jörg Schmitt gegen halb zehn das Urteil verkündete, entgleisten auch dem Sonnyboy die Gesichtszüge. Drei Jahre soll Thomas Middelhoff ins Gefängnis. Wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen. Mit diesem harten Urteil hatten die wenigsten gerechnet. Das Gericht folgte damit fast vollständig dem Antrag des Staatsanwalts, der drei Jahre und drei Monate gefordert hatte. Middelhoffs Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

Vom Gericht geht es für Middelhoff direkt ins Gefängnis. Vergeblich versuchten die Anwälte im Anschluss an das Urteil, den Haftbefehl für den 61-Jährigen zumindest auszusetzen. Das Gericht vermutet Fluchtgefahr und ordnete Untersuchungshaft an.

Drei Jahre Haft! Sollte das Urteil des Landgerichts Essen rechtskräftig werden, muss Middelhoff fast genauso lange ins Gefängnis wie Uli Hoeneß, der zu dreieinhalb Jahren verurteilt worden war. Dabei erscheint Middelhoffs Schuld auf den ersten Blick viel geringer als die des Ex-Bayern-Präsidenten. Uli Hoeneß hat den deutschen Steuerzahler um fast 30 Millionen Euro betrogen. Den Schaden, den Thomas Middelhoff seinem ehemaligen Arbeitgeber Arcandor verursacht hat, beziffert das Gericht auf gerade mal 500.000 Euro. Das sind völlig unterschiedliche Dimensionen.

Warum also das harte Urteil?

Der Vorsitzende Richter sagte in der Urteilsbegründung, die sechsmonatige Verhandlung habe die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu großen Teilen bestätigt. Nach Auffassung des Gerichts stellte der Manager in 26 Fällen ganz oder überwiegend privat veranlasste Flüge mit Charterjets und Hubschraubern zu Unrecht dem Arcandor-Konzern in Rechnung. Auch eine Festschrift für den Middelhoff-Mentor Mark Wössner sei fälschlich vom Unternehmen bezahlt worden. Durch die Reisen ist der Firma laut Gericht ein Schaden von 308.000 Euro entstanden. Dazu kommen 26.000 Euro durch nicht gezahlte Steuern und rund 180.000 Euro für die Festschrift.

Dass das Strafmaß so hoch ausfiel, dürfte aber zu einem guten Teil auch an dem unseriösen Verhalten Middelhoffs im Verlauf des Gerichtsprozesses liegen. Richter Schmitt kritisierte in der Urteilsbegründung ausdrücklich, der Angeklagte sei an entscheidenden Stellen im Verfahren nicht ehrlich gewesen. Zum Teil habe er dem Gericht "abenteuerliche Erklärungen" gegeben.

Opfer seiner eigenen Arroganz

"Einsicht" scheint für Middelhoff ein Fremdwort zu sein. Auch vor Gericht wollte der gefallene Star-Manager nicht einsehen, dass sein ausschweifender Lebensstil und die Vermischung von Privat- und Berufsleben von außen betrachtet alles andere als normal erschienen. Nein, ein Thomas Middelhoff muss sich nicht mit seiner Limousine in den Stau stellen, wenn er doch den Firmenhelikopter nehmen kann. So sieht das Thomas Middelhoff.

Uli Hoeneß hatte sich vor Gericht reumütig gezeigt und seine Schuld eingestanden. Thomas Middelhoff dagegen wies bis zuletzt alle Vorwürfe zurück und beteuerte noch in seinem Schlusswort: "Ich kann mir kein Fehlverhalten vorwerfen." Es scheint, als müsse Middelhoff nun auch für seine Arroganz büßen.

mit Agenturmaterial