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Facebook-Börsendebakel: Zuckerberg droht gewaltiger Ärger

Auf Facebook-Chef Mark Zuckerberg und mehrere Banken rollt eine Klagewelle zu. Einige Anleger glauben, dass sie beim Börsendebakel des Netzwerks abgezockt wurden. Die US-Börsenaufsicht ermittelt.

Der verpatzte Börsengang von Facebook wird zum Fall für Aufsichtsbehörden und Gerichte. Nachdem ausgerechnet das boomende Online-Netzwerk einen der übelsten Börsenstarts der jüngeren Geschichte hinlegt hat, mehren sich die Zweifel, ob dabei alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Anleger reichten erste Klagen ein und auch die US-Börsenaufsicht SEC hat sich eingeschaltet. SEC-Chefin Mary Schapiro sagte, ihre Behörde gehe "Fragen" rund um den Börsengang nach.

Facebook wies eine der Klagen am Mittwoch vehement zurück. Sie sei "unbegründet", erklärte ein Sprecher des US-Unternehmens. Dabei bezog er sich auf eine bei einem Bundesgericht in Manhattan anhängige Sammelklage gegen Facebook-Chef Mark Zuckerberg, andere Verantwortliche des sozialen Netzwerks sowie die an dem Börsengang beteiligten Banken. Facebook werde sich "energisch" gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen, sagte der Sprecher.

Facebook soll wichtige Informationen verschwiegen haben

Dass aus dem hochgejubelten Gang an die Aktienmärkte ein juristischer Schlagabtausch wird, kommt nicht von ungefähr: Während Facebook und die Alteigentümer satte 16 Milliarden Dollar einnahmen, verlor ein Investor der ersten Stunde bislang etwa 16 Prozent seines Geldes. Erst am Mittwoch konnte der Fall der Facebook-Aktie gestoppt werden. Das Papier, das zu 38 Dollar verkauft worden war, pendelte sich bei 32 Dollar ein.

Die Kanzlei Glancy Binkow & Goldberg aus Los Angeles reichte im Namen ihres Mandanten Klage vor einem kalifornischen Gericht ein. Die Anwälte werfen Facebook, den Alteigentümern und den Banken vor, die Börsenunterlagen schlampig zusammengestellt und wichtige Informationen zum Geschäft und dessen Aussichten verschwiegen zu haben. Die Kanzlei strebt eine der gefürchteten Sammelklagen an und fordert Wiedergutmachung im Namen aller Geschädigten.

Nur eine Handvoll ausgewählter Großkunden gewarnt

Die Anwälte hielten der Gegenseite in einer Erklärung insbesondere vor, verheimlicht zu haben, dass die beteiligten Banken kurz vor dem Börsengang ihre Gewinnprognosen für das Soziale Netzwerk gesenkt hätten. Namentlich werden Morgan Stanley, JPMorgan Chase und Goldman Sachs aufgeführt. Das sind die drei sogenannten "Lead Underwriter", also die wichtigsten Organisatoren des Börsengangs.

Bei ihren Vorwürfen stützen sich die Anwälte auf Berichte von US-Medien, unter anderem vom "#link;http://europe.wsj.com/home-page#; Wall Street Journal#". Demnach haben nur eine Handvoll ausgewählter Großkunden der Banken von den gesenkten Erwartungen an das künftige Facebook-Geschäft erfahren. Entsprechend vorsichtig seien diese Kunden dann beim Aktienkauf geworden. Vor allem Kleinanleger seien dagegen im Dunkeln geblieben.

Morgan Stanley weist Vorwürfe zurück

Die Nachrichtenagentur Reuters und das Blog "Business Insider" gingen sogar noch einen Schritt weiter: Facebook habe den Analysten der Großbanken weniger als zwei Wochen vor dem Börsenstart zur Senkung ihrer Prognosen geraten, hieß es. Reuters beruft sich dabei auf Personen mit direkter Kenntnis der Vorgänge.

Die federführende Bank Morgan Stanley erklärte am Dienstag, alle Regularien eingehalten zu haben. Das Wall-Street-Haus hat einen Ruf zu verlieren, schließlich wickelt Morgan Stanley einen großen Teil der Börsengänge im Silicon Valley ab.

Am harmlosesten wirkt momentan noch der Vorwurf, die Banken hätten sich bei der Nachfrage verschätzt und zu viele Papiere auf den Markt geworfen. Ursprünglich hatte Facebook einen Stückpreis zwischen 28 und 35 Dollar angepeilt. Dann jedoch stockte das Unternehmen den Ausgabepreis und die Zahl der Aktien kräftig auf - was sich nun als fataler Fehler herausstellt. Laut "Wall Street Journal" war es die Entscheidung von Facebook-Finanzchef David Ebersman, die Zahl der angebotenen Aktien um ein Viertel zu erhöhen. Zuvor habe ihm Morgan Stanley allerdings versichert, dass die Nachfrage sehr hoch sei. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg soll sich weitgehend aus den Details des Börsengangs herausgehalten haben.

Auch Nasdaq muss weiter Kritik einstecken

Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das "Wall Street Journal" veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit fünf Jahren so miserabel gelaufen. Nachdem die Facebook-Aktie am Montag bereits elf Prozent verloren hatte, ging es am Dienstag um weitere neun Prozent runter. Am Mittwoch erholte sich der Kurs leicht. Ähnlich übel, aber nicht ganz so schlimm, war vor einigen Monaten auch der enge Facebook-Partner und Spieleentwickler Zynga an der Börse gestartet.

Auch die Technologiebörse Nasdaq muss weiter heftige Kritik einstecken. Sie gestand jetzt ein, dass sie den Börsengang abgeblasen hätte, wenn ihr vorher das gesamte Ausmaß der technischen Probleme bewusst gewesen wäre. Wegen Systemfehlern wussten Investoren am Freitag zum Teil über Stunden nicht, ob ihre Aufträge erfüllt worden waren. Einige Order wurden gar nicht ausgeführt. Ein Anleger hat deshalb nun Klage vor einem Gericht in Manhattan eingereicht.

mad/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters