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Fernsehen: Berlusconis Einstieg bei ProSiebenSat.1 geplatzt

Mediaset wird nicht bei ProSiebenSat.1 einsteigen. Die Verquickung von politischer und medialer Macht beim Konzern von Silvio Berlusconi stieß bei Politikern auf heftige Ablehnung. Nun geht die Suche nach Finanzinvestoren in eine neue Runde.

Der italienische Mediaset-Konzern des Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist im Bieterwettbewerb um ProSiebenSat.1 aus dem Rennen geflogen. Sein Konzern Mediaset scheiterte nach eigenen Angaben bereits in der ersten Runde des geplanten Auktionsverfahrens der Mehrheitseigner um den US-Milliardär Haim Saban. Das von Mediaset eingereichte Angebot sei auf Ablehnung gestoßen, teilte das italienische Unternehmen am Donnerstag in Mailand mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Angebot stieß auf parteiübergreifende Ablehnung

Das zu Wochenbeginn offiziell angemeldete Übernahme-Interesse war in Deutschland auf parteiübergreifende Ablehnung gestoßen. Am Donnerstag stellte sich der SPD-Vorsitzende Kurt Beck an die Spitze der Kritiker eines Verkaufs des neben der RTL-Gruppe wichtigsten privaten deutschen Fernsehkonzerns an Berlusconi. "Die Aufregung ist berechtigt", sagte Beck beim Mainzer Mediendisput. "Das Problem bei Berlusconi ist, dass er politische Macht und Medienmacht verknüpft."

In Branchenkreisen hieß es, der politische Widerstand gegen Berlusconi könne ein Grund dafür gewesen sein, dass Mediaset nicht auf die Bieterliste für eine zweite Runde des Auktionsverfahrens aufgenommen worden sei. Möglich sei aber auch, dass die Zurückweisung ein Signal für die aus mehreren Finanzinvestoren bestehenden anderen Bieter sei, ihre bislang unverbindlichen Angebote zu erhöhen.

ProSiebenSat.1-Chef de Posch erklärte, er persönlich wisse nicht, ob Mediaset neben einer bloßen Interessensbekundung ein konkretes Angebot abgegeben habe. "Wir gehen davon aus, dass derzeit aktive Sondierungen stattfinden", sagte de Posch. Die Konzernführung sei aber nicht daran beteiligt und könne deshalb nichts zum Inhalt sagen. Die aktuellen Verkaufsverhandlungen mit mehreren Interessenten kämen jedoch nicht überraschend: "Finanzinvestoren prüfen ständig Möglichkeiten zu kaufen und zu verkaufen", sagte er. "Das ist ihr Job und das gilt auch für unsere Gesellschafter."

Als einer aussichtsreichsten Kaufinteressenten gilt seit langem nach wie vor ein Konsortium aus den Beteiligungsfirmen KKR und Permira, die beide die niederländische TV-Kette SBS besitzen. SBS ist die bislang in den Beneluxstaaten, Skandinavien und Osteuropa aktiv. Bei der Übernahme von ProSiebenSat.1 würde die Senderkette auf europäischer Ebene zu einem starken Mitbewerber für die internationale RTL-Gruppe des Bertelsmann-Konzerns oder der französischen Fernsehgruppe TF1 aufsteigen.

"Mit Finanzinvestoren gute Erfahrungen gemacht"

De Posch ließ bei der Zwischenbilanz von ProSiebenSat.1 durchblicken, dass er mit einem Einstieg anderer Finanz-Investoren an Stelle von Saban und seinen Partnern gut leben könne. "Fakt ist, dass wir als Vorstand sehr gute Erfahrungen mit Finanzinvestoren gemacht haben." Der Saban-Vertraute deutete zugleich an, auch unter einem neuen Eigentümer als Konzernchef weitermachen zu wollen. Er sehe keinen Anlass sich von der Gruppe zu trennen: "Ich bin hier in der Gruppe seit drei Jahren, habe ein gutes Team und die Geschäfte laufen gut." De Posch steigerte die Rendite des Konzerns und machte mit dem Schweizer Geschäftsführer Roger Schawinski aus dem einstigen Verlustbringer Sat.1 den Hauptertragsbringer.

Im dritten Quartal büßte ProSiebenSat.1 jedoch leicht an Rentabilität ein. Das Betriebsergebnis ging trotz gestiegener Werbeinnahmen wegen Mehrosten für Personal und Eigenwerbung von 50,5 auf 48,9 Millionen zurück. De Posch erhöhte dennoch die Umsatzprognose des TV-Konzerns auf 5 bis 6 Prozent und kündigte an, dass das Ergebnis sogar überproportional steigen werde.

Michael Pohl/AP / AP