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Ex-HGAA-Bankenchef verhaftet: Wer ist Wolfgang Kulterer?

Der Fall ist tief: Wolfgang Kulterer galt lange Zeit als Supermanager Österreichs. Doch der Erfolg seiner Banken-Gruppe Hypo Group Alpe Adria stand auf tönernen Füßen. Am Freitagmorgen wurde Kulterer festgenommen. Der Verdacht: Untreue und Geldwäsche.

Lange galt Wolfgang Kulterer als Supermanager. 15 Jahre führte er die Kärntner Hypo-Bank und machte sie zu einem über das österreichische Bundesland hinaus tätigen Institut. Am Ende seiner Tätigkeit war die Hypo Group Alpe Adria (HGAA), wie sie nun heißt, die sechstgrößte Banken-Gruppe in Österreich mit starken Geschäften auf dem Balkan.

Nun hat den 57-jährigen Kärntner die Vergangenheit eingeholt. Freitagmorgen wurde Kulterer verhaftet. Gegen ihn wird wegen des Vorwurfes der Untreue ermittelt. Die Haft wurde mit Flucht- und Verdunkelungsgefahr begründet.

1992 holte ihn der damalige ÖVP-Landeshauptmann Christof Zernatto in den Vorstand der Kärntner Landeshypotheken-Bank. Das Geldinstitut hatte eine Bilanzsumme von knapp zwei Milliarden Euro. 2009 waren es 41 Milliarden Euro.

Über Jahre fuhr Kulterer einen aggressiven Expansionskurs. Vor allem auf dem Balkan wurde die Hypo nach dem Zerfall Jugoslawiens Mitte der 90er Jahre im Bankgeschäft und vor allem auch im Leasinggeschäft aktiv. Daheim in Kärnten war Kulterer zu einer wichtigen Figur geworden. Die Bank war Sponsor von Kultur- und Sportveranstaltungen und engagierte sich auch in Prestigeprojekten des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Noch 2006 kaufte die Hypo das Schlosshotel Velden. Das mondäne Hotel erlangte zwar Berühmtheit als Drehort für viele deutschsprachige Komödien, war aber auch ein veritabler Verlustbringer. Derzeit steht es zum Verkauf wie auch zwei Golfplätze und ein weiteres Tophotel im slowenischen Portoroz.

Der Abstieg von Kulterer begann 2006. Swapgeschäfte hatten der Hypo Verluste Anfang des Milleniums von über 300 Millionen gebracht. Diese wurden vorerst in der Bilanz "versteckt", führten aber zum Rücktritt als Vorstand. Kulterer wurde deswegen auch zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Bank führte er indes weiter, ehe er nach dem Verkauf an die Bayerische Landesbank sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender abgab. Kulterer soll beim Verkauf an Bayern eine wichtige Rolle gespielt haben. Diese Transaktion hat den Bayern am Ende knapp vier Milliarden Euro Verlust eingebrockt. Zum Verkaufsprozess sind eine ganze Reihe von Verfahren im Laufen.

Erst nach Kulterers Abgang stellte sich nach und nach heraus, dass die Hypo auf tönernen Füßen stand. Massive Abschreibungen bei Krediten und Leasingverträgen führten zur Not-Verstaatlichung im Dezember 2009.

Zuletzt hatte der ehemalige Hypo-Chef, ein passionierter Reiter, seinen Wohnsitz in England und war als Investmentbanker tätig. Den eigenen Reitstall in Kärnten hat er inzwischen verkauft.

Kulterer hat bislang die gegen ihn geäußerten Vorwürfe stets bestritten. Eine Stellungnahme seines Anwaltes war vorerst nicht zu erhalten.

Christian Gutlederer, Reuters / Reuters